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„Die Geschichten kommen oft automatisch zu mir“

Alexa Feser: Dienstag, 17. April im Schlachthof

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Foto: Sven Sindt

„Bist du ein Wunderkind oder vor Wunder blind?“ Mit diesen Zeilen richtet sich die Künstlerin Alexa Feser in ihrer Single „Wunderfinder“ kritisch und nachdenklich an ihre Zuhörer. Gemeinsam mit dem „Berlin Strings“ Streichquartett widmet sich die Deutschpop-Poetin nun einer neuen musikalischen Herausforderung und präsentiert ihr aktuelles Album „Zwischen den Sekunden“ in einem reduzierten Akustik-Gewand. Im Interview mit dem STADTMAGAZIN spricht die Wahl-Berlinerin über den Entstehungsprozess ihrer Songs, schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem Orchester und offenbart ,welche persönlichen Wunder sie gerne wahr machen würde.

Wo finden Sie die Inspiration zum Schreiben?
Ich wechsle für jedes neue Album den Ort, um an einem neuen Platz auf Menschen und ihre Geschichten zu treffen. Ich gehe in Cafés, sitze an Bahn- und Bushaltestellen und auch wenn es verrückt klingt: Die Geschichten kommen oft automatisch zu mir. Meine Single „Linie 7“ ist beispielsweise daraus entstanden, dass ich mich über einen längeren Zeitraum am Berliner Alexanderplatz aufgehalten habe und dort mit einigen Leuten ins Gespräch gekommen bin.

Woher kam die Idee, das Album „Zwischen den Sekunden“ in akustischer Form zu präsentieren?
Auch wenn sich auf meinen Alben immer einige Akustik-Versionen wiederfinden, bin ich eigentlich immer mit Band auf Tour. Allerdings wollte ich mein aktuelles Album einfach nochmal von einer anderen Seite zeigen und mit einem Streichquartett präsentieren. Das Tolle daran ist, dass die Songs intimer wirken, obwohl nicht weniger Leute auf der Bühne sind als sonst. Es ist nicht mehr laut und bandlastig, sondern einfach ruhiger und emotionaler. Dadurch rücken die Songs, glaube ich, nochmal viel näher an die Zuhörer. Das hat schon etwas unfassbar Schönes und ist für mich eine unglaublich tolle Erfahrung.

Ist eine Akustik-Performance für Sie als Künstlerin auch mit einer gewissen Schwierigkeit verbunden?
Ich glaube, Schwierigkeit ist das falsche Wort. Ich würde eher sagen Motivation und Neugierde. Meine Songs sind ja oftmals im großen Umfang mit Orchester arrangiert. Dadurch konnte ich im Vorfeld natürlich gut absehen, dass sie sich dafür eignen. Bei der Zusammenarbeit mit dem Streichquartett mussten wir erst einmal lernen, uns aufeinander einzustellen, um ein Gefühl für das Spiel des jeweils anderen zu entwickeln.

Ihr Großvater tingelte früher als Jazzmusiker durch die New Yorker Clubszene. War er eine Inspiration für Ihren musikalischen Werdegang?
Absolut. Ich denke, man eifert immer, vor allem in jungen Jahren, den Menschen nach, die man liebt. Ich habe schon mit fünf Jahren Klavier spielen gelernt und mit meinem Opa sehr oft vierhändig gespielt. Da war er natürlich mein großes Vorbild und ich wollte unbedingt so sein wie er.

Sie blicken in Ihren Songs oft sehr kritisch auf die Welt. In der Single „Wunderfinder“ sprechen Sie beispielsweise davon, dass diese Welt für Wunder blind sei. Was genau meinen Sie damit?
Dass die Welt für Wunder immer blinder wird, hat mit mangelnder Achtsamkeit zu tun. Durch die fortschreitende technologische Entwicklung verlieren wir oft das Auge für das Wesentliche und die Empathie für unsere Mitmenschen. Natürlich hat der technische Fortschritt auch seine Vorteile. Wir werden immer produktiver und das Tempo sich an. Aber ob es das Tempo des Menschseins ist, bezweifle ich. Wir sollten uns wieder die Momente nehmen, um einfach mal inne zu halten.

Wenn Sie ein Wunder wahr werden lassen könnten, welches wäre das?
Für mich wäre es das Größte, wenn mein verstorbener Opa wüsste, was ich heute beruflich mache. Und: Ich würde gerne fliegen können.

Dienstag, 17. April, Schlachthof, 20 Uhr