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„Wir brauchen einen Fahrplan“

Anlässlich Protestaktion: Dehoga-Vorsitzender Detlef Pauls im Interview

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Mit leeren Stühlen auf dem Marktplatz machten Bremer Gastronomen auf ihre Situation in der Corona-Pandemie aufmerksam. Fotos: Mär

Verlassene Räume, leere Tische und Ebbe in den Kassen: Für viele Gastronomen ist die aktuelle Corona-Pandemie eine existenzielle Zitterpartie. Mit einer Protestaktion auf dem Marktplatz stellten viele Bremer Betreiber am 24. April symbolisch leere Stühle auf, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Detlef Pauls, Vorsitzender des Dehoga-Landesverbandes Bremen, sprach mit dem STADTMAGAZIN über die Gründe für die Aktion.

Dehoga-Vorsitzender Detlef Pauls.

Herr Pauls, wie geht es Ihnen zurzeit?
Persönlich gut, wirtschaftlich allerdings katastrophal – wie übrigens allen Kollegen in der Gastronomiebranche. Wir würden gerne alle arbeiten, dürfen es aber nicht.

Wir treffen Sie gerade im Rahmen einer Art Demonstration, die fast wie eine Installation wirkt. Was wollen Sie mit den leeren Stühlen auf dem Marktplatz erreichen?
Wir wollen mit dieser Aktion noch einmal auf die missliche Lage, in der sich die Gastronomie derzeit befindet, verstärkt hinweisen. Denn so sieht es in den Betrieben derzeit aus: leere Stühle.

Sehen Sie denn eine Möglichkeit, die Arbeit wieder aufzunehmen?
Wir sind in Gesprächen mit dem Bürgermeister und den Senatoren. Ich will gar nicht nur klagen, die Verantwortlichen machen sicher einen guten Job. Nur leider reicht das für uns als Gastronomen derzeit noch nicht aus.

Wie könnte Ihnen denn derzeit konkret geholfen werden?
Wir brauchen einen Fahrplan, wie wir aus der Krise herauskommen. Wir hätten gerne einen Rettungsfonds, der sich an den Umsätzen der vergangenen Jahre orientiert. Die Verminderung der Mehrwertsteuer für unseren Bereich von 19 auf sieben Prozent ist ein Anfang, greift aber erst ab Juli. Einige werden es bis dahin wohl nicht schaffen. Ich tippe, dass es etwa ein Drittel der Betriebe nach der Krise in der aktuellen Form nicht mehr gibt.

Wenn auch schwer vorstellbar: Können Sie der aktuellen Situation auch etwas Positives entnehmen?
Wir sind alle enger zusammengerückt, auch in der Branche. Ich muss da mal an alle Mitarbeiter, die in der Gastronomie arbeiten, einen großen Dank aussprechen. Ich habe von allen Kollegen gehört, dass bei ihnen alle mitziehen und zu den Betrieben stehen. Das ist in so einer schwierigen Situation ja nicht selbstverständlich.

Viele Gastronomen haben auf Außerhausverkauf umgestellt. Wie sehr hilft das?Der Außerhausverkauf ist eine schöne Geschichte, rettet aber keinen. Das sind vor allem Aktionen, um überhaupt etwas tun zu können.

Eventuell wird zumindest die Außengastronomie im Mai geöffnet…
Das wäre ein erster Schritt. Wichtig ist dabei aber die Frage, welche Konzepte es dann dazu gibt. Wichtig ist zudem, dass Niedersachsen und Bremen, besser noch der gesamte Norden, ein gemeinsames Konzept dafür hat. Noch einmal: Wir brauchen einen genauen Fahrplan, wie wir gemeinsam aus der Krise herauskommen.