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Das Wohnzimmer der Gesellschaft

Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt über die zukünftigen Pläne für das Übersee-Museum

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Die Ausstellung „Ozeanien“ im Lichthof des Übersee-Museums wird bis 2024 in Kooperation mit Partnern aus Samoa neu konzipiert. Foto: Volker Beinhorn

Was wünschen sich die Bremerinnen und Bremer vom Übersee-Museum? Welche Elemente sollte es beinhalten, damit Besucherinnen und Besucher dort länger verweilen möchten? Diese und weitere Fragestellungen wollen Museumsdirektorin Professor Dr. Wiebke Ahrndt und ihre Kolleginnen im Zuge einer geplanten Neuausrichtung der Ausstellung „Ozeanien“ ins Zentrum stellen. Im Herbst 2024 wollen sie den neuen Ort des gesellschaftliches Diskurses eröffnen.

Für das Zukunftskonzept ist vorgesehen, den ersten großen Lichthof des Museums neu zu gestalten und neben bestehenden, alten Elementen wie dem begehbaren Walherz oder dem Korallenriff, einen hängenden Garten bis unter die Decke sowie einen Wasserfall zu installieren. Wer dort in Zukunft verweilen möchte und seinen Blick an die Decke richtet, soll einen Schwarm aus fliegenden Fischen und anderen Meerestieren erblicken. „Mit den zukünftigen Installationen wollen wir auf positive Art und Weise darauf aufmerksam machen, dass die kulturelle und biologischen Vielfalt im Südpazifik so beeindruckend ist, dass es sich lohnt, diese zu erhalten“, erklärt Wiebke Ahrndt. Deshalb werde man auf die Themen eingehen, die damit sehr eng in Bezug stehen. Das seien unter anderem die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels im Südpazifik.

„Überschwemmungskatastrophen, wie die, die wir jetzt gerade in West- und Süddeutschland erlebt haben, trifft Menschen dort schon lange in besonderer Härte. Und wenn wir die Schönheit erhalten wollen, dann muss was passieren“, erklärt die Museumsdirektorin. Mit der Darstellung der Diversität, die der Südpazifik zu bieten habe, solle ein Ort geschaffen werden, der die Besucher mit seiner Schönheit überwältige und Lust mache, sich für den Schutz dessen einzusetzen. Die aktive Auseinandersetzung mit Themen der kulturellen Identität, der kolonialen Vergangenheit und Nachhaltigkeit sollen ebenfalls im Fokus der Ausstellung stehen.

Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt. Foto: Volker Beinhorn

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass dank einer Finanzierung des Bremer Senats mit rund 4,6 Millionen Euro alle Vorhaben zusammen mit Menschen aus dem Südpazifik erarbeitet werden. Einer davon ist der samoanische Co-Kurator Mitiana Arbon, der am 5. Juli nach Bremen gekommen ist und den gesamten Prozess der Ausstellungskonzeption bis zur Eröffnung 2024 begleiten und mit erarbeiten wird. Neben ihm sind weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der National University of Samoa an dem Projekt beteiligt. Parallel entwickeln sie mit Teams im Südpazifikgebiet eine virtuelle Ausstellung, welche die physische Ausstellung ergänzen soll. In diesem Bereich können alle Beteiligten unabhängig von der Raum-Zeit-Grenze der Kontinente zusammenarbeiten.
Wiebke Ahrndt freut sich in diesem Zusammenhang schon auf weitere zukünftige Partnerinnen: „Es wird mit großem Interesse beobachtet, was wir hier veranstalten und es gibt schon eine ganze Reihe Interessenten, die auch bei der virtuellen Ausstellung mitmachen wollen.“ Die Museumsdirektorin beschreibt weiter: „Wir wollen das Übersee-Museum zu einem Ort zu machen, der mehr ist als ein klassisches Museum.“ Man wolle sich in diesem Zuge noch stärker in Richtung Stadt öffnen und dafür sorgen, dass die Menschen sich dort gerne aufhalten und Zeit verbringen möchten. Zusätzlich sollen Gespräche mit Fokusgruppen geführt werden, um Bremerinnen und Bremer in den Prozess der Neugestaltung einzubeziehen.