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„Den meisten konnten wir helfen“

Nach 25 Jahren endet mit der letzten „Oldiebörse“ eine Ära der Bremer Radiogeschichte

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Thomas Schönherr (links) und Dirk Böhling. Foto: Radio Bremen

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es an jedem ersten Montag im Monat die „Oldibörse“ im Radioprogramm von Radio Bremen. Musikexperte und Plattensammler Thomas Schönherr und Moderator Dirk Böhling helfen darin Hörern, verschollene Musiktitel und Raritäten wieder aufzufinden. Am 7. Dezember um 20 Uhr geht Bremens älteste Radiodienstleistung letztmals über den Äther. Im Interview spricht Thomas Schönherr über seine Musikleidenschaft sowie die vergangenen 25 Jahre.

Wie kam es zu der Sendung?
Thomas Schönherr: 1995 wohnte Dirk Böhling, der damals gerade nach Bremen gekommen war, im damaligen Queens Hotel in der Vahr, in der Nähe von Radio Bremen. Der Sender war zu der Zeit noch in der Bürgermeister-Spitta Allee beheimatet. Ich arbeitete als Restaurantchef im Queens und war unter anderem für die Musikauswahl zuständig. Irgendwann sprach Dirk mich darauf an, wir kamen ins Gespräch. Und als er von meiner Musikleidenschaft und meiner Plattensammlung erfuhr, meinte er: „Wir machen mal was zusammen.“ Ich habe daran zuerst natürlich nicht geglaubt, bis Dirk mich eines Tages fragte, ob ich Zeit hätte, um 20 Uhr in den Sender zu kommen. Ich erinnere mich noch, dass ich nach dem Warum fragte und er mit „Das wirst du dann schon sehen“ antwortete. Ich bin hin und seitdem gibt es die „Oldiebörse“.

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für die Musik entdeckt?
Das war Mitte der 50er Jahre, ich war fünf oder sechs Jahre alt. Wir hatten ein Radio zu Hause, das ich, wenn ich schlafen ging, unter der Bettdecke versteckte und dann heimlich weiterhörte. Jeden Abend.

Haben Sie damals auch schon angefangen, Schallplatten zu sammeln?
Nein, das war etwas später. Ich erinnere mich noch, dass ich meiner Mutter zum Muttertag die Single „Don‘t Let The Rain Come Down“ von den Serendipity Singers schenkte. Das war die erste Platte, die ich gekauft habe, und musste dafür mein ganzes Taschengeld zusammenkratzen. Nach der Schule bin ich zunächst zur See gefahren. Während die anderen die Bars besucht haben, bin ich immer direkt in die Plattenläden und habe mein Geld dort ausgegeben. Heute habe ich noch 10.000 Platten und 20.000 CDs.

Das Besondere an Ihrer Sendung war, dass Hörer anrufen konnten die bestimmte Titel zumeist Raritäten suchten. Und Sie konnten den meisten sogar helfen …
Das stimmt, wir hatten eine Trefferquote von über 90 Prozent. Menschen aus ganz Deutschland, aber auch aus Skandinavien und den USA haben sich bei uns gemeldet und nach bestimmten Titeln gefragt. Den meisten konnten wir zum Glück helfen.

Erinnern Sie sich noch an eine ganz spezielle Anfrage?
Da gab es natürlich unzählige, aber eine ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Eines Tages fragte ein Hörer nach „Adios Amor“ von Andy Borg. Eigentlich ein ganz normaler Song, der überall zu bekommen war. Allerdings sollte es das Lied auf Englisch geben. Das konnte ich zunächst gar nicht glauben. Trotzdem habe ich mich danach auf die Suche gemacht – und das Lied tatsächlich gefunden. Ich fand heraus, dass Aufnahmen für den amerikanischen Markt gemacht werden sollten. Aber auch meine Quellen in Übersee kannten den Titel nicht. Bis ich per Zufall auf einen Plattenhändler in Kanada gestoßen bin, der über eine ungespielte Single verfügte und mir diese tatsächlich zuschickte. Sie können sich nicht vorstellen, wie erstaunt der Hörer war, als ich mich Monate später bei ihm mit dem Fundstück meldete.

Warum hören Sie nach 25 Jahren mit der Sendung auf?
Durch das Internet, Suchmaschinen und Musikerkennungsapps braucht man uns eigentlich nicht mehr. Ich finde auch, dass wir unseren Auftrag erfüllt haben. Es sind fast alle Anfragen beantwortet, wir haben fast alles aufgelöst. Und nach 25 Jahren ist doch auch ein schöner Zeitpunkt.