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„Wir haben neue Hoffnung“

Die Shakespeare Company Bremen zieht Bilanz und blickt in die Zukunft

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Die Schauspieler bei einer Probe der Inszenierung "Coriolanus". Foto: M. Menke

Nach einem aufregenden „Sommernachtstraum“ beginnt die 36. Spielzeit des zeitgenössischen Theaters in der Neustadt. Es warten neue Stücke und spannende Veranstaltungen auf die Zuschauer. Auch internationale Projekte sind wieder Teil des Repertoires.

Eine aufregende Saison geht zu Ende. Mit der ersten eigenen englischsprachigen Produktion „Midsommer“ hat die Bremer Shakespeare-Company (bsc) Erfolg gefeiert. „Das war ein Sommernachtstraum im wahrsten Sinne des Wortes“, erzählt Renate Heitmann, die Mitglied des geschäftsführenden Vorstands ist. „Auch, wenn die Spiele nicht immer ausverkauft waren, das Publikum war begeistert“, sagt Linnea George-Kupfer, die Hauptdarstellerin des Stücks.

Denkzettel für die Demokratie

Schauspieler Erkan Uyanıksoy. Foto: M. Menke

Mit dieser positiven Resonanz soll es auch in der nächsten Inszenierung weitergehen. Große Erwartungen hegt das Theater mit der deutsch-türkischen Koproduktion. „Coriolanus“ heißt das Spiel, mit dem das Ensemble einen neuen Akzent in der Geschichte seiner Eigenproduktionen setzen möchte. Gemeinsam mit der türkischen Theatergruppe „Tiyatro BeReZe“ wurde das Skript erarbeitet. Erkan Uyanıksoy spielt eine der Hauptrollen und berichtet von der Entstehungsgeschichte: „Wir haben lange überlegt, welches Thema uns verbindet und was eigentlich unser gemeinsames Problem ist“. Dabei einigte man sich auf die Geschichte über den römischen Feldherr Coriolanus, der zwar als Kriegsheld gefeiert wird, jedoch als Politiker versagt. Ein kontroverses Stück, das über Demokratie nachdenkt und eine gemeinsame Sprache findet. Dies ist gleichzeitig eine Schwierigkeit der Inszenierung, denn es wird sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch gesprochen. Eine simultane Übersetzung gibt es nicht. Aber auch ohne beide Sprachen zu beherrschen, könne das Stück verstanden werden. „Wenn man sich das Tagesgeschehen in den Nachrichten anschaut, muss man die Person des Coriolanus gar nicht großartig neu erfinden, Inspiration gibt es dafür genug“, sagt Heitmann mit Verweis aus populäre Beispiele wie Donald Trump und Boris Johnson. Premiere ist am 24. Oktober.

Nicht weniger konfliktreich geht es im November weiter. „Die Wahl (I’m not running)“ von David Hare nimmt die Diskrepanz von Macht- und Liebesbeziehungen genauer unter die Lupe. Auch ein Schauspielstück für Familien steht auf dem Programm. „Mutter Holle“ ist das dritte Märchen der Gebrüder Grimm, das im Theater am Leipnisplatz aufgeführt wird. Zudem wird Shakespeares „Das Wintermärchen“ zu Beginn des nächsten Jahres auf die Bühne zu sehen sein.

Bewegung ist das A und O

Blicken gespannt in die neue Spielzeit: Renate Heitmann, Peter Lüchinger und Linnea George-Kupfer (v.l.n.r.).

Neben Plänen für die neue Spielzeit, wirft die Shakespeare Company auch einen Blick zurück. Laut Peter Lüchinger der als Organisator und Schauspieler am Theater angestellt ist, besuchten 32 850 Zuschauer die Aufführungen der bsc in der vergangenen Saison. Die Besucherzahlen hätten sich damit nicht ausschlaggebend verändert. Auch die Fördergelder blieben unverändert. Bislang hat die bsc einen jährlichen Zuschuss von 920.000 Euro erhalten. Mit 28 Vollzeitstellen und einigen gemeinnützigen Projekten, zum Beispiel mit der anliegenden Schule, werde es finanziell eng. „Mit dem neuen Kultursenator haben wir auch neue Hoffnung und Wünsche“, sagt Heitmann. Nichtsdestotrotz steckt das Ensemble voller Tatendrang. Dynamik ist das Schlüsselwort, mit dem das Shakespeare-Theater die nächste Spielzeit gestalten will. „Die Zurückgezogenheit der Gesellschaft ist eine potenzielle Gefahr. Wir müssen uns bewegen, um diesen Trend entgegenzuwirken“, sagt Peter Lüchinger. Renate Heitmann wünscht sich, dass das Publikum größer und diverser wird. „Wie kriegen wir das Publikum so bunt, wie die Gesellschaft ist?“, sei die Leitfrage der nächsten Monate.

Nähere Informationen zu der Bremer Shakespeare Company und den Inszenierungen der neuen Spielzeit gibt es unter www.shakespeare-company.com.