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„Von da an gab es kein Halten mehr“

Musiker Nico Santos im Interview / Konzertverschiebung

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Nico Santos schrieb bereits Songs für Helene Fischer, Marc Forster und Bushido. Mittlerweile ist er selbst ein erfolgreicher Sänger. Fotos: Universal Music

+++ Das Konzert von Nico Santos am 22. März findet nicht statt. Hiermit folgt der Veranstalter der Anordnung des Bremer Senats, alle Veranstaltungen ab 1000 Teilnehmern zwischen dem 12. und 26. März abzusagen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Ersatztermin ist der 27. November im Pier 2. Alle bisher erworbenen Tickets behalten ihre Gültigkeit.  +++

Wer Radio hört, kann sich seiner Musik nicht entziehen: Mit Hits wie „Rooftop“, „Safe“ und „Oh Hello“ lieferte Singer-Songwriter Nico Santos einen Hörfunk-Dauerbrenner nach dem anderen und avancierte zum erfolgreichsten deutschen Radiokünstler des Jahres 2018. Eine weniger bekannte Eigenschaft des 27-Jährigen: Er ist gebürtiger Bremer und Sohn von Werbestar und Melitta-Mann Egon Wellenbrink. Im Vorfeld seiner aktuellen Tournee sprach Nico Santos mit dem STADTMAGAZIN über seine Beziehung zur Hansestadt, ungewöhnliche Hürden seiner Schullaufbahn und verriet, was es mit seinem Künstlernamen auf sich hat.

Herr Santos, Sie sind zwar auf Mallorca aufgewachsen, geboren wurden Sie aber in Bremen. Haben Sie einen Bezug zur Hansestadt?
Ja, auf jeden Fall. Zunächst einmal bin ich, seit ich denken kann, ein sehr großer Werder-Bremen-Fan, was wahrscheinlich daher kommt, dass meine Eltern viele Jahre in Bremen gelebt haben. Außerdem habe ich Onkel, Tanten und andere Familienmitglieder, die nach wie vor in der Hansestadt wohnen.

Dann sind Sie wahrscheinlich auch ab und an in Ihrer alten Heimat unterwegs?
Immer mal wieder, ja. Früher war ich allerdings öfter in Bremen. Als meine Großeltern noch lebten, haben wir dort immer Weihnachten zusammen gefeiert. Mittlerweile verbringen meine Familie und ich die Festtage entweder auf Mallorca oder in Berlin.

Apropos Werder Bremen: Als Fan muss Ihr Fußballherz aktuell stark bluten …
Und wie es das tut. Was ich allerdings immer wieder feststelle, ist, dass ich persönlich als Werder-Fan nie auf ‚Hater‘ treffe. Bremen ist ein Sympathie-Club. Da wird mir aktuell von Fans anderer Vereine eher Mitleid entgegengebracht (lacht).

Mit Mallorca sind Sie auf einer Insel groß geworden, auf der andere Urlaub machen. Es gibt wahrscheinlich Schlimmeres als rund acht Stunden Sonne am Tag, oder?
Ich hatte wirklich die schönste Kindheit, die man sich vorstellen kann. Das ist mir gerade in den letzten Monaten nochmal bewusst geworden. Mittlerweile habe ich meinen Lebensmittelpunkt in Berlin, war aber über Weihnachten wieder auf Mallorca. Und da habe ich wieder einmal gemerkt: Was für ein Privileg, dass du hier aufwachsen durftest.

Haben Sie den deutschen Tourismus auf Mallorca damals schon als so präsent empfunden?
Nein, das war mit heute nicht vergleichbar. Mein Vater war in den 70er Jahren das erste Mal dort und so begeistert, dass er beschloss, irgendwann auf der Insel sesshaft zu werden. 1993, wenige Monate, nachdem ich in Bremen geboren wurde, hat er diesen Plan mit uns als Familie in die Tat umgesetzt. Natürlich muss man sagen, dass Mallorca damals noch deutlich rustikaler war. Was ich allerdings faszinierend finde: In dem 700-Seelen-Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, hat sich in den etwa 26 Jahren nichts verändert. Es ist, als wäre die Zeit dort stehengeblieben. Das finde ich sehr schön.

Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie als Schüler einen Aufenthalt am Strand dem Klassenzimmer vorgezogen?
Das war bei mir tatsächlich Gang und Gäbe (lacht). Ich hatte in meinem Rucksack meistens nur eine Badehose, ein Handtuch und ein „Alibi-Heft“. Die weiterführende Schule, die ich besucht habe, war zwei Minuten Fußweg vom Strand entfernt. Das war natürlich ein gefundenes Fressen, einen Großteil seiner Zeit dort zu verbringen.

Da waren Sie aber doch bestimmt nicht der einzige aus Ihrer Klasse.
Nein, es waren viele Schüler dort und die Anwesenden in der Klasse recht überschaubar (lacht). Die Lehrer waren in solchen Dingen relativ entspannt, spanische Mentalität halt.

Haben Sie diese entspannte Mentalität auch?
Ich muss sagen, dass ich das sehr mag. Allerdings lebe ich jetzt seit rund sechs Jahren wieder in Deutschland und stelle fest, dass ich schon deutlich deutscher geworden bin.

Wie meinen Sie das?
Früher war ich super unpünktlich, jetzt bin ich nur noch unpünktlich. Außerdem ertappe ich mich, dass ich bei Wartezeiten mittlerweile schneller ungeduldig werde.
Wie steht es eigentlich um Ihre Sprachkenntnisse, sprechen Sie fließend Spanisch?
Ja. Mallorquin, ein Dialekt der katalanischen Sprache, war die Sprache, die ich am meisten gesprochen habe. Danach kamen Spanisch und Deutsch.

Und welche Sprache beherrschen Sie am besten?
Was Orthografie angeht, bin ich im Spanischen und Mallorquin definitiv sicherer. Im direkten Gespräch ist es dagegen wahrscheinlich eher Deutsch, da ich es seit sechs Jahren fast ausschließlich spreche. Wahrscheinlich ist es einfach davon abhängig, wo ich mich gerade aufhalte. Meine Schwester und ich sprechen übrigens nur unsere eigene Mischform, die wir „Alémañol“ nennen: gängige spanische Vokabeln mit deutschen Füllwörtern (lacht).

Ihr Vater ist Werbe-Ikone und „Melitta-Mann“ Egon Wellenbrink. Wie präsent war das in Ihrer Jugend?
Wirklich präsent war es tatsächlich erst, als ich nach Deutschland gezogen bin. Klar war mein Vater auf Mallorca teilweise auf Veranstaltungen oder gelegentlich im Inselradio zu hören. Als ich dann allerdings in Köln einige Zeit gekellnert habe und auf meinem Namenschild „Wellenbrink“ stand, wurde ich sehr oft darauf angesprochen.

Können Sie sich noch erinnern, als sie das erste Mal den Melitta-Werbespot mit Ihrem Vater gesehen haben?
Ja, das weiß ich noch ganz genau. Ich konnte damals als Kind einen Star-Wars-Film nicht zu Ende schauen, weil es zu spät wurde und meine Eltern haben ihn für mich aufgenommen. Als ich mir die Aufnahme dann am nächsten Tag ansah, musste ich mir natürlich auch die Werbung ansehen. Da kam dann plötzlich der Werbespot mit meinem Papa. Das war schon lustig, ihm dabei zuzusehen, wie er Kaffee schlürft (lacht).

Wieso treten Sie eigentlich unter dem Namen Santos statt Wellenbrink auf?
Wellenbrink war für die Spanier auf meiner Schule extrem schwierig auszusprechen. In der Schule habe ich immer Lieder von Latinosänger Romeo Santos gesungen, er war früher Mitglied der Band Aventura. Von da an wurde ich immer „Santos“ oder „Santi“ genannt. Kumpels nennen mich auch so.

Würden Sie sagen, dass Ihnen das Musikalische in die Wiege gelegt wurde?
Komplett. Ich denke, das war tatsächlich der ausschlaggebende Grund, weshalb ich mich beruflich auf die Musik fokussiert habe. Mein Vater war Jazzmusiker und hat unter anderem für „buten un binnen“ Musik gemacht. Meine Mutter hat in einer Frauen-Grunge-Band gespielt, sie war die Gitarristin. Mit drei Jahren haben sie mir meine erste Michael-Jackson-Kassette geschenkt. Von da an gab es kein Halten mehr und ich wusste seitdem, was ich einmal werden will.

Bevor Sie 2017 mit „Rooftop“ in Deutschland als Sänger durchstarteten, waren Sie bereits als Songwriter für zahlreiche Künstler tätig. Was hat Sie letztendlich zu dem Schritt bewogen, aktiv die Bühne zu suchen?
Es gibt ein paar Dinge, die ich schon sehr früh wusste: zum einen, dass ich als Sänger auf der Bühne stehen will, und zum anderen, dass ich gerne Songs schreibe. Ich wollte beruflich Musik machen, wie auch immer. Also habe ich erst einmal ganz viele Songs geschrieben und versucht, sie an den Mann zu bringen.

Und wie ging es dann weiter?
Ich hatte das große Glück, dass ich von einem sehr coolen Produzententeam und Kumpels von mir nach Berlin eingeladen wurde. Sie haben mich quasi als Praktikant eingestellt und mich in Sessions integriert. Dadurch durfte ich mit tollen Künstlern arbeiten und habe auch für meinen eigenen Weg als Sänger viel lernen dürfen.

Was ist denn schwieriger: Songs für sich selbst zu schreiben oder für andere?
Für mich selbst zu schreiben empfinde ich als schwieriger, da ich mit meiner eigenen Musik nochmal deutlich kritischer bin.

In Ihrem Comeback-Team der Sendung „The Voice“ war mit Celine Abeling auch eine Bremerin vertreten. War die Hansestadt da Thema?
Ich habe sie auf jeden Fall ausgefragt und hatte auch das Gefühl, dass wir durch die gemeinsame Herkunft eine gewisse Verbindung hatten. Für mich war die Zeit bei „The Voice“ generell sehr wertvoll. Ich konnte viel von den Kandidaten lernen, indem ich erfahren habe, wie und warum sie angefangen haben, Musik zu machen. Da wurden mir ganz neue Perspektiven aufgezeigt.

Sonntag, 22. März, Aladin, 20 Uhr