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Schonungslos offen

Premiere im Schauspiel: „Knausgård VI – Kämpfen“

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Szene aus „Knausgård VI – Kämpfen“ mit Torsten Kindermann, Robin Sondermann und Nils Bischoff. Foto: J. Landsberg

Schreiben war wie ein Zwang für ihn. Was sein Schaffen für die anderen bedeutet, hat er lange nicht hinterfragt. Doch jetzt holen sie ihn ein, die Stimmen, die verletzten Gefühle, die Vorwürfe. Karl Ove Knausgård hat mit seinem sechsbändigen Romanzyklus Leser auf der ganzen Welt in seinen Bann gezogen, als der „Proust des 21. Jahrhunderts“ wird er in den Feuilletons bezeichnet: Schonungslos und offen schreibt er über sein Leben, allerdings nicht nur über seines, auch über das der anderen. Der sechste Band, im Deutschen betitelt mit „Kämpfen“, erzählt von seinem Ringen mit den Menschen, die unfreiwillig Teil seines Romans geworden sind.

Das Theater Bremen bringt seit der Spielzeit 2016/17 die Romanbände in einer Theaterserie nacheinander auf die Bühne. Nun steht die sechste und letzte Premiere bevor. Über zwanzig Akteure werden dabei die Bühne des Kleinen Hauses bespielen, denn die Figuren aus den letzten Teilen kommen zu einem großen Familienfest zurück: Knausgårds 40. Geburtstag.

„Im letzten Teil steht auch die Frage danach im Mittelpunkt, in welchem Verhältnis Knausgårds Recht als Schriftsteller zu dem Recht auf Privatsphäre steht. Werden manche Grenzen des Sozialen erst in der Überschreitung sichtbar? Und warum haben Menschen eigentlich solche Angst davor, dass die Probleme, die in ganz vielen Familien vorkommen, öffentlich werden? “, erklärt Dramaturgin und Mitautorin der Theaterfassung Viktorie Knotková. „Uns war aber auch wichtig, dass im letzten Teil die anderen zu Wort kommen. Deswegen treten auch alle Figuren noch einmal auf. Aber eines ist klar: Sie kommen natürlich nur durch Knausgård zu Wort, letztendlich hat immer er die Deutungsmacht.“
Übrigens lädt das Theater Bremen in dieser Spielzeit noch zu einem Knausgård-Serienmarathon ein: Den Beginn macht ein „Halbmarathon“ am Karfreitag, dem 19. April. Ab 11.30 Uhr werden die letzten drei Teile im Kleinen Haus zu sehen sein. Alle sechs Teile gibt es dann an zwei Tagen im Juli zu sehen.

Premiere: 4. April, Kleines Haus, 20 Uhr