Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Campino, Kevin und Suzi

Campino, Kevin und Suzi

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und nimmt dabei auch sich selbst schon mal auf die Schippe.

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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch

Kaum Kino, Theater und keine großen Konzerte. Ist das wirklich so schlimm? Ja, ist es – für alle, egal ob auf, hinter oder vor der Bühne. Aber was mach’ ich mit dem ganzen Geld, das ich seit Monaten nicht mehr für Tickets ausgeben habe? In Mundschutz en gros investieren und dann einen Maskenball veranstalten? Macht wenig Sinn. Mittlerweile sitze ich aus lauter Verzweiflung und Konzert-Entzug vor einem Schuhkarton mit alten Konzertkarten und Backstage-Pässen und schwelge nostalgisch in Erinnerungen. AC/DC, Helene Fischer, Eric Clapton, Mark Knopfler, Peter Maffay, Joe Cocker oder Tom Jones. Das waren noch Zeiten.

Die Hütte stets brechend voll. Vor der Bühne der obligatorische Tigergraben für Fotografen und zwischendrin Wellenbrecher für die Fans, damit die nicht auf die Bühne gequetscht werden. So etwas macht heute bei einem Sicherheitsabstand von 1,5 Metern keinen Sinn. Und wenn es doch ginge, wäre es zum Beispiel für Campino von den Toten Hosen ein echtes Problem. Nichts mehr mit Stagediving und ab in die Menge.

Da nützt beim Aufprall dann auch kein Mundschutz. In meinem Karton habe ich auch die Band Smokie mit ihrem Sänger Chris Norman wiederentdeckt – und wieder ist mir Campino eingefallen. Eigentlich eine Paarung, die kaum vorstellbar ist: Punk trifft Pop. Doch meine Assoziationskette war nicht mehr zu stoppen: Campino hat mit „Wie ich einmal englischer Meister wurde“ ein neues Buch am Start. Er ist zwar bekennender Fortuna-Düsseldorf-Fan, aber auch begeistert vom FC Liverpool. Bei dem Verein hat früher ein kleiner Kicker namens Kevin Keegan gespielt, den damals alle nur „Mighty Mouse“ nannten. Für diese Maus hat Campi geschwärmt. Keegan war dann von 1977 – 1980 beim HSV in Diensten und wurde 1979 mit den Hamburgern Deutscher Meister. Kann man sich heute kaum noch vorstellen. 1978 war Mighty Mouse auf einem Konzert von Smokie und wurde dem Sänger Chris Norman vorgestellt. Die beiden zischten ein paar Bierchen an der Bar und verstanden sich prächtig.

Ergebnis: Chris schrieb für Kevin einen Song und plante für ihn ein Duett mit Suzi Quatro. Die hatte aber keine Lust, obwohl sie im Zweierteam ein Jahr zuvor mit Chris und dem Titel „Stumblin’ In“ sehr erfolgreich war. Also blieb Kevin allein zu Haus und sang sich solo in die deutschen Top Ten, nachdem er den Song „Head over Heels in Love“ am 9. Juli
1979 im „Aktuellen Sportstudio“ bei Dieter Kürten vorgestellt hatte. Aber dass Campino mit Suzi ein Duett singt, ist wohl auch unwahrscheinlich. Dann schon eher mit dem FC Liverpool-Trainer „Kloppo“. Wäre doch eine super Paarung: Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf. Den Song würde ich mir auf jeden Fall ’runterladen. Aber bis es so weit ist, hoffe ich, dass Campino uns in Bremen bei einer Lesung (vielleicht im Weserstadion) erklärt, wie er einmal englischer Meister wurde. Dafür könnte ich mir dann endlich mal wieder ein Ticket kaufen.