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„Der bekannteste Unbekannte der Welt“

Kuratorin Virginia Jean über das Mysterium Banksy

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Kuratorin Virginia Jean. Foto: FR

Er hinterlässt Graffiti an Häuserwänden, schleust seine Werke in Museen ein und lässt seine Arbeiten auch schon einmal vor den Augen der Weltöffentlichkeit schreddern: Banksy ist der wahrscheinlich berühmteste Street-Art-Künstler weltweit. Mit seinen Arbeiten legt er regelmäßig den Finger in gesellschaftliche Wunden und begegnet Missständen nicht nur kreativ, sondern oft mit Sarkasmus und Humor. Seine Identität gilt bis heute als unbekannt. Doch warum ist ihm seine Anonymität so wichtig? Was weiß man über ihn? Darüber sprachen wir mit Virginia Jean, Kuratorin der Ausstellung „The Mystery of Banksy“, die aktuell im BLG-Forum gastiert.

Es gibt viele Spekulationen darüber, wer sich hinter dem Pseudonym Banksy verbirgt. Was für einen Menschen haben Sie vor Augen, wenn Sie sich mit Banksy auseinandersetzen?
Das ist etwas, wozu ich gar nicht so viel sagen möchte. Wir wollen Banksy in allem, was er macht, unterstützen. Und dazu gehört eben auch seine Anonymität. Das Ziel von Ausstellungen wie „The Mysterium Of Banksy“ ist es nicht, Spekulationen anzuregen, auch wenn es natürlich verständlich ist, dass viele Leute interessiert, wer er ist. Er ist der bekannteste Unbekannte der Welt und das in einem Zeitalter, in dem nahezu jeder über ein foto- und videofähiges Smartphone verfügt. Dementsprechend ist es wirklich beeindruckend, dass er es immer noch schafft, so anonym zu bleiben. Das liegt übrigens auch daran, dass die Leute, die mit ihm zusammenarbeiten und um seine Identität wissen, verschwiegen bleiben. Das ist unglaublich wichtig.

Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, die als sicher gelten. Woher stammen diese Informationen?
Es gibt immer eine Mischung aus Fakten und Spekulationen. Fakt ist, dass die ersten und meisten Werke von Banksy im englischen Bristol aufgetaucht sind. Zudem gibt es viele Randinformationen, die unter anderem Banksys Dokumentarfilm „Exit Through the Gift Shop“ liefert. Darin kommt Banksy selbst auch zu Wort und trotz aller Voicefilter ist ziemlich klar herauszuhören, dass er aus England kommt. So gibt es einige Dinge, die einfach klar sind, und das ist auch in Ordnung. Schwierig finde ich, dass im Internet viele Videos kursieren, in denen ein angeblicher Banksy erwischt wird. Diese Videos sind oft gestellt und viele Sprayer setzen mittlerweile einen Banksy-Tag unter ihre Werke, um mehr Aufmerksamkeit für ihre Kunst zu erhalten. Das ist das zweischneidige Schwert der Anonymität, wobei ich verstehen kann warum ihm diese so wichtig ist. Es gibt ein schönes Zitat von ihm, was sich in etwa übersetzen lässt mit: Wenn man wirklich ehrlich sein will, um die Probleme innerhalb unserer Gesellschaft anzusprechen, dann muss man eine Maske tragen.

Also ist Banksys Anonymität die Voraussetzung für die Themen, die er künstlerisch aufgreift?
Ich glaube, es gibt drei große Teilbereiche. Zum einen reden wir hier immer noch über eine Kunst, die mal als Graffiti, Urban-Art und Street-Art illegal als Wandschmiererei gestartet ist. Banksy macht viel kritische Kunst und das in einem so großen Umfang, dass es sehr wahrscheinlich Konsequenzen für ihn hätte, wenn man seine Identität kennen würde. Zum anderen macht sich Banksy dadurch zum Mysterium, wodurch er Leute begeistert. Der Punkt, der mich persönlich immer wieder fasziniert, ist, dass seine Anonymität einer großen Masse noch besser die Möglichkeit gibt, sich mit ihm zu identifizieren.

Nicht nur seine Person, auch seine Werke lassen zum Teil Interpretationsspielraum.
Genauso wie sich über die Frage streiten lässt, wie weit man künstlerisch gehen muss, um ein Thema klarzumachen. Ironie und schwarzer Humor sind Dinge, die sehr typisch für Banksys Kunst sind. Er lässt Werke oft luftig wirken, vermittelt darin aber zum Teil grausame Sachen. Diese Kontraste sind wichtig, da es sich eben um jene unserer Gesellschaft handelt.

Info

Die Ausstellung „The Mystery of Banksy“ ist noch bis zum 14. August im BLG-Forum zu sehen. Infos: www.mystery-banksy.com