Start Bremen Bremer Köpfe Tim Fischer will „etwas Frisches präsentieren“

Tim Fischer will „etwas Frisches präsentieren“

Doppelkonzert im Sendesaal

49
Tim Fischer besucht häufig seine alte Heimat und freut sich auf zwei Konzerte im Sendesaal. Foto: Katharina John

1973 in Delmenhorst geboren, zog es Tim Fischer schnell auf die Bühnen der Republik. Geprägt von seiner Großtante wurde er zu einem der wichtigsten Chansonniers des Landes. Im Interview spricht der 45-Jährige über sein aktuelles Programm „Die alten schönen Lieder“, darüber, wie er in die Fernsehserie „Babylon Berlin“ gekommen ist, sowie die Idee, eine Kohlfahrt in Berlin zu veranstalten.

Sie kommen mit „Die alten schönen Lieder“ in den Sendesaal. Ist der Titel sozusagen Programm?
Tim Fischer: Das kann man durchaus so sehen. Nach 15 Jahren haben mein Pianist Thomas Dörschel und ich uns dazu entschlossen, eine Rolle rückwärts zu machen und aus den Liedern, die wir früher gespielt haben, ein neues Programm zusammenzustellen. Es sind im Übrigen sehr viele Lieder dabei, mit denen wir damals in Bremen angefangen haben. Ein sehr buntes Programm.

Also so eine Art „Best-of“ der alten Stücke?
Ja und nein. Wir sind noch einmal komplett in die Materie der Lieder eingetaucht, haben sie neu beleuchtet und die Geschichten noch klarer herauskristallisiert. Natürlich haben wir heute auf einige Themen einen ganz anderen Blick und interpretieren sie entsprechend anders. Das ist ja auch das Reizvolle – wir wollen nicht das Alte aufwärmen, sondern unserem Publikum etwas ganz Frisches präsentieren.

 

Foto: Jim Rakete

Gibt es Stücke, die Sie durch das aktuelle Programm auf besondere Weise wiederentdeckt haben?
Ja, zum Beispiel die „Lieder eines armen Mädchens“ von Friedrich Hollaender, die unheimlich berührend sind. Im Prinzip sind das kleine, alltägliche Geschichten, die wie durch eine Lupe betrachtet hochgezogen werden. Plötzlich stellt man Parallelen zu den existenziellen Themen her, die uns heute noch genauso betreffen wie damals. Es sind Geschichten, die einem direkt ans Herz gehen. Doch geht es hier bei Weitem nicht nur dramatisch zu, sondern auch sehr humorvoll. In diesem Konzert finden die unterschiedlichsten Stimmungen und Farben Platz.

Sie haben auch eine persönliche Beziehung zum Auftrittsort Alter Sendesaal
Das stimmt! An diesem schönen Ort haben wir bereits in den frühen 90er Jahren, gemeinsam mit Peter Schulze, unsere ersten CD-Aufnahmen machen dürfen. Ich bin sehr glücklich, dass der Alte Sendesaal noch heute existiert. Der Raum hat eine fabelhafte Akustik, ein wunderbares 50er-Jahre-Flair und eine sehr intime Atmosphäre. Ich kann mir für meine Bremer Konzerte keinen idealeren Auftrittsort vorstellen. Das scheint mein Publikum auch so zu sehen. Nachdem das erste Konzert am 9. Dezember ruckzuck ausverkauft war geben wir nun an diesem Tag noch eine zweite Vorstellung. Wir wollen die Bremer ja schließlich anständig bedienen!

Sie waren gerade im Serien-Hit „Babylon Berlin“ zu sehen …
Ach, Sie haben mich erkannt? Das ist ja toll! Ich habe mich für diese Rolle ja äußerlich ziemlich stark verändert und mich dann selbst fast nicht wiedererkannt – so mit großem Fächer auf dem Kopf und komplett auf 20er Jahre gestylt (lacht …)

Wie war das Mitwirken an der Serie für Sie?
Für mich ist es absolut traumhaft in „Babylon Berlin“ mitspielen zu dürfen. Wenn man mich fragen würde, in welche Zeit ich gerne zurückgebeamt werden möchte, dann hätte ich immer die 20er Jahre in Berlin gewählt. Durch das Mitwirken in dieser großartigen Serie ist mir das praktisch ermöglicht worden. Da alle Beteiligten dieser Produktion sehr detailgenau arbeiten, fühlt man sich am Set völlig aus der realen Zeit geholt.

Geht es für Sie mit „Babylon Berlin“ weiter?
Ja, ich bin in der dritten Staffel, die gerade gedreht wird, wieder dabei. Mit dem Komponisten und Musiker Oliver Potratz arbeite ich gerade an einem neuen Song, den wir in der Serie zum Besten geben werden. Es macht uns großen Spaß, für „Babylon Berlin“ kreativ zu sein.

Wie sind Sie zur Serie gekommen?
Über eine direkte Anfrage der Produktionsfirma. Die Regisseure Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten haben mich wohl gleich vor ihrem inneren Auge in der Rolle des Ilja Tretschkow gesehen und wollten mich unbedingt haben.

Würden Sie insgesamt gerne mehr schauspielern?
Ja, durchaus. Die Schauspielerei ist ja ohnehin schon eng mit meiner Bühnentätigkeit verknüpft, aber das Spielen im Film ist noch einmal etwas ganz Besonderes und vor allem Spannendes.

Viele Prominente, die aus Bremen oder der Umgebung kommen, wie Sarah Connor, Sven Regener, Ben und Meret Becker oder Claus Peymann, sind nach Berlin gezogen. Gibt es in der Hauptstadt so etwas wie einen Bremer Stammtisch?
Leider nein. Das große Drama der Künstlerclique ist, dass wir uns immer nur auf Plakaten in den jeweiligen Theatern sehen, in denen wir gerade auftreten. Wir kennen uns natürlich alle, sehen uns aber viel zu selten. Vielleicht sollte ich damit anfangen, so etwas wie einen Stammtisch oder eine jährliche Kohlfahrt ins Leben zu rufen …

Kommen Sie denn noch zu Kohlfahrten nach Bremen?
Nicht nur. Ich komme auch regelmäßig in meine alte Heimat, um meine Mutter, meinen Bruder Denis und meine entzückende Nichte zu besuchen. Außerdem lebt hier meine beste Freundin, die die Mutter meiner wunderbaren Patenkinder ist.

Sie haben mit 15 Jahren in Bremen erstmals auf der Bühne gestanden und Chansons gesungen. Wie kommt man als Teenager in den 80er Jahren dazu, Chansons zu singen?
Das hängt mit meiner norwegischen Großtante zusammen. Sie besuchte uns immer zu Weihnachten und sang mir neben diversen Weihnachts- und Küchenliedern auch das Chanson „Lili Marleen“ in vier Sprachen vor. Dieses Lied hat mich so berührt und beeindruckt, dass ich im Alter von neun Jahren beschloss, Chansonnier zu werden.

Wie verbringen Sie in diesem Jahr Weihnachten?
Am liebsten mit der Familie in Bremen.

Sonntag, 9. Dezember, Sendesaal Bremen, 18 und 21 Uhr

Teilen
Vorheriger ArtikelBabylon Bremen?
Nächster ArtikelFrostige Highlights