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Johannes Strate: Das große Heimspiel

Der Sänger im Interview / Revolverheld-Konzert am 18. März

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Johannes Strate (2.v.l.) will mit seiner Band Revolverheld die ÖVB-Arena rocken. Foto: B. Schnermann

Geboren in Bremen und aufgewachsen in Worpswede ist mittlerweile Hamburg der Lebensmittelpunkt von Revolverheld-Sänger Johannes Strate. Dennoch hat der 38-Jährige nie den Bezug zu seiner alten Heimat verloren – weshalb er sich auch ganz besonders auf das Konzert in der ÖVB-Arena freut.

Herr Strate, was bedeutet es Ihnen, in die Heimat ­zurückzukehren und in der großen Halle auf der Bürgerweide aufzutreten?
Johannes Strate: Es ist in der Tat für mich das große Heimspiel. Ich habe, als sie noch Stadthalle hieß, früher als Helfer dort gearbeitet und die Bühnen aufgebaut. Als Kind habe ich dort so große Künstler wie Roxette und Sting gesehen. Dass ich jetzt selbst auf einer dieser Bühnen in der großen Halle spielen darf, fühlt sich schon ein wenig irreal an und ich freue mich riesig darauf.

Sie wohnen mittlerweile in Hamburg. ­Haben Sie noch Bezug zu Bremen?
Natürlich, viele meiner Freunde wohnen noch in der Stadt und ich gehe auch regelmäßig zu Werder-Heimspielen. Zudem bin ich ja auch Botschafter des Vereins. Meine Eltern wohnen nach wie vor in Worpswede und mein Vater hat noch immer den WESER-KURIER abonniert – den lese ich natürlich immer, wenn ich zu Hause bin (lacht).

In Bremen endet gerade die Kohlfahrtzeit. Pflegen Sie solche Traditionen noch?
Nein, aber das ist eine Superidee. In diesem Jahr fahren wir mit der Band und dem Management ein Wochenende nach Sankt Peter-Ording, um dort die Ideen für die kommenden Jahre zu besprechen. Aber vielleicht verbinden wir das in Zukunft mit einer Kohlfahrt, würde ich sowieso gerne mal wieder machen.

In diesem Jahr gibt es Revolverheld 15 Jahre. Wenn Sie zurückschauen, wie hat sich die Band entwickelt?
Ich kann mich noch gut an die Anfangszeiten erinnern, als wir zum Beispiel noch im Meisenfrei oder Tower angeklopft und gefragt haben, ob wir dort spielen dürfen. Wir sind im Prinzip die Gleichen geblieben – aber vielleicht nicht mehr so mit Vollgas durchgedreht wie vor 15 Jahren.

„Vollgas durchgedreht“ – was meinen Sie damit?
Ich erinnere mich an einen Gig, den wir bis in die Nacht in Kiel gespielt haben und anschließend mit dem Bus noch nach Köln gefahren sind, weil wir dort morgens einen Studiotermin hatten. So etwas würden wir heute wohl nicht mehr machen – wahrscheinlich. Zumindest würden wir, glaube ich, lieber zweimal darüber nachdenken.

Und musikalisch?
Musikalisch und textlich haben wir uns als Band natürlich auch entwickelt. Vor 15 Jahren noch eher vom Crossover und Nu Metal geprägt, war unsere Musik eher laut und krachig. Heute sind wir deutlich poppiger geworden und klingen vielleicht eher nach Coldplay.

Auf dem aktuellen Album „Zimmer mit Blick“ sind auch politische Töne zu vernehmen. Ist das etwas, das mit dem Alter kommt, oder das Resultat einer ganz bewussten Entscheidung?
In erster Linie war das eine bewusste Entscheidung. Es kommen beim Songschreiben mittlerweile einfach bestimmte Themen auf den Tisch, die mit 25 noch nicht so relevant für uns waren. Mit Ende 30, Anfang 40 guckt man einfach anders auf die Welt. Zudem bin ich seit mittlerweile sechs Jahren Vater. Als Elternteil nimmt man einen ganz anderen Blickwinkel ein und natürlich gucke ich ganz genau hin, in was für einer Welt mein Sohn aufwächst. Was passiert mit dem Klima? Was bedeutet der Rechtsruck, der gerade durch Europa und die USA geht? Das sind Alltagsfragen, die mittlerweile beim Songschreiben mit einfließen.

