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Eine private Katastrophe

Premiere: „Die Tote Stadt“ im Theater am Goetheplatz

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Martin Werthmann, der Bildende Künstler, der das Bühnenbild zu „Die tote Stadt“ gemacht hat, vor zwei seiner Bögen. Foto: Jörg Landsberg

Mit den Arien „Glück, das mir verblieb“ und „Mein Sehnen, mein Wähnen“ enthält „Die tote Stadt“ vielleicht die letzten wirklichen Schlager der Opernliteratur. Das Libretto nach Georges Rodenbachs symbolistischem Roman „Das tote Brügge“ stammt von Paul Schott, hinter dem sich eigentlich Korngolds Vater Julius verbirgt. In Rodenbachs Roman spielt die belgische Stadt eine Hauptrolle. Ihre Schönheit, ihr Vergehen. In diesem Brügge sucht Paul nach dem Andenken an seine tote Frau, er verschanzt sich meistens in seiner Wohnung, die er zu ihrem Andenken in eine „Kirche des Gewesenen“ verwandelt. Doch dann trifft er eine Frau, die seiner Geliebten zum Verwechseln ähnlich sieht …

Korngolds „Die tote Stadt“ ist die zweite Zusammenarbeit von Generalmusikdirektor Yoel Gamzou und Hausregisseur Armin Petras, in der vergangenen Spielzeit haben sie gemeinsam „Lady Macbeth von Mzensk“ auf die Bühne im Theater am Goetheplatz gebracht. Jetzt stößt noch der bildende Künstler Martin Werthmann dazu, er baut im Theater Bremen rund um das auf der Bühne sitzende Orchester eine abstrakte Kathedrale: Werthmann, der an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Andreas Slominski, Wim Wenders, Fatih Akin und Daniel Richter studierte, fertigte für die knapp sieben Meter hohen Bögen der Kathedrale in einem speziellen Verfahren Holzschnitte an. Diese bestehen aus bis zu zehn übereinander liegenden Schichten. Als Vorlage für die Holzdrucke benutzt Werthmann Fotos von Katastrophen, die dann bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und überlagert wurden. Diese Holzschnitte werden mit größter Vorsicht auf die in den Theaterwerkstätten gefertigten Bögen gespannt. So entsteht insgesamt eine Fläche von gut 7 mal 30 Metern Bildkunstwerk: überlagerte Katastrophen, die nahezu abstrakt wirken.

Auch die Inszenierung von Armin Petras handelt von einer Katastrophe: Was ist in Pauls Vorleben passiert, dass er die tote Frau nicht loslassen kann? Welche Schuld hat er auf sich geladen?

Premiere: Sonntag, 12. Mai, Theater am Goetheplatz, 18 Uhr