Start Veranstaltungen „Aufgeben ist nicht“

„Aufgeben ist nicht“

Das Boulevardtheater geht in seine zweite Spielzeit

386
Intendant Kay Kruppa Foto: Boulevardtheater Bremen

+++VERLOSUNG+++

Wir verlosen 5×2 Tickets. Schicken Sie uns bis zum 10. Juni eine E-Mail mit dem Betreff „Boulevard“ und Ihren Kontaktdaten an verlosung@stadtmagazin-bremen.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das Weyher Theater gilt als eines der erfolgreichsten Privattheater der Republik. Diese Erfolgsgeschichte wollte Intendant Kay Kruppa mit seinem Team im Boulevardtheater in Woltmershausen fortsetzen. Letztendlich war die erste Spielzeit im neuen Haus für den 50-Jährigen eine zum Vergessen: Der überraschende Tod von Dramaturg und Freund Frank Pinkus überschattet bis heute die Geschehnisse in der Spielstätte im neu entstandenen Tabakquartier. Weil die Pandemie zudem dafür sorgte, dass nicht die erwartete Menge an Zuschauern kam und man sogar für einige Wochen komplett schließen musste, war die Situation zusätzlich schwer. Dennoch gibt sich Kruppa kämpferisch und freut sich auf die kommende Spielzeit, die ungewöhnlich früh, im Juli, beginnt. Wir sprachen mit ihm über das letzte Jahr, die aktuelle Situation und die kommende Saison.

Wie ist das Boulevardtheater in Woltmershausen entstanden?
Das Immobilienunternehmen Justus Grosse entwickelt das Tabakquartier. Dessen Geschäftsführer Clemens Paul ist ein großer Fan des Weyher Theaters. Er ist vor etwa drei Jahren an uns herangetreten und hat uns gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, diesen Ort bunt zu gestalten und mit kulturellem Leben zu erfüllen, sprich: ein Theater zu eröffnen und zu bespielen. Er würde es uns schlüsselfertig dort hinbauen.

Mussten Sie lange überlegen?
Ehrlich gesagt habe ich ein Jahr lang überlegt, gemeinsam mit Frank Pinkus damals. Es ging darum, ob wir das alles überhaupt bewerkstelligen können. Wir mussten gucken, wie wir die Aufgaben verteilen, und auch erst lernen, bestimmte Bereiche abzugeben. Wir haben dann ein Konzept für die Bespielung von zwei Häusern entwickelt und es Clemens Paul präsentiert. Am darauffolgenden Tag präsentierte er uns bereits die Halle 1, wie sie damals noch hieß, mit den Worten: „Hier könnt ihr rein!“

Der Start war für das Theater schrecklich, zunächst kam die Pandemie und dann verstarb Frank Pinkus bei der ersten Voraufführung. Wie geht man mit einer solchen Situation um?
Es war eine Katastrophe. Frank war nicht nur ein wichtiger Macher, Autor und Darsteller des Hauses, er war auch mein bester Freund. Wir haben seit mehr als 20 Jahren das Weyher Theater gemacht. Mir ist damit auch Teil meines Lebens weggebrochen, Frank gehörte bei uns zur Familie. Dennoch ist damals auch ein Ruck durchs Haus gegangen. Alle waren sich einig, es jetzt erst recht – für Frank – gemeinsam zu wuppen. Und eigentlich, etwa bis Mitte November, hatte ich gedacht, dass wir es geschafft hätten. Wir waren das letzte Wochenende unter Coronabedingungen ausverkauft. Dann kam die vierte Welle und damit war Feierabend. Anschließend war klar zu sehen: Je höher die Inzidenz desto weniger Karten wurden verkauft.

Wie blicken Sie auf die erste Spielzeit zurück?
Das ist für mich sehr schwierig zu sagen. Insgesamt haben wir fünf sehr gute Produktionen auf die Bühne gebracht, die Leute, die da waren, waren allesamt begeistert. Aber der Kampf gegen die Pandemie – wir konnten mehrere Wochen am Stück gar nicht spielen –,
das insgesamt zurückgegangene Kaufverhalten und über allem Franks Tod würden mich die vergangene Spielzeit lieber vergessen lassen. Wir haben in allen Bereichen neue Leute eingestellt, Techniker, Maskenbildner, Schauspieler – die mussten ja auch von irgendetwas leben und bei der Stange gehalten werden. Insgesamt war es sehr schwierig. Aber: Einfach können alle, aufgeben ist nicht. Wir machen weiter! Denn es gibt auch positive Erkenntnisse: 75 Prozent unserer Bremer Besucher waren neue Zuschauer, die zuvor noch nie im Weyher Theater waren. Eine sehr motivierende Tendenz.

Im Juli beginnt bei Ihnen die zweite Spielzeit. Was planen Sie?
Es wird vier neue Inszenierungen geben. Dabei geht es um Komödie in all ihren Facetten. Es wird mit „Machos und andere Weicheier“ und „Einmal Grand Canyon und zurück“ den neuen, frischen Boulevard geben, so wie Frank Pinkus ihn geschrieben hat. Eine klassische Farce ist „Ein Schlüssel für zwei“. Und zu guter Letzt wird es mit „Die Fete endet nie“ auch noch eine musikalische Komödie geben. Zudem übernehmen wir die fünf Stücke der ersten Spielzeit ins Repertoire, so dass wir ab Juli insgesamt neun Stücke im Angebot haben. Und wir führen ein Abo ein, um eine gewisse Verlässlichkeit bieten zu können.

Wie ist die Idee entstanden, anstatt im September bereits im Juli in die neue Spielzeit zu starten?
Die Idee ist uns im Januar gekommen, als die Inzidenz so hoch war, dass wir das Haus hier in Weyhe schließen mussten. Da in den vergangenen beiden Jahren gerade im Sommer die Inzidenz deutlich gefallen ist, haben wir überlegt, im Juli und August zu spielen – aber nur freitags und sonnabends.

Wie begegnen Sie der Pandemie, damit sich die Besucher bei Ihnen sicher fühlen können?
Wir haben im gesamten Haus Hygienespender aufgestellt. Viel wichtiger ist aber, dass wir in unserem Theatersaal eine Klima- und Lüftungsanlage eingebaut haben, die alle zehn Minuten, also sechsmal in der Stunde, die Luft im gesamten Raum komplett austauscht.

Weitere Informationen unter www.boulevardtheater-bremen.de.

Teilen
Vorheriger Artikel„Familienporträt“
Nächster Artikel„Hart am Wind“