Start Veranstaltungen „Rückkehr mit einem großen Knall“

„Rückkehr mit einem großen Knall“

Wie sich das GOP Varieté-Theater Bremen auf die Wiedereröffnung vorbereitet

186
Noch sind die Türen des GOP Varieté-Theaters verschlossen. Direktor Philipp Peiniger ist guter Dinge, dass sich das bald ändert. Foto: JF

Der kulturelle Lockdown kostet seinen Preis: Seit Mitte März sind die Türen zahlreicher Veranstaltungszentren geschlossen. Während Museen und Wissenswelten ihren Betrieb mittlerweile wieder aufnehmen durften, bestimmen in Theatern und anderen Spielstätten nach wie vor verlassene Bühnen und leere Stühle das Bild. So auch im GOP Varieté-Theater Bremen, wo nach „Humorzone“ nun auch die Produktion „Bang Bang“ dem Veranstaltungsverbot zum Opfer fällt. Dennoch ist man in der Überseestadt optimistisch. Der Grund: Die Verantwortlichen haben ein Konzept entwickelt, mit dem die Wiedereröffnung zeitnah realisiert werden soll. Im Interview sprach GOP-Direktor Philipp Peiniger darüber, wie ein Theaterbesuch am Weser-Terminal zukünftig aussehen könnte, und warum das Theater eine maßgeschneiderte Lösung brauche.

Herr Peiniger, seit mittlerweile zwei Monaten pausiert das GOP Varieté-Theater Bremen seinen Spielbetrieb im Zuge des allgemeinen Veranstaltungsverbots. Haben Sie die Tragweite der Krise von Anfang an so groß eingeschätzt?
Philipp Peiniger: Man könnte sagen, wir haben die Gefahr kommen sehen. Wir haben die Entwicklung tatsächlich früh verfolgt und auch die Risiken wahrgenommen, die damit einhergehen. Entsprechend zügig haben wir reagiert.

Inwiefern?
Bereits bevor es konkrete Auflagen gab, haben wir beispielsweise Desinfektionsmittel für unsere Gäste zur Verfügung gestellt, auch um ihnen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Zeitgleich haben wir hinter den Kulissen die Hygienestandards hochgefahren und die Mitarbeiter geschult. Auch hinsichtlich unseres Spielplans haben wir schnell Konsequenzen gezogen und selbstständig am 13. März entschieden, den Showbetrieb einzustellen.

Dabei hat der Senat das allgemeine Veranstaltungsverbot erst am 17. März ausgesprochen.
Das stimmt, wir haben rechtzeitig die Reißleine gezogen und die Möglichkeit zu spielen nicht bis zum bitteren Ende ausgekostet. Für uns hatte Priorität, unsere Mitarbeiter und Künstler sowie natürlich auch unsere Gäste zu schützen. Es galt vor allem Unsicherheiten und Ängste vorzubeugen.

Haben Sie damit gerechnet, so lange pausieren zu müssen?
Nein. Wir uns was es völlig unklar, ob wir nur kurze Zeit oder längerfristig pausieren müssen.  Dass der Eskalationsgrad so hoch sein würde, konnte sich vermutlich keiner vorstellen. Wir versuchen seither von Tag zu Tag zu leben und uns aktuelle und vor allem verlässliche Informationen einzuholen. Das ist ehrlich gesagt gar nicht immer so einfach.

Welche Konsequenzen mussten Sie bisher konkret ziehen?
Zunächst haben wir mit „Humorzone“ die Show mit der bisher kürzesten Spieldauer verzeichnet. Sie hat insgesamt nur vier Tage gespielt und war in der Premierenwoche schon wieder zu Ende. Schade, da sie beim Publikum gut ankam und man Humor ja gerade in Zeiten wie diesen gut gebrauchen kann. Daraus resultierte, dass die Künstler zum größten Teil abgereist sind. Zeitgleich sind wir mit unserem Team in Kurzarbeit gegangen und haben seitdem nur eine Minimalbesetzung im Theater, um den Betrieb am Laufen zu halten und weiterhin für Gäste erreichbar zu sein. Das ist der Stand seit dem 14. März. Wir sind jedoch positiv gestimmt, dass es für uns bald weitergeht.

