Start Veranstaltungen Konzerte Ron Williams stattet dem Metropol Theater einen doppelten Besuch ab

Ron Williams stattet dem Metropol Theater einen doppelten Besuch ab

Das Multitalent ist den typischen Top-20-Kram satt

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Spielt den Radio-DJ Dr. Feelgood: Ron Williams. Foto: JF

Ob Stevie Wonder, The Temptations oder Diana Ross: Die Liste der Weltstars, die aus dem Hause Motown hervorgehen, ist lang. Kaum ein anderes Unternehmen prägte den Aufstieg der amerikanischen Soulmusik so sehr wie das Plattenlabel von Berry Gordy. Ein Zeitzeuge, der dem Sound und dem Spirit dieser musikalischen Schmiede bis heute verbunden ist, ist Ron Williams. Neben Tätigkeiten als Schauspieler, Moderator und Sänger machte sich der gebürtige Kalifornier Mitte der 60er Jahre als erster US-amerikanischer politischer Kabarettist einen Namen. Mit den Shows „The Sound of Classic Motown“ und „Sweet Soul X-Mas Revue“, die auf Klaus Gassmanns Idee zurückgehen, stattet der Entertainer Bremen gleich zwei Besuche ab.

Herr Williams, bevor Sie Radiosprecher und Printjournalist wurden, waren Sie Militärpolizist.
Ron Williams: Ja, ich hatte meine Ausbildung zum GI (Soldat) in Kalifornien begonnen. Kalifornien war damals sehr liberal im Vergleich zu anderen Bundesstaaten. Etwa ein Jahr später, es muss etwa um 1960 oder 1961 gewesen sein, kam ich dann nach Georgia. Plötzlich befand ich mich als frecher, schwarzer Amerikaner in einem Bundesstaat, in dem der Klu-Klux-Klan sehr präsent war. Wie es dort um die Rassendiskriminierung gestellt war, musste ich bereits am Flughafen am eigenen Leib erfahren.

Wie meinen Sie das?
Kurz nach unserer Landung in Georgia bin ich zu einem Wasserspender gegangen. Es war ein heißer Sommertag und ich war durstig. Als ich trank, tippte mir plötzlich jemand von hinten auf die Schulter. Als ich mich umdrehte, stand mir ein Mann gegenüber, der mich fragte, was ich mir denn einbilden würde, hier zu trinken. Ich hatte nicht gesehen, dass über der Wasserstelle ein Schild hing: „Whites only“, also nur für Weiße.

Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich wollte das nicht auf mir sitzen lassen. Mein Sergeant nahm mich dann beiseite und sagte mir, ich solle ruhig bleiben. Da merkte ich: Die Segregation in den Südstaaten war in vollem Gange. Dieser Eindruck bestätigte sich im Laufe meiner Ausbildung immer wieder. Vor allem in Virginia, wo ich als einziger Schwarzer in einer Einheit gedient habe, musste ich so viel brutales Zeug erleben. Es war so unerträglich, dass ich letztendlich aus dem Dienst befreit wurde und einen neuen Beruf auswählen musste. So wurde ich Journalist und Radiosprecher und kam letztendlich nach Deutschland.

Wenn es um Künstler der Soulmusik geht, werden nach wie vor jene Größen der Motown-Ära angeführt. Gibt es keinen Nachwuchs?
Doch, aber einen Saal füllen kann man damit nicht. Aretha Franklin, Stevie Wonder, Billie Holiday – sie sind einmalig und die Wegbereiter der Motown-Geschichte. Mit unserer Sweet Soul Music Revue bringen wir die großen Soul-Klassiker seit rund zehn Jahren auf die Bühne großer Veranstaltungsstätten und sind regelmäßig ausverkauft.

Wie erklären Sie sich dieses Interesse?
Ich glaube, die Menschen haben den typischen Top-20-Kram satt. Im Formatradio gibt es fast nur noch Pop. Nichts gegen gute Popmusik, aber es sind immer die gleichen Songs.
Das Label Motown hat wie keine andere Firma die Soul-Ära in den USA geprägt. Was hat

Berry Gordy richtig gemacht?
So ziemlich alles (lacht). Berry Gordy war ein einfacher Fließbandarbeiter und hatte eine verrückte Idee: Wenn man ein Auto aus mehreren Teilen zusammenbauen könnte, müsste es auch möglich sein, Talente Stück für Stück zu erschaffen. Also hat er den Künstlern eine Art Schule geboten. Es war eine ganz andere Einstellung zur Musikproduktion, als heute vorherrscht. Auf diese Hintergründe der Motown-Ära werde ich als Radio-DJ Dr. Feelgood in der Show eingehen.

Nähere Infos zu den Shows mit Ron Williams gibt es unter www.metropol-theater.de.