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„Hip-Hop ist der Rock’n’Roll der Gegenwart“

Smudo von den Fantastischen Vier im Interview zum „Captain Fantastic“-Konzert am 27. Januar

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Auf ihrer „Captain Fantastic“-Tour sind die Fantastischen Vier auch in Bremen zu Gast: Smudo, Michi Beck,Thomas D und And.Ypsilon (v.l.n.r.). Foto: Robert Grischek

Sie gelten als Wegbereiter der deutschsprachigen Hip-Hop-Bewegung und schreiben seit ihrem Durchbruch mit der Single „Die da?!“ ihre Erfolgsgeschichte fort: Die Fantastischen Vier. Auch nach 29 Jahren Bandbestehen haben die aus Stuttgart stammenden Rap-Veteranen noch viel zu sagen. Auf ihrem zehnten Album „Captain Fantastic“ geben sich die Fantas politischer denn je. Im Interview erklärt Smudo, wie es dazu kam.

 

Smudo von den Fanta4. Foto: Robert Grischek

Sie waren in der letzten Staffel von „The Voice“ zu sehen und beurteilen die Teilnehmer als Musikexperte. Wie gefällt Ihnen diese Rolle?
Smudo: Die Rolle gefällt mir überhaupt nicht, die haben mich gezwungen! (lacht) Nein, im Ernst: Sie gefällt mir sehr gut, deshalb bin ich ja da. Und „The Voice“ ist ja die gute Castingshow.

Jetzt läuft die Tour zum aktuellen Album „Captain Fantastic“, und das ist deutlich politischer als die Vorgängeralben. Auch der aufkeimende Populismus in Deutschland ist Thema. Wie kommt das?
Das ist im Prinzip der aktuellen Situation geschuldet. Wir waren schon immer an der Gesellschaft interessiert. Und jeder, der öffentlich agiert, sollte sein Sendungsbewusstsein schärfen. Die Situation rund um den weltweiten Populismus-Boom ist so bewegend, dass man sich anstrengen muss, nicht politisch zu sein.

Spielt Hip-Hop als Kunstform heute eine andere Rolle als zur Geburtsstunde der Fantastischen Vier?
Auf jeden Fall! Heute laufen selbst im Supermarkt die krassesten Beats. Hip Hop ist der Rock’n’Roll der Gegenwart und die relevanteste Form der zeitgenössischen Popmusik. Die Technik des Sampling zum Beispiel kommt aus der Hip-Hop-Kultur und ist umfassender Bestandteil allgemeiner Popmusikproduktion geworden. Eine klassische Bandbesetzung mit ausschließlich analogen Instrumenten gibt es in der aktuellen Musikproduktion kaum noch.

Was genau meinen Sie mit Rock’n’Roll der Gegenwart?
Am Anfang jeder alternativen Bewegung steht ein rebellisches Moment, das dann irgendwann schwächer wird. Wenn Männer mittleren Alters in meiner Jugend Lederjacke trugen, war die rebellische Phase dieser Rock’n’Roll-Bewegung schon vorbei. Und so ähnlich sehe ich das heute mit der Entwicklung von Hip Hop. Der Kapuzenpullover als Symbol für Rapmusik ist längst Mainstream.

Glauben Sie, es wird bald ein neues Genre an die Stelle von Rock’n’Roll beziehungsweise Hip-Hop treten?
Das kann ich nicht vorhersehen, immerhin reden wir hier von Entwicklungen, die mehrere Jahrzehnte dauern …

Was Sie sicherlich besser vorhersagen können, ist das Programm der Tour zum aktuellen Album. Worauf dürfen sich die Fanta-4-Fans freuen?
Wir werden zusammen mit unserer fünfköpfigen Band natürlich die neuen Songs spielen und haben unsere ganze Bühnenoptik und Visuals auf das „Captain Fantastic“-Thema zugeschnitten.

Im kommenden Jahr feiern Sie mit der Band das 30-jährige Bestehen. Was ist für den runden Geburtstag geplant?
Es soll in Richtung Live-Event gehen, aber das ist noch nicht spruchreif.

Sie leben seit vielen Jahren in Hamburg. Zieht es Sie ab und zu an die Weser?
Ja, und das sogar ganz aktuell. Wir proben für die Tour in Bremen und werden im Vorfeld eine Woche in der Stadt sein, um unsere ganze Technik einmal aufzubauen und das Programm durchzugehen. Ansonsten erinnere ich mich noch an fetzige Auftritte im Pier 2 und mit Megavier im Modernes, wo das Dach so schön aufgeht …

Drei Dinge, die Sie mit Bremen verbinden?
Was mir als Erstes spontan einfällt: Die Konzerte in Bremen gehen ordentlich ab, obwohl die Norddeutschen ja eher für ihre Zurückhaltung bekannt sind. Dann kenne ich das Schnoor-Viertel ganz gut, denn da hat vor langer Zeit ein Ex-Schwiegervater von mir gewohnt. Und als Drittes fällt mir noch das Park Hotel ein. Dort haben wir schon öfter gut genächtigt.

Wir verlosen 2 x 2 Eintrittskarten. Schicken Sie bis zum 10. Januar 2019 eine E-Mail mit dem Betreff „Fantastic“ sowie Ihren Kontaktdaten an verlosung@stadtmagazin-bremen.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Fantastischen Vier auf „Captain Fantastic“-Tour: Mittwoch, 23. Januar, ÖVB-Arena, 19 Uhr