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Telefonate gegen die Einsamkeit

Bremen hilft: Rainer Auerbach vermittelt Gesprächspartner an Senioren

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Senioren sind von der aktuellen sozial Distanzierung oft besonders hart betroffen. Foto: Pixabay

Das Corona-Virus zwingt das öffentliche Leben aktuell in die Knie und beschert vielen Menschen Existenzängste. Doch es gibt auch Lichtblicke in dieser dunklen Zeit. In unserer neuen Serie „Bremen hilft“ stellen wir regelmäßig Menschen vor, die genau jetzt zu kreativer Höchstform auflaufen und