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Der kleine Leckerbissen

Stinte aus der Weser: In der Hansestadt hat die Saison des „Gurkenfisches“ begonnen

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Foto: Frank Thomas Koch

Klein, flink, silbrig glänzend – und nach frischer Gurke riechend: der Stint. Jedes Jahr zwischen Januar und April schwimmen Schwärme von Stinten in langen Wanderungen von der Nordsee entlang der Küste stromaufwärts in die Flussläufe der Elbe und der Weser. Auf dem Sandgrund lassen sie sich vier bis fünf Wochen zum Laichen nieder, danach geht’s zurück ins Wattenmeer. Mindestens neun Grad muss das Wasser dafür haben. Ein Weibchen kann zwischen 7000 und 50.000 Eier legen. Mit 15 bis 20 Zentimetern sind Stinte die kleinsten Fische, die eine sogenannte Fettflosse besitzen, und werden bis zu sechs Jahre alt. Ihrem unverkennbaren Geruch haben sie den Spitznamen „Gurkenfisch“ zu verdanken. Sie sind neben Kohl, Pinkel, Labskaus und Knipp wohl eines der beliebtesten Traditionsgerichte der Bremer Küche. Einst wanderten sie noch in Massen die Weser hinauf, sodass Fischer sie tonnenweise mit ihren Reusen aus dem Wasser zogen. Heute gelten Stinte als kulinarische Besonderheit des Nordens und werden lediglich in kleinen Mengen aus der Weser gefischt.

Diplombiologe Rüdiger Droste ist Amtsfischer, seit 2002 fängt er Stinte aus der Weser. Der 62-Jährige hat die Aufgabe von seinem Vorgänger samt Schuppen übernommen. Die Stinte fischt er mit Körben. „Es ist schon körperlich harte Arbeit“, erklärt Droste. Ungefähr zwei Stunden pro Tag verbringt er während der Saison in der Kälte auf dem Wasser, um einmal täglich die Körbe zu leeren. Ihm geht es dabei weniger um den finanziellen Ertrag den er durch den Verkauf an Restaurants erhält, der ohnehin nicht groß ist. Vielmehr gehe es ihm um die Freude am Fischen und ein traditionelles Stintessen, zu dem er jedes Jahr Freunde und Familie einlädt.

Auch „Zur Ochtumbrücke“, dem Restaurant von Kurt Spille, sind Stinte ein geschätztes Gericht. Der Familienbetrieb mit dem Spitznamen „Spille“ serviert seinen Gästen seit 50 Jahren frische Stinte und andere Bremer Traditionsgerichte. „Der Fisch muss geputzt und anschließend in Roggenschrot in der Pfanne angebraten werden“, erklärt Sohn Jan Spille. „Das Ausnehmen ist recht aufwendig, weil der Fisch so klein ist, also kommen die meisten Menschen lieber zu uns und genießen die Stinte frisch serviert mit Brat- oder Salzkartoffeln und Bohnensalat.“