Gab es einen konkreten Zeitpunkt für die bewusste Entscheidung?
Eigentlich nicht, aber es war beim Schreiben für das aktuelle Album. Ich saß irgendwann im Studio und merkte, dass ich gerade drei bis vier Songs über Themen verfasst hatte, die mich offensichtlich sehr beschäftigten. Das Songschreiben ist an dieser Stelle auch ein therapeutischer Vorgang, da man sich an den Themen, die einen gerade beschäftigen, abarbeiten kann. Gemeinsam als Band haben wir dann entschieden, dass wir diese Songs mit auf das Album nehmen wollen. Wir haben auch schon früher Stellung bezogen, etwa durch Auftritte bei „Laut gegen Nazis“. Aber jetzt findet sich diese Haltung auch in unseren Texten wieder.

Seit 30 Jahren gibt es „MTV unplugged“, ein Format, bei dem Stars wie Bon Jovi, Nirvana, Bruce Springsteen oder Udo Lindenberg aufgetreten sind. 2015 standen dann Revolverheld auf der Unplugged-Bühne. Wie war das für Sie?
Ein totaler Ritterschlag, etwas ganz Besonderes. Ich bin mit MTV aufgewachsen, habe meine Helden wie Nirvana, Pearl Jam oder Sting dort gesehen. Als die Anfrage kam, so ein Konzert zu spielen, haben wir uns besonders viel Mühe gegeben, mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet und „Revolverheld: Unplugged in drei Akten“ entworfen.

Wenn man sich Songs wie „Generation Rock“ von 2005 oder aktuell „Liebe auf Distanz“ anhört, entdeckt man eine deutliche Veränderung. Könnte man sagen, dass Revolverheld als Band erwachsen geworden ist?
„Generation Rock“ war damals total überzogen und übertrieben. Aber wir haben das damals eben gefühlt. So nach dem Motto: „Geballte Faust und voller Energie in die Welt hinaus“. Heute müssen wir nicht mehr die ganze Zeit schreien, sondern wollen auch unsere Inhalte transportieren, um die es uns mittlerweile vermehrt geht.

Hat sich entsprechend auch Ihr Publikum verändert?
Natürlich sind neue Leute dazugekommen. Ich bekomme aber auch immer wieder Mails und Nachrichten von Fans, die bereits als 15-Jährige auf unseren ersten Konzerten waren und heute als 30-Jährige immer noch da sind. Viele sind auch mit uns erwachsen geworden. Und einige bringen sogar schon ihre Kinder zu unseren Konzerten mit. Das macht uns dann besonders stolz.

Wie entstehen bei Ihnen die Songs?
In der Regel schreiben unser Gitarrist Kris und ich die Songs. Dabei geht es zumeist um Ideen, die wir gerade im Kopf haben und die wir uns gegenseitig zuschmeißen. Früher landeten diese im Notizbuch, heute zumeist in der Notiz-App im Handy, bevor wir sie dann gemeinsam im Studio bearbeiten.

Einige Ihrer Lieder wie „Liebe Auf Distanz“ oder „Halt Dich An Mir Fest“ wirken sehr persönlich. Sind Sie es auch?
Ja, absolut. Als ich „Halt Dich An Mir Fest“ geschrieben habe, gingen um mich he-
rum unheimlich viele Beziehungen gerade kaputt. Und die „Liebe Auf Distanz“ habe ich tatsächlich so erlebt. Meine Freundin wohnte damals in Köln und ich in Hamburg. Mittlerweile ist sie aber zu mir nach Hamburg gezogen …

Sie singen von Hamburg, Berlin und Köln. Wann taucht in Ihren Songs endlich mal Bremen auf?
Oh, das kann ich nicht sagen. Aber auf meinem Soloalbum – „Die Zeichen Stehen Auf Sturm“ von 2011 – kommt Bremen schon mal vor.

Wird es etwas Besonderes bei Ihrem Live-Auftritt in Bremen geben?
Es wird mit Sicherheit die aufwändigste Tournee, die wir je auf die Beine gestellt haben. Wir lehnen uns weit aus dem Fenster und es wird zahlreiche Überraschungen geben. Für diese Tour haben wir unsere Komfortzone verlassen wie noch nie!

Im September verewigte sich Johannes Strate in der Lloyd-Passage. Fotos: M. Meister

Montag, 18. März, ÖVB-Arena, 20 Uhr

Wir verlosen 2 x 2 Eintrittskarten für das Konzert von Revolverheld. Schicken Sie uns bis zum 10. März eine E-Mail mit dem Betreff „Strate“ sowie Ihren Kontaktdaten an verlosung@stadtmagazin-bremen.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.