Start Veranstaltungen „25 Jahre ohne Arbeit“

„25 Jahre ohne Arbeit“

3. März: Atze Schröder kommt mit „Turbo!“ in die ÖVB-Arena

235
Foto: FR

Er ist das Urgestein der deutschen Comedy-Szene: Atze Schröder. Seit mehr als 25 Jahren steht der Mann mit der Lockenpracht, der Sonnenbrille und dem Ruhrpott-Charme schon auf der Bühne. Und ans Aufhören denkt er noch lange nicht, wie der mittlerweile 52-Jährige im Interview verriet.

Sie sind eigentlich studierter Soziologe und sollen als Tanzlehrer gearbeitet haben …
Das ist schon mal falsch. Tanzlehrer stimmt nicht. Ich war mal bei „Was bin ich“ und dort sollte erraten werden, welchen bürgerlichen Beruf ich habe. Da ich aber gar keinen habe, sagte ich damals einfach, dass ich Tanzlehrer sei. Das passte ganz gut, weil die Assistenz vor Ort auch Tanzlehrerin war und wir dann etwas vortanzen sollten. Zufällig hatten wir kurz zuvor in meiner WG Boogie Woogie geübt und es klappte beim Auftritt alles nahezu perfekt. Seitdem bin ich Tanzlehrer obwohl ich eigentlich gar nicht tanzen kann.

Aber Soziologe stimmt?
Anstudiert.

Wie wird man aus einer solchen Sozialisation heraus dann letztendlich Comedian?
Ich bin ja eigentlich Schlagzeuger und habe in der Regel, egal in welcher Band ich gerade spielte, die Ansagen gemacht. Das fanden die Leute wohl ganz lustig, denn irgendwann hieß es: „Komm doch mal ohne Band!“ Also stand ich plötzlich alleine am Mikrofon, habe eine Geschichte erzählt und dabei gemerkt, dass es genau das ist, was ich machen wollte. Und auf einmal war ich Komiker.

Gehörten Sie schon als Jugendlicher zur witzigen Fraktion oder ergab sich das erst später?
Ja, irgendwie habe ich schon zu Schulzeiten für die Unterhaltung gesorgt. Und auch mein Vater war so einer, der immer gut Geschichten erzählen konnte. Fast so eine Art Familientradition.

Sie sind jetzt ja tatsächlich mittlerweile seit 25 Jahren im Geschäft …
Oder 25 Jahre ohne Arbeit, könnte man auch sagen. Tatsächlich ging es 1992 oder 1993 damit los.

Es gibt nicht so viele, die sich so lange gehalten haben.
Das stimmt, damals entstand vieles aus der „Samstag-Nacht“-Zeit. Michael Mittermeier ist noch ein Kind der ersten Stunde, der immer noch dabei ist. Wenn der Comedy-Preis verliehen wird, sind wir beiden auch immer die letzten an der Theke und machen uns darüber lustig, dass wir schon mehr gehen als kommen gesehen haben.

Sie sind eines der Urgesteine in der doch recht schnelllebigen Zeit der Comedy …
Das kann man mit Fug und Recht so sagen. Helge Schneider ist natürlich auch noch da, aber der ist ja eher so ein eigener Planet.

Anfangs schien der Comedy-Boom keine Grenzen zu kennen. Von kleinen Clubs ging es in immer größere und schließlich in die großen Hallen und einige schafften es sogar in Stadien. Mittlerweile wird es eher wieder kleiner. Ist ein Ende des Booms in Sicht?
Das glaube ich nicht, aber ich habe auch schon überlegt, in Bremen mal wieder ins Pier 2 oder vielleicht sogar ins Modernes zu gehen. Dann spielt man eben mehrere Tage hintereinander. Spaß macht das schon. Und besser ist es auf jeden Fall, wenn man freiwillig kleiner wird. (lacht)

Haben Sie schon mal ans Aufhören gedacht?
Nicht so direkt. Aber als ich 2003 den deutschen Fernsehpreis gewonnen hatte, dachte ich so: Lieber Gott, häng noch ein Jahr dran, es macht gerade soviel Spaß. Ich kann aber sonst auch nix. Also bis 80 geht’s bestimmt noch weiter.

Fällt Ihnen immer noch was ein?
Das hat vor allem mit Fleiß zu tun. Natürlich muss man immer graben, um auf einen Goldbrocken zu stoßen. Aber ich bin beim Schreiben der Programme ja auch nicht alleine.

Gucken Sie bei anderen Comedians, was die so machen?
Nein. Und ich weiß, dass es den anderen auch so geht. Wirklich, man langweilt sich zu Tode und denkt: Boah, was ist das denn für ein Humor. Auch bei Leuten, mit denen ich privat gut befreundet bin. Ein ganz lieber Kollege und guter Freund war letztens mal bei einer Show von mir. Er meinte dann nur: Sprich mal ein bisschen schneller, ich will in die Stadt!“

Worum geht es im aktuellen Programm „Turbo!“?
Es geht darum, dass mittlerweile alles Turbo ist. Turbo-Sex, Turbo-Abi, Turbo-Kommunikation. Wenn man heute erst am nächsten Tag eine E-Mail beantwortet, gilt man ja schon als klinisch tot. Alles immer höher, schneller, weiter. In dem Programm geht es darum, ruhig mal wieder ein wenig vom Gas zu gehen. (MÄR)

Samstag, 3. März, ÖVB-Arena, 20 Uhr

Teilen
Vorheriger ArtikelSaisonstart in den Biergärten
Nächster ArtikelFeuerproben