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„Warum ich?“

Paul Taylor Dance Company im Metropol Theater / Interview mit Art Director Michael Nowak

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Art Director Michael Nowak. Fotos: Bill Wadman

Wird man als Mitarbeiter zum Chef gebeten, heißt das oft nichts Gutes – vor allem, wenn es an einem Samstagnachmittag ist. So war auch Michael Nowak, seit 2010 Tänzer der Paul Taylor Company für Modern Dance, etwas mulmig zumute, als ihn Art Director Paul Taylor persönlich um ein wichtiges Gespräch bat. Der Ausgang des Treffens entpuppte sich für den heute 36-Jährigen jedoch alles andere als negativ. So teilte Paul Taylor Nowak mit, ihn als seinen Nachfolger ausgewählt zu haben. Seit September 2018 hat Nowak somit die Position des Art Directors inne und leitet damit eine neue Ära in der 65-jährigen Geschichte der Company ein. Im Interview spricht der Künstler über seinen Vorgänger und Mentor sowie seine Leidenschaft für Modern Dance.

Herr Nowak, mit der Nachfolge von Paul Taylor treten Sie ein großes Erbe an. Wie haben sie Ihren Vorgänger in Erinnerung?
Michael Nowak: Paul Taylor war ein Mann der wenigen Worte, der fast nie Komplimente aussprach. Im Rahmen meiner achtjährigen Zusammenarbeit mit ihm als Tänzer lobte er mich vielleicht zwei oder dreimal. Das war auf der einen Seite sehr hart, auf der anderen Seite wusste man dann, dass es auch ernst gemeint war und etwas bedeutete.

Wie haben Sie reagiert, als Paul Taylor ­Ihnen mitteilte, Sie als seinen Nachfolger ausgewählt zu haben?
Ich war natürlich sehr überrascht. Meine erste Frage lautete: „Warum ich?“ Seine Antwort war kurz aber eindeutig: „Ich vertraue dir.“ Das klingt vielleicht albern, aber so etwas sagte er nicht einfach so. Daher bedeutete es mir natürlich unheimlich viel. Ich hatte zuvor bereits darüber nachgedacht, wie ich mir meine berufliche Zukunft nach meiner Tanzkarriere vorstelle, und immer mit dem Bereich Arts Management geliebäugelt. Dass ich letztendlich so zeitnah eine entsprechende Position bekleiden würde, hätte ich allerdings nicht gedacht. Ich hätte mir auch mehr Zeit mit Paul gewünscht, um von ihm zu lernen. Zwei Monate nachdem er mich zum neuen Art Director bestimmt hatte, verstarb er.

Wie ging es Ihnen damit?
Sein Tod hat mich persönlich sehr getroffen. Zum einen habe ich ihn als Mensch sehr geschätzt. Zum anderen hatte ich von Tag zu Tag mehr Fragen, die ich ihm gerne gestellt hätte. Auch heute noch erlebe ich Situationen, in denen ich Paul gerne um Rat fragen würde.

Dennoch wirken Sie sehr zufrieden.
Ja, ich bin sehr froh, diesen Job machen zu dürfen und habe eine Menge Ideen, die ich gerne umsetzen möchte. Ich glaube fest daran, dass Modern Dance eine sehr kraftvolle, mächtige Kunst und immer noch hoch aktuell ist.

Was haben Sie von Paul Taylor gelernt?
Das Erste, was er mir beibrachte, waren die Art und Kriterien, nach denen er Tänzer für die Company auswählte. Er sagte mir, wie wichtig es sei, rauszugehen, die verschiedenen Theater zu besuchen und sich dort persönlich einen Eindruck von den Tänzern zu verschaffen. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Außerdem gab er mir den Rat, den Tänzern zu vertrauen, ihnen zuzuhören und herauszufinden, was sie mit der Art von Modern Dance verbinden, die Paul Taylor prägte. Selbst ein Tänzer zu sein oder mit ihnen zu arbeiten, das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Donnerstag und Freitag, 13. und 14. März, Metropol Theater, 19.30 Uhr