Start Veranstaltungen „Zeitgeist und Relevanz“

„Zeitgeist und Relevanz“

Vom 1. bis zum 6. März: 20er-Jahre-Revue „Berlin Berlin“

66
Foto: J.Hauer
Im Interview berichten Ralf Kokemüller, CEO und Producer und dem Executive Producer von „Berlin Berlin“, Martin Flohr, von der neuen Show, die im März nach Bremen kommt.
Wie ist die Idee für „Berlin Berlin“ geboren worden?
Flohr: Das Thema lag in der Luft! Die 1920er-Jahre sind inzwischen hundert Jahre her, die Begeisterung für die Mode, die Tänze, die Musik und die Stars lodert weiter. Im Admiralspalast hatten wir die Möglichkeit, am Originalschauplatz in den Strudel dieser aufregenden Zeit einzutauchen.
Warum haben Sie sich für diese Show entschieden?
Kokemüller: Für mich sind Zeitgeist und Relevanz entscheidend. Bei „Berlin Berlin“ hat uns das Thema gleich gepackt – das künstlerische Konzept war sehr überzeugend. Und Martin Flohr als ausführender Produzent und Konzeptentwickler hat mit großem Enthusiasmus ein tolles internationales Kreativteam rund um Regisseur Christoph Biermeier, Musical Arrangeur Richard Morris, Musical Supervisor Gary Hickeson und Choreograf Matt Cole zusammengestellt.
Wenn Sie von „Berlin Berlin“erzählen, spürt man sofort Ihre Begeisterung für die 20er Jahre. Woher kommt die?
Flohr: Die 20er werden als die Goldenen 20er-Jahre bezeichnet, auch wenn damals wenig wirklich golden war. Ich glaube, was uns bis heute daran fasziniert, ist das Lebensgefühl und die Aufbruchsstimmung. Es war das Jahrzehnt der Entdecker, Abenteurer und Erfinder. In Bonn entwickelte Hans Riegel die Gummibärchen. In Berlin brachte Hans Schwarzkopf das Haarshampoo auf den Markt. Albert Einstein erhielt den Nobelpreis für Physik, Marie Curie forschte an der Sorbonne über das Röntgenlicht und die Weltenbummler Clärenore Stinnes und Carl-Axel Söderström umrundeten den Globus in einem Automobil. Alles schien möglich und Freiheit war ein großes Thema. Ich finde es interessant, dass wir 100 Jahre später mit vielen ähnlichen Themen konfrontiert werden – und wie wir damit umgehen.
Autoren, Choreografen, Musiker, mehr als 30 Darsteller: Wie bringt man die richtigen Leute zusammen?
Flohr: Es mag verwundern, aber das war nicht schwer. Die 20er Jahre üben eine solche Faszination aus, dass man sich ihrem Sog kaum entziehen kann. Viele Künstler lieben die 20er Jahre. Das machte es uns leicht, die Besten der Besten auf und hinter der Bühne zu verpflichten.
Große Revuen haben in den 20er-Jahren ihre Blütezeit erlebt. Nacht für Nacht zog es Tausende von Menschen in Theater, Nachtlokale und Clubs. Wird man da als Produzent und Veranstalter von Liveentertainment in Zeiten von Videostreamings und Onlineplattformen neidisch auf die besondere Bühnen-Kultur von damals?
Kokemüller: Im Gegenteil! Gerade in der zunehmend digitalisierten Welt suchen die Menschen das analoge Vergnügen, die Gemeinsamkeit und die Emotionen. Was gibt es nach einem Tag vor dem Bildschirm Schöneres, als mit einem Theaterabend in eine ganze andere Welt voller Gefühle einzutauchen?
„Berlin Berlin“ feiert die Hauptstadt des Lasters. Wie transportieren Sie das besondere Flair Berlins in andere Städte?
Flohr: Berlin mag die Hauptstadt des Lasters sein, aber der Tanz auf dem Vulkan fand auch auf anderen Parketts statt. Es ist spannend zu sehen, wie unsere Geschichten und Legenden in anderen Städten wahrgenommen wurden: Nehmen wir Josephine Baker. In Österreich wurden Gottesdienste wegen ihrer angeblichen Verfehlungen gelesen, im Deutschen Theater München hatte sie Auftrittsverbot! Und nun erzählen wir 100 Jahre später dort doch noch ihre Geschichte. Das tut gut. (SM)
Vom 1. bis zum 6. März im Metropol Theater Bremen