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Lockdown-Story: Schaustellerin Nicole Kutschenbauer betreibt Hunde-Waschcenter in Delmenhorst

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Foto: JF

Eine tierische Alternative: Die Corona-Zeit hat Schaustellerin Nicole Kutschenbauer erfinderisch werden lassen. Statt auf Jahrmärkten und Volksfesten zu arbeiten, betreibt die Unternehmerin seit einigen Monaten das Hunde-Waschcenter „Felldorado“ – eine Idee, die sowohl Vierbeinern als auch ihren Besitzern zugutekommt.

Kundschaft im „Felldorado“: Nicole Kutschenbauer und Mischlingshündin Socke führen die Funktionsweise der Hunde-Waschanlage vor. Foto: JF

„Toll machst du das!“ Zufrieden lobt Nicole Kutschenbauer den Mischling, der in der Wanne steht, während sie mit der Wasserbrause in ihrer Hand langsam das Fell abduscht. Hündin Socke schaut zunächst etwas skeptisch, scheint die wohltuende Abkühlung bei 30 Grad dann aber doch zu genießen. Saubere Vierbeiner, das ist das Ziel von „Felldorado“. In der SB-Waschanlage in Delmenhorst können Hundebesitzer ihre Fellnasen selbstständig waschen. Der Vorteil: Der Hund wird sauber und das heimische Badezimmer bleibt es. „Als ehemalige Hundebesitzerin weiß ich aus eigener Erfahrung, wie viel Dreck nasse Tiere machen können“, sagt Kutschenbauer. „Beim täglichen Reinigen der Anlage beseitige ich nicht nur Nässe, sondern auch Berge an Hundehaaren.“

Vierbeiner und ihre Besitzer sind eigentlich nicht das klassische Klientel, mit dem Nicole Kutschenbauer beruflich zu tun hat. Die gebürtige Nordrhein-Westfälin stammt aus einer traditionellen Schaustellerfamilie, ist in einem Alltag aus wechselnden Orten und Volksfesten groß geworden. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie in der Vergangenheit Ausschankbetriebe und Kinderfahrgeschäfte betrieben. Zudem feierte erst 2016 ihre eigene mobile Schokoladenfabrik „Chalet De Chocolat“ Premiere auf der Bremer Osterwiese. Die Corona-Krise veranlasste das Ehepaar jedoch, nach einer geschäftlichen Alternative zu suchen und mit ihr die klaffende Lücke im Terminkalender zu füllen. „Man könnte sagen, das ‚Felldorado‘ ist eine Idee, die vor allem zu viel Zeit geschuldet ist“, erzählt Nicole Kutschenbauer schmunzelnd. „Anfang des Jahres haben wir Freunde in Münster besucht. Sie sind auch als Schausteller tätig und haben sich aus der Not heraus eine Hunde-Waschanlage aufs Grundstück gesetzt. Wir waren so begeistert, dass wir uns daraufhin entschieden haben, ebenfalls eine solche Anlage zu bestellen.“

Nicole Kutschenbauer. Foto: JF

Gesagt, getan: Seit Mitte April findet sich am Donneresch 9 in Delmenhorst die SB-Hunde-Waschanlage in einem kleinen Container wieder. Sie stammt von der Firma „Pro Dogwash“, einem deutschen Unternehmen, das sich auf den Verkauf von Hundewaschanlagen spezialisiert hat. Das Prinzip ist einfach. Frauchen und Herrchen führen ihren Hund über eine Rampe in eine Stahlwanne. Wer möchte, hat dort die Möglichkeit, das Tier anzuleinen. An einem Automaten, der in Optik und Funktionsweise an eine Autowaschanlage erinnert, können Kunden mit Bargeld oder kontaktlos eine Vorabzahlung leisten. „Ich würde mit drei bis fünf Euro beginnen“, empfiehlt Kutschenbauer. Anschließend können Kunden durch das Betätigen verschiedener Knöpfe die einzelnen Vorgänge einer Reinigung durchlaufen. Nach einer ersten Dusche mit Warmwasser ist ein Gemisch aus Wasser und Shampoo vorgesehen. „Das ist sehr praktisch, weil Hundebesitzer die Brause in der Hand behalten können und ihre Tiere nicht extra einseifen müssen“, sagt Kutschenbauer. Ebenfalls zur Auswahl stehen ein Floh- und Zeckenschutzmittel sowie zwei Föhnfunktionen. Der Preis für einen tierischen Waschgang richte sich nach der benötigten Zeit. „Für einen mittelgroßen Hund liegt man preislich etwa bei fünf Euro, bei einem großes Tier zwischen zehn und fünfzehn Euro.“

Für Nicole Kutschenbauer ist „Felldorado“ ein Gewinn in zweierlei Hinsicht. „Ich liebe Hunde und erfreue mich sehr an diesem Projekt“, sagt sie. „Allerdings ist der Gedanke dabei natürlich auch, Geld zu verdienen. Bisher zahlt sich der Betrieb des Hunde-Waschcenters finanziell aus.“ Seit Ende 2019 haben die Schaustellerin und ihre Familie keine Volksfeste mehr mit ihren Geschäften und Buden besuchen können. „Gott sei Dank haben wir Corona-Hilfen bekommen“, berichtet sie. „Sonst hätte es düster für uns ausgesehen.“ Die Zwangspause und damit verbundene Perspektivlosigkeit beschreibt sie als psychische Belastung, wenngleich sie ihr auch Positives abgewinnen konnte. „Ich konnte im letzten Jahr das erste Mal mit meiner Familie die Vorweihnachtszeit zelebrieren und war über die Ostertage zu Hause. Das habe ich zuvor noch nie erlebt.“

Angesichts der zunehmenden Lockerungen und steigenden Impfzahlen scheint die Rückkehr zur beruflichen Normalität für die Schausteller zumindest näherzurücken. Doch auch wenn das „Felldorado“ der Krise geschuldet ist: Ein „Corona-Lückenfüller“ mit Ablaufdatum soll es nicht sein. „Die Anlage bleibt auch nach der Pandemie weiterhin in Betrieb“, sagt Kutschenbauer. Saubere Hunde sowie von Chaos und Schmutz verschonte Badezimmer – darauf müssen Hundebesitzer folglich auch nach Corona nicht verzichten.