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Wie verreisen, ohne die Stadt zu verlassen

13. bis 16. Juni: La Strada / Festivalleiterin Gabriele Koch im Interview

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Foto: La Strada

Wenn Theater, Musik und Akrobatik wieder Einzug in die Innenstadt erhalten, wenn Menschenmassen begeistert in die Hände klatschen und Bremen zum Treffpunkt internationaler Künstler wird, dann ist es wieder Zeit für La Strada. Bereits zum 25. Mal findet das Internationale Festival der Straßenkünste dieses Jahr statt. Festivalleiterin Gabriele Koch, selbst seit 2000 Teil von La Strada, spricht anlässlich dieses Jubiläums mit uns über die Anfänge des Festivals, seine Besonderheiten und verrät, was ihre persönlichen Highlights der letzten Jahre sind.

 

Gabriele Koch vom Theaterkontor wirkt seit 19 Jahren am Internationalen Festival der Straßenkünste La Strada mit. Foto: C. Kuhaupt

Frau Koch, die Straßenkünste von La Strada sind in diesem Jahr bereits zum 25. Mal zu sehen. Dabei waren die Anfänge ganz klein, oder?
Gabriele Koch: Das stimmt. Ausgangspunkt für die Festivalgeschichte war ein Sommerfest des Vereins Quartier e. V. in Kattenturm 1992. Die Organisatoren hatten die Idee, auch Straßentheater mit in ihr Fest einzubringen. Insgesamt fünf Gruppen sind damals aufgetreten. Das Ganze kam letztendlich so gut an, dass die Idee entstand, daraus ein Festival zu machen.

Und dieses Festival spielt mittlerweile jährlich an zentralen Plätzen in der Innenstadt und den Wallanlagen …
Ja, aber das hat gedauert. Es war zunächst ein dezentrales Festival, dessen Beteiligte in einzelnen Stadtteilen aufgetreten sind, darunter auch die Innenstadt. Eine Verdichtung fand erst im Laufe der Zeit statt. Seit 1994 liegt La Strada ganz in den organisatorischen Händen des Theaterkontors.

Wie sind Sie persönlich dazu gekommen, in der Planung von La Strada mitzu-
wirken?
Ich habe Kulturwissenschaften studiert und an der Uni damals den Organisator kennengelernt, der mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, mitzuarbeiten. Zu der Zeit war ich neben meinem Studium am Theater tätig und hatte eigentlich gar keine Zeit. Zudem muss ich gestehen, dass ich La Strada überhaupt nicht kannte. Dennoch habe ich zugesagt, auf dem Festival mitzuarbeiten. Das war im Jahr 2000.

La Strada ist im Laufe der Zeit immer wieder räumlich gewandert: vom Marktplatz, in die Wallanlagen und wieder zurück. Was waren die Gründe dafür?
Nach dem Festival im Jahr 2000 wurde in der Innenstadt die Pflasterung saniert. Somit fielen dort die Spielflächen weg. Daraufhin sind wir 2001 in die Wallanlagen gezogen. Das werde ich nie vergessen: Es war ein absolut verregnetes Jahr, aber dennoch ein sehr Lustiges. 2006 sind wir in die Innenstadt zurückgekehrt. Da beide Spielorte jedoch ihren individuellen Charme haben, bespielen wir seither beide.

Also werden Marktplatz und Wallanlagen dauerhafte Spielstätten bleiben?
Ja, diese beiden Orte sind das Kernfestival. Natürlich macht es Spaß, neue Orte zu erobern. Außerdem besitzt Straßentheater die Kraft, Orten Leben einzuhauchen, die vielleicht noch gar nicht so lebendig erscheinen. Aber Marktplatz und Wallanlagen wollen wir definitiv auch in Zukunft nicht missen.

Mittlerweile hat La Strada sich auch den Bremer Norden erschlossen.
Richtig, wir bespielen in diesem Jahr unter dem Motto „La Strada entdeckt den Bremer Norden“ zum dritten Mal Blumenthal und sind erstmals in Vegesack und zum zweiten Mal in Burglesum präsent. Vor allem die alte Wollkämmerei in Blumenthal ist wirklich ein wahnsinnig schönes Gelände.

La Strada hat in Bremen Tradition. Was macht das Straßenfestival so besonders?
La Strada ist ein Festival für jedermann. Man kann kommen und gehen wie man will. Zudem ist La Strada eine sehr entspannte und friedvolle Veranstaltungsreihe, bei der Leute ins Gespräch kommen, die im Alltag vielleicht nichts miteinander zu tun hätten. Künstlerisch deckt das Festival eine große Bandbreite ab. Alle Künstler haben einen anderen kulturellen Hintergrund und bieten den Zuschauern die Möglichkeit, in neue Lebenswelten einzutauchen. Es ist wie verreisen, ohne die Stadt zu verlassen.

Wenn Sie zurückblicken: Was waren Ihre persönlichen Highlights aus all den künstlerischen Darbietungen der letzten Jahre?
Da könnte ich so viele nennen. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir die völlig verregnete Eröffnungsshow von Pipototal, einer Gruppe aus Südfrankreich im Jahr 2011. Zehn Minuten nach Showbeginn fing es sprichwörtlich an, aus Kübeln zu schütten. Alle waren klitschnass, und dennoch sind zahlreiche Zuschauer geblieben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von La Strada?
Wir hoffen auf eine langfristige Planungssicherheit, da wir auf diesem Weg noch mehr Innovation fördern können. Auch die Möglichkeit, Künstlerinnen und Künstler längerfristig einladen zu können, wäre ein großes Geschenk. Außerdem finde ich es nach wie vor spannend, neue Orte zu entdecken und neue Besuchergruppen zu generieren.

La Strada: 13. bis 16. Juni. Weitere Informationen unter www.lastrada-bremen.de.