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„Yippie a yeah! Das wird ein Fest!“

Interview mit Sabine Postel und Oliver Mommsen zum „Tatort: Blut“

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Ermitteln zum vorletzten Mal gemeinsam in Bremen: Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund. Foto: C. Schröder

Ein Notruf geht bei der Bremer Polizei ein, zu hören sind Hilferufe. Kurze Zeit später wird in einem Park die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die massiven Verletzungen am Hals der Toten stellen die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) vor ein besonderes Rätsel. Eine traumatisierte Augenzeugin kann den Ermittlern nur den verstörenden Hinweis „Vampir“ liefern.
Während Inga Lürsen Schritt für Schritt die Indizien und Hinweise zusammensetzt, gerät Stedefreund in einen fieberhaften Strudel mystischen Aberglaubens. Als die Ermittler auf Nora Harding (Lilith Stangenberg) und ihren Vater Wolf Harding (Cornelius Obonya) treffen, überschlagen sich die Ereignisse. Zum vorletzten Mal ermitteln Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund im Bremen-„Tatort“. Und das in einer düster mystischen Umgebung …

Eine junge Frau stirbt aufgrund brutaler Verletzungen am Hals. Wie war Ihre Reaktion, als Sie das Drehbuch zum allerersten Mal gelesen haben?
Sabine Postel: Auch für eine erfahrene Kriminalistin wie Inga Lürsen ist die junge Frau, die durch eine Bissverletzung verblutet ist, natürlich ein Schock. So etwas ist ihr noch nie begegnet. Diese Todes­ursache ist natürlich schon sehr speziell, das heißt, um an einer solchen Verletzung zu verbluten, muss der Biss schon mit großer Kraft ausgeführt worden sein. Da denkt man natürlich zuerst an ein Tier, einen Wolf vielleicht … Um einen Menschen als Täter in Betracht zu ziehen, bedarf es schon einer großen Vorstellungskraft.

Die Zuschauer lernen Stedefreund erneut von einer ganz neuen Seite kennen. Dieses Mal hat er Todesangst. Warum?
Oliver Mommsen: Wir haben 18 Jahre lang eine Figur aufgebaut und sie Stück für Stück mit Selbstvertrauen, Fachwissen und einer schönen Routine ausgestattet. Im Tatort „Blut“ nehmen wir dem lieben Stedefreund all das wieder weg. Ihm wird komplett der Boden unter den Füßen weggezogen und der Knabe ist vollkommen verunsichert. Zu verraten, warum, wäre schade. Nur so viel: Er ist so durcheinander, dass er anfängt, ins Mystische abzudriften.

Wie war Ihre Reaktion, als sie das Drehbuch gelesen haben?
Oliver Mommsen: Yippie a yeah! Das wird ein Fest!

Inga Lürsen konzentriert sich auf die Fakten dieses schwierigen Falls. Dass ihr Kollege Stedefreund keine große Unterstützung für sie ist, kommt erschwerend hinzu. Wie geht die Hauptkommissarin damit um?
Sabine Postel: Sie ist bei ihren Untersuchungen ziemlich auf sich
alleine gestellt. Die Geschichte wird immer unheimlicher und merkwürdiger, und die sehr bodenständige Inga versucht, die in ihren Augen irrealen Ängste ihres Kollegen zu zerstreuen … Eine große Hilfe, um den mysteriösen unheimlichen Fall aufzuklären, ist Stedefreund in weiten Teilen für sie nicht.

Waren die Dreharbeiten anders als bei anderen „Tatort“-Folgen?
Sabine Postel: Die Dreharbeiten unterschieden sich von anderen dadurch, dass sehr viel Wert auf eine mysteriöse, gruselige Atmosphäre gelegt wurde. So suchte man nach einer bestimmten Bild- und Farbsprache. Auch die Musik spielt hier eine große Rolle, genau wie die Traumsequenzen … Eine blieb mir besonders in Erinnerung, in der ich tot auf dem Boden der Pathologie ausharren musste. Ein Erlebnis, auf das eine Schauspielerin gerne verzichtet!

Was war für Sie der größte Reiz daran?
Oliver Mommsen: Stedefreund begibt sich auf eine sehr eigene Reise in die Tiefen seiner Ängste. Zusammen mit unserem Regisseur Philip Koch wollten wir diesen Irrweg für den Zuschauer nachvollziehbar gestalten. Es wäre toll, wenn man Stedefreund nicht als vollkommen durchgeknallt durchwinkt, sondern denkt: Ja, unter den Umständen könnte es mir ähnlich gehen. Es geht um Angst, und die ist nun mal nicht immer logisch.

Sonntag, 28. Oktober, Das Erste, 20.15 Uhr