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Hopfenzupfen: Von der Rebe ins Glas

Freiwillige Helfer unterstützen Gemüsewerft bei der Ernte für die Bremer Braumanufaktur Hopfenfänger

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Etwa Hundert freiwillige Helfer trafen sich zum gemeinsamen Hopfenzupfen. Foto: Jule Lotz

Das dritte „Große Hopfenzupfen“ ereignete sich dieses Mal auf dem neuen Grundstück der Bremer Braumanufaktur in der Überseestadt. Gemeinsam mit der Gemüsewerft und freiwilligen Helfern wurde dort fleißig Hopfen geerntet. Zur Stärkung gab es Bier und Suppe.

Sonnenschein und lockere Stimmung: Am vergangenen Sonntag, 8. September, begrüßten die Bremer Braumanufaktur und die Gemüsewerft zwischen 10 und 17 Uhr Bremer auf dem alten Kellogg‘s-Areal. Einen Tag arbeiteten die Helfer ehrenamtlich, um die Braumanufaktur bei der Ernte zu unterstützen. Das Ziel: Nicht nur die Bierproduktion voranbringen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen werfen, die in diesem Fall aus Hopfen besteht. Für gemütliche Sitzmöglichkeiten sorgten Bierbänke und aufgestapelte Europaletten, die von Holzkästen, in denen der Hopfen wächst, eingerahmt wurden. In einer ausrangierten gelben Straßenbahn gab es Suppe und Brot, das Bier wurde im Gewächshaus ausgeschenkt.

Blühender Geschmack

Markus Freybler und Michael Scheer. Foto: KW

Überraschend grün ist die Pflanze, aus der im späteren Herstellungsprozess Bier gebraut wird. Hopfen ist eine der wichtigsten Zutaten des Biers und gibt dem Getränk seinen Geschmack. Das weiß auch Markus Freybler, Brauingenieur der Bremer Braumanufaktur. Vor rund fünf Jahren machte er dem Leiter der Gemüsewerft Michael Scheer ein Angebot, das dieser nicht ausschlagen konnte. Die Gemüsewerft könne den Hopfen anbauen, den Freybler dann zu Craft-Beer verwandeln sollte. Das Ergebnis dieser Kooperation: der Hopfenfänger, die Marke der Bremer Braumanufaktur. Was mit nur einer Hopfen- beziehungsweise Biersorte anfing, erweiterte sich allmählich zu einem breiten Sortiment. Zwei der Kreationen kamen auch die Helfer beim Hopfenzupfen zu schmecken. Das klassische Helle und das etwas würzigere Indian Pale Ale wurden zum Dank kostenfrei ausgeschenkt. Angebaut werden mehrere Hopfensorten. Dazu gehören Hallertauer Tradition, Comet, Tettnanger und die für die Craft-Bier-Szene derzeit wichtigsten Aromasorten Cascade, Chinook und Centennial, die unter anderem dem Indian Pale Ale zu besonders aromatischen Noten verhelfen.

Hopfenblüten nach der Ernte. Foto: Jule Lotz

Einen Teil des Verkaufserlöses des Hopfenfängers fließt zurück an die Gemüsewerft und unterstützt somit die gemeinnützige Arbeit der Organisation. Diese bietet Beschäftigungsmöglichkeiten für nicht-erwerbsfähige Menschen mit psychischen Erkrankungen und seelischen sowie geistigen Behinderungen. Auf mehr als 800 Quadratmetern und an drei verschiedenen Standorten baut die Gemüsewerft neben Hopfen auch Gemüse und Kräuter an, die zum Beispiel in der hiesigen Gastronomie Abnehmer findet.

Erst im August dieses Jahres wagte die Bremer Braumanufaktur einen schon lang ersehnten Umzug, aber keine Location schien bisher zu passen. Mit dem alten Kellogg‘s-Areal in der Überseestadt ist Freybler mehr als zufrieden. „Die Voraussetzung für einen Umzug der Hofbrauerei stimmten: Direkt an der Weser, ‚Backsteinromantik‘ und dazu noch nah an der Gemüsewerft – besser geht es nicht“, schwärmt der Brauingenieur. Und mit den neuen Lokalitäten sollen in Zukunft neue Produkte kommen, verrät er.

Handarbeit wie vor 200 Jahren

Helfer beim „Großen Hopfenzupfen“. Foto: Jule Lotz

Obwohl es außer Freibier und Suppe keine Vergütung gab, hatten sich etwa Hundert Bremer im Laufe des Tages in der Überseestadt eingefunden. Petra Bösche war schon vor drei Jahren beim Zupfen dabei. „Es ist zwar eine simple Tätigkeit, aber gerade deswegen kann man so gut mit anderen ins Gespräch kommen. Das ist Entspannung pur“, sagte die Helferin. Diese „simple Tätigkeit“ besteht darin, die Blühten der Hopfenpflanze zu trennen. Mittlerweile geschieht dies in den meisten Braumanufakturen maschinell, doch für den Hopfenfänger ist die Ernte noch Handarbeit – wie früher.

Ursula Frerechs und Marianne Stöber sind zum ersten Mal dabei. Ihnen gefällt besonders die gemütliche und urige Atmosphäre. Gerne kaufen die beiden Besucherinnen auch das Gemüse der Gemüsewerft. „Hier schmeckt alles so, wie im eigenen Garten“, meint Frerechs und nippt an ihrem Bierglas. „So ein Fest wie heute, sollte es öfter geben“, fügt Stöber noch hinzu. Am Ende der Hopfenzupferei sind sich die Helfer einig: Auch nächstes Jahr sind sie wieder beim Zupfen mit dabei.