Also glauben Sie, den Spielbetrieb bald wieder aufnehmen zu können?
Ja. Wir haben zwar noch kein konkretes Datum, stecken jedoch bereits mitten in den Vorbereitungen. Die Vorproben für unsere nächsten Produktionen laufen, ebenso wie der Kartenvorverkauf für die Show „Undressed“, die voraussichtlich am 9. Juli Premiere feiert. Falls wir bereits früher grünes Licht kriegen, können wir den Termin vielleicht sogar vorziehen. Das wird gerade geprüft. Unabhängig vom konkreten Datum können wir jedoch sagen: Wir kehren zurück mit einem großen Knall.

Wie meinen Sie das?
Mit „Undressed“ werden wir die Wiedereröffnung nach dem Lockdown mit einer Weltpremiere feiern. Ursprünglich wäre die Show erstmals in unserem Theater in Bonn gezeigt worden, dann kam Corona dazwischen. Daher bereiten sich die Künstler aktuell auf die Premiere in Bremen vor. Wir freuen uns, so ein Ereignis bei uns ausrichten zu dürfen.

Neben „Humorzone“ ist auch die Show „Bang Bang“ dem Veranstaltungsverbot zum Opfer gefallen. Werden Sie diese wiederholen können oder anderweitige Anpassungen im Spielplan vornehmen? Das wissen wir im Detail noch nicht. Aktuell planen wir mit der Show „Undressed“ und der Vorverlegung der Premiere. Das ist unser erstes Ziel. Wenn das funktioniert, gehe ich persönlich davon aus, dass wir unseren Spielplan beibehalten können.

Wie haben Kartenkäufer und potenzielle Gäste auf die Einstellung des Spielbetriebs reagiert?
Die meisten Gäste haben gelassen und verständnisvoll reagiert und sich mit der Rückerstattung über einen Gutschein zufrieden gezeigt. Das hat uns sehr geholfen und wir sind dankbar, dass so viel Vertrauen in uns gesetzt wird. Die Wertgutscheine sind unbegrenzt gültig und geben ihnen die Sicherheit, einen Besuch nachholen zu können.

Apropos Sicherheit: Was sind aktuell die wirtschaftlich größten Herausforderungen für das GOP?
Als Privattheater müssen wir stets genau überlegen, ob und wie wir investieren. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, haben wir von Anfang an gut gewirtschaftet und befinden uns damit in einer guten Ausgangssituation. Wir haben Rücklagen und konnten die laufenden Kosten durch die Kurzarbeit und Dank des Entgegenkommens unserer Verpächter auf ein Minimum reduzieren.  Außerdem haben wir Glück im Unglück, dass wir gerade aus der Hochsaison kommen, die bei uns den Zeitraum von Oktober bis Mitte März umfasst. Nichtsdestotrotz ist es für uns wichtig, dass es bald weitergeht und wir Einnahmen generieren können.

 Als Privatunternehmen erhalten Sie in der Krise keine öffentliche Förderung, Soforthilfe steht Ihnen aufgrund Ihrer Größe ebenfalls nicht zu. Fühlen Sie sich im Stich gelassen?
Es sind zwei Seiten einer Medaille: Als Privattheater haben wir das Privileg, uns selbst organisieren zu können und zu dürfen. Auf der anderen Seite haben unser Unternehmenskonzept und unsere Größenordnung eben zur Folge, dass wir durch das Raster der Soforthilfe fallen. Allerdings hätte der Umfang dieser Unterstützung ohnehin nicht darüber entschieden, ob es für uns weitergeht oder nicht. Für uns ist vor allem eine Planungssicherheit wichtig und dass wir die Möglichkeit bekommen, bald wieder zu öffnen. Dafür haben wir ein Hygiene- und Sicherheitskonzept entwickelt.

Wie sind Sie bei der Erstellung dieses Konzeptes vorgegangen, haben Sie sich externen Rat eingeholt?
Nein, wir haben intern die Köpfe zusammengesteckt. Vor allem unser technischer Direktor Sebastian Drozdz, der sich mit Technik- und Sicherheitsfragen auseinandersetzt, war für uns ein wichtiger Ansprechpartner, beispielsweise in Bezug auf eine neue Sitzplatzregelung. Wir sind weder ein Restaurant noch ein klassisches Theater, daher wäre die Beratung durch einen Experten der jeweiligen Branche für uns nicht ideal. Wir brauchen eine maßgeschneiderte Lösung, die wir selbst am besten erarbeiten können.

Wie kann man sich einen Besuch im GOP Theater auf Basis des Konzeptes vorstellen?
Wir planen aktuell mit vier wöchentlichen Spieltagen, nämlich donnerstags 20 Uhr, freitags und samstags, jeweils um 18 und 21 Uhr sowie sonntags um 14 und 17 Uhr.  Die Shows sind so konzipiert, dass wir ohne Pause spielen werden. Damit wollen wir Menschenansammlungen vor den sanitären Anlagen verhindern. Außerdem werden wir die Pianobar nicht öffnen, um keinen weiteren Anreiz zum Verweilen zu bieten. Dazu gehört auch, dass wir nicht mehr, wie im Vorfeld der Krise, empfehlen, eine gute halbe Stunde vor Showbeginn im Theater zu sein. Über die geänderten Abläufe werden wir die Gäste im Vorfeld informieren. Mit dem Versand der Karten erhalten Sie ein Schreiben, in dem alle Anpassungen genau erläutert werden.

 Inwieweit werden Sie ein gastronomisches Angebot anbieten können?
Das steht aktuell noch nicht zu hundert Prozent fest. Wir werden vor der Show ein Drei-Gänge-Menü im Saal anbieten, das ist sicher. Gäste, die kein Menü gebucht haben, können während der Show weiterhin die klassischen Kleinigkeiten bestellen. Aktuell arbeiten wir außerdem daran, ein entsprechendes Konzept für unser Restaurant zu entwickeln. Regulär bieten wir dort ein Buffet an, was sich aus hygienischen Gesichtspunkten natürlich derzeit nicht umsetzen lässt.

Wie werden Sie das nach wie vor geltende Kontaktverbot einhalten und der Maskenpflicht nachkommen?
Auch darauf haben wir uns eingestellt. Mittlerweile dürfen sich wieder Personen aus zwei Haushalten begegnen, was für uns einfach zu realisieren ist. Wir haben im Saal Zweier-, Vierer- und Sechsertische. Zudem haben wir unsere 400 Sitzplätze um rund die Hälfte reduziert. Was die Maskenpflicht betrifft, gehe ich davon aus, dass die Gäste beim Betreten und Verlassen das Theaters eine Maske tragen werden müssen. Während des Aufenthaltes halte ich es für nicht praxisnah, vor allem in Kombination mit dem gastronomischen Angebot. Dass die Sicherheitsabstände geregelt sind, und Ein- und Auslass kontrolliert stattfinden, ist meines Erachtens deutlich wichtiger.

Ein Spielbetrieb mit 50 prozentiger Auslastung – lohnt sich das?
Das ist eine wichtige Frage, die ich eigentlich mit nein beantworten muss. Für unsere Gäste, Künstler und Mitarbeiter möchten wir diesen Schritt dennoch gehen und den Mut zeigen, wieder zu spielen. Ich bin mir sicher, dass der Bedarf nach Zerstreuung und Unterhaltung groß ist und das Interesse an unserem Angebot entsprechend groß sein wird.

Wie optimistisch sind Sie, dass Ihr Konzept grünes Licht erhält?
Sehr optimistisch. Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen genau und schauen auch über die Landesgrenzen in Richtung Niedersachsen. Wir hoffen auf ein konkretes Datum, da wir eine Mindestlaufzeit von vier Wochen benötigen, um intern die Systeme wieder hochfahren zu können. Wann auch immer das sein wird: Wir freuen uns darauf, hoffentlich bald wieder Gäste empfangen zu dürfen und kultureller und gastronomischer Bestandteil dieser Stadt zu sein.