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Ein kritischer Blick zurück

„Spurensuche – Geschichte eines Museums“: Dauerausstellung im Übersee-Museum soll Transparenz schaffen

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Der Dinosaurier Iguanodon lebte vor etwa 135 bis 110 Millionen Jahren. Foto: Jule Lotz

„Spurensuche – Geschichte eines Museums“ ist ab Ende ­Oktober im Übersee-Museum zu sehen. Auf der zweiten Etage werden Objekte aus ehemaligen Ausstellungen neu inszeniert und mit aktuellen Forschungsergebnissen verknüpft.

Das Kuratorenteam der neuen Dauerausstellung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des über 120 Jahre alten ­Museums genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei werden die Herkunft und der Erwerb von einigen Sammlungsstücken aufgearbeitet. Das Zeitalter spielt dabei keine Rolle. Von der Gründungszeit des Hauses bis hin zu den politischen Umbrüchen in den 1980ern: Wie prägte der wandelnde Zeitgeist die Ausstellungen? Darüber hinaus finden Lieblingsstücke der Übersee-Fans nun ihren Weg zurück ins Museum und die Besucher erfahren mehr über die neuesten Forschungsergebnisse der museumsinternen Provenienzforschung über das Dritte Reich und die Kolonialzeit.

Wirbel um das Südseehaus

 

Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt. Foto: Jule Lotz

Ein Highlight der Ausstellung ist das aus Papua-Neuguinea stammende Holzhäuschen, das seit 1909 im Besitz des Museums ist. 14.000 Kilometer von Bremen entfernt gab der wissenschaftliche Museumsmitarbeiter Ludwig Cohn das Haus in Auftrag. Lange Zeit war es im Museum ausgestellt, doch aufgrund von stereotypischen Darstellungen einiger Figuren, zum Beispiel eines nackten, dunkelhäutigen Mannes, entschied man sich, das Südseehaus abzubauen. Eine derartige Darstellung würde zur Verfestigung von Klischees führen, so das Übersee-Museum. Nun wird es wieder aufgebaut, aber neu inszeniert. Ein wichtiges Element der neuen Präsentation sei die Erklärung, warum man es dieses Mal anders mache, so Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt. „Wir wollen keinen rassistischen Stereotype darstellen. Die neue Ausstellung ist ein kritischer Blick zurück auf 120 Jahre Museumsgeschichte“, sagt sie. Man wolle mit der „Spurensuche“ auf das wachsende Interesse der Besucher reagieren, die sich immer häufiger für die Herkunft und die Hintergrundgeschichten der Sammlungstücke interessieren würden.
Conny Ammermann arbeitet seit über 30 Jahren als Restauratorin für das Museum. Sie baute das Südseehaus damals ab und stellt es nun wieder auf. „Beim Abbau hatte ich gehofft, dass ich es nicht wieder aufbauen muss“, erzählt sie lachend. Der Wiederaufbau sei nämlich eine müßige Angelegenheit. Die unzähligen Teile alle wieder in Position zu bringen, sei trotz akribischer Anleitung mithilfe einer Fotodokumentation nicht leicht – auch wegen der spröden Materialien. Dem Wiederaufbau steht die erfahrene Restauratorin zwiegespalten gegenüber. Sie verstehe zwar die Kritik an der unzeitgemäßen Darstellung, doch ohne die Figuren werde es anders wirken, prognostiziert Ammermann. Insgesamt dauert die Fertigstellung des Südseehauses fünf Wochen.

Wiederbelebung der Lieblingsstücke

Ein Sammlungsstück steht bereits seit Juli: der Abguss des vor ­allem bei Kindern beliebten Dino-Skeletts. Der Dinosaurier Iguanodon lebte vor etwa 135 bis 110 Millionen Jahren. Mit acht Meter Länge und fünf Meter Höhe ein beeindruckendes Replikat, dessen Original aus Belgien stamme, erzählt Ahrndt. Bremen war 1911 bereits im Besitz eines echten Fossils des Iguanodon, doch durch den Krieg wurde es stark beschädigt und damit unbrauchbar.

Ab Samstag, 26. Oktober, Übersee-Museum