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Breminale mal anders

Aus gegebenem Anlass findet das Festival in diesem Jahr nicht auf den Osterdeichwiesen, sondern an unterschiedlichen Orten statt

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Auf die markanten Zelte am Osterdeich muss 2021 verzichtet werden. Dafür wird die Breminale auf sechs verschiedene Locations verteilt, wie uns das Orga-Team um Esther Siwinski und Jonte von Döllen im Interview bekannt gab. Fotos: C. Kuhaupt / Z. Rugen

Eigentlich gehört die Breminale genauso wie der Freimarkt, die Weser und Werder zu Bremen. Als sie aufgrund von Corona im vergangenen Jahr ausfallen musste, war das für viele wie ein Stich ins Herz der Stadt. Um so froher ist man seitens der Veranstaltungsleitung, dass das Festival in diesem Jahr vom 21. bis 25. Juli stattfinden kann – wenn auch in grundsätzlich anderer Form als gewohnt. Dennoch muss dabei weder auf Musik noch auf Kunst, Kultur und Kinderprogramm verzichtet werden, wie Festivalleitung Esther Siwinski und der künstlerische Leiter Jonte von Döllen dem STADTMAGAZIN in einem Gespräch am Osterdeich verrieten.

Jonte von Döllen und Esther Siwinski.

Was ist dieses Jahr anders an der Breminale?
Jonte von Döllen: Das Wichtigste ist wohl, dass die Breminale in diesem Jahr nicht am Osterdeich, auf dem traditionellen Festivalgelände, sondern auf dezentrale
Locations in der Stadt verteilt ist. Das ist natürlich komplett anders als gewohnt und auch eine ganz andere Art zu arbeiten. Bespielt werden insgesamt sechs Locations in Kooperation mit unseren Programmpartnerinnen, die dort jeweils ansässig sind oder dort veranstalten – wir verbinden alles über einen gemeinsamen Breminale-
Spielplan.

Welche Locations sind das?
Esther Siwinski: Dabei sind die Pusdorf Studios in Woltmershausen, das Papp in der Neustadt, das „LichtLuftBad“ auf dem Stadtwerder, der Sommergarten an der Zollkantine sowie der Schlachthof in Findorff. Zudem wird es im Sportgarten ein umfangreiches Kinderprogramm geben.

Was wird sich neben den Locations noch ändern?
Jonte von Döllen: Die zweite große Neuerung ist, dass wir alle Shows live streamen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Locations nicht wie sonst von allen besucht werden können. Es müssen Reservierungen gemacht werden und die Kapazitäten sind coronabedingt natürlich sehr gering – vor allem im Vergleich zu den 200.000 Leuten, die sonst auf der Breminale sind. Deswegen kann man sich über unsere Homepage in eine dieser sechs Locations zuschalten und die Breminale dann dezentral mithören.
Esther Siwinski: Wir hatten die romantische Vorstellung, dass man sich mit seiner Bluetooth-Box auf den Deich setzen und einfach das Programm hören kann, denn unser Mantra ist ja nach wie vor „Umsonst und draußen“ – und jeder soll komen können, unter welchen Bedingungen auch immer. Vor ein paar Wochen stand es noch zur Debatte, ob es eventuell nur ein Streaming geben wird und wir gar keine Zuschauer reinlassen können. Zum Glück sind sie, wenn auch in begrenztem Maße, aufgrund der derzeit positiven Entwicklung aber wieder möglich.

Sie sprachen von Reservierungen. Wird die Breminale Eintritt kosten?
Jonte von Döllen: Wir werden dafür Tickets verkaufen müssen, für zehn Euro pro Location und Abend. Das bedeutet, es wird keine Tickets für einzelne Konzerte geben, sondern die Abende werden jeweils als ein Paket verkauft. In der Regel geht es um 18 Uhr los und endet gegen 22 Uhr. Beim Kinderprogramm im Sportgarten ist es ein bisschen anders.

Wie läuft das beim Kinderprogramm?
Jonte von Döllen: Da läuft das Programm nicht abends, sondern tagsüber und da wollen wir gerne einmal wechseln mit zwei Zeitfenstern, in denen die Menschen kommen können, damit mehr Kinder die Chance bekommen, den Sportgarten zu nutzen.
Esther Siwinski: Ein Slot wird dann jeweils über drei Stunden gehen.

Was können sie dort alles erleben?
Esther Siwinski: Es gibt zum einen das normale Angebot vom Sportgarten, zu dem unter anderem Klettern, Skatekurse sowie das Trampolin und vieles mehr gehören. Zudem werden wir Workshops mit programmatischen Inhalten wie Instrumentenbau, ein Holzbauprojekt, eine Kinderdisco zum Tanzen und Zauberei anbieten. Zusätzlich steht viel Musik auf dem Programm. und es werden natürlich auch Getränke und Speisen angeboten, sodass man sich dort stundenlang aufhalten und eine gute Zeit haben kann.

Wie sieht es bei den Locations mit der Gastronomie aus, die es sonst auch auf der Breminale gibt?
Esther Siwinski: Da wir dieses Jahr an Spielorte gehen, die es bereits gibt und die größtenteils schon unsere Programmpartner sind und eigene Gastronomien haben, sehen wir uns dort als Besucher und wollen nach den eineinhalb harten Jahren, die alle hatten, nicht einfach Buden bei denen aufstellen. Wir finden es richtig schön, dass wir gemeinsam mit ihnen das gesamte Programm zusammen auf die Beine stellen können.
Jonte von Döllen: Es hat auch etwas mit Solidarität zu tun, denen eben nicht eine Bude auf den Platz zu stellen. Wir wollen diese tollen Partnerschaften ja auch weiterhin aufrechterhalten. Die Breminale ist zudem kein Cash-Generator, darum geht es nicht. Wir wollen einfach, dass es ein schönes Festival wird.

Worauf muss man als Breminale-Besucher in diesem Jahr besonders achten?
Esther Siwinski: Da sich die Verordnungen gerade wöchentlich ändern, können wir vorab noch nicht alle Regeln festlegen. Was bereits fest steht ist, dass es über unser Ticketing-System eine Personenerfassung geben wird, um die Rückverfolgung sicherstellen zu können. Außerdem hat jeder einzelne Spielort sein eigenes Hygienekonzept, was bereits durch Veranstaltungen, die es im letzten Jahr teilweise schon open air gab, erprobt ist. Zusätzlich wird es an jedem Ort eine Crew geben, die unsere Gäste am Einlass instruiert und erklärt, was die genauen Regeln sind. Ob es feste Sitzplätze gibt oder ob man stehen wird, das können wir im Vorfeld noch nicht beantworten. Wir denken alle Versionen dieser flexiblen Situation mit und werden circa 14 Tage vor der Veranstaltung entscheiden, wie es wird.
Jonte von Döllen: Wir werden das breit kommunizieren und die Informationen dazu wird es auch auf unserer Homepage geben.

Es gibt ein paar typische Breminale-Elemente, die zumindest Stammgäste kennen, wie zum Beispiel die Namen der Bühnen „Deichgraf“, „Flutbühne“ und Co. Findet man die dieses Jahr an der einen oder anderen Stelle wieder?
Jonte von Döllen: Ja. Die „Flutbühne“ wird zum Beispiel eine Location im „LichtundLuftbad“ sein. Es ist natürlich nicht das Zelt, aber es steckt dasselbe Team dahinter. Die „Drei Meter Bretter“ wiederum wird es als Präsenzveranstaltung nicht geben, aber die Macher werden das Nachtprogramm organisieren und eine fiktive Radiostation bespielen, die Konzerte, DJ-Sets und kleine Formate senden wird. Die „Bremen Next Stage“ wird in den „Pusdorf Studios“ sein und die „Pappinale“ vom „Papp“ ist auch wieder mit dabei. Am 1. Juli geht unsere neue Homepage dann auch online mit einem Überblick über das gesamte Programm mit Locations und Live-Audiostreams.

Was sind denn Highlights, auf die sich Besucherinnen und Besucher besonders freuen können?
Jonte von Döllen: Das Line-up ist ein sehr schönes lokales Programm, das auch nach dem Solidaritätsprinzip funktioniert, weil wir Dinge wie Reisen und Infektionsschutz berücksichtigt haben. Unter anderem kommen „Audiostunts & Mahumba“, Flo Mega, „WEZN“ und viele mehr, auf die man sich freuen kann.

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Esther Siwinski: Ich glaube, dass wir überhaupt etwas machen können, ist ein Highlight. Das letzte Jahr war einfach extrem hart für alle. Und ich persönlich habe mich selten so unkreativ gefühlt. Ich freue mich einfach richtig doll, dass wir wieder rausgehen können, um Publikum zu empfangen.
Jonte von Döllen: Da sich gerade ja auch die Ereignisse in der Veranstaltungsszene überschlagen, merkt man einfach, dass die Leute wieder richtig Bock haben. Es fühlt sich sehr schön an, dass es jetzt wieder los geht. Ich möchte es nicht abschwächen, aber wir haben nicht den Anspruch, die Breminale am Deich zu ersetzen. Es ist ein sehr schönes Alternativformat und das ist uns gut gelungen. Im Vergleich: Auf dem Event stehen sonst 150 Acts, dieses Jahr werden es 60 bis 70 Konzerte und Shows. Wir sind sehr glücklich, dass wir es machen können. Es noch ein zweites Mal ausfallen zu lassen, wäre überhaupt nicht unser Ding gewesen.
Esther Siwinski: Zum Schluss ist es mir noch einmal wichtig zu sagen: Normalerweise gibt es keine begrenzte Anzahl an Gästen für die Breminale. Klar ist der Deich irgendwann voll, aber es gibt keine Form der Überfüllung, weil die Menschen sich ganz anders verteilen können. Da es dieses Jahr eben anders reguliert ist, weil wir nur einen Bruchteil der Besucher und Besucherinnen empfangen können, würden wir uns sehr wünschen, dass es trotzdem ein durchgemischtes Publikum ist und so viele Leute wie möglich die Chance haben zu kommen. Also wäre es wünschenswert, dass sich nicht eine Person für jeden Abend Tickets kauft, sondern anderen Menschen auch die Chance gibt, die Breminale besuchen zu können. Wir sind auf jeden Fall sehr happy. Und es fühlt sich auch nicht an wie die kleine, nervige Schwester der echten Veranstaltung, sondern wir stehen voll dahinter und freuen uns richtig darauf!

Die Breminale findet vom 21. bis 25. Juli an diversen Locations statt. Alle Infos zum Festival ab 1. Juli unter www.breminale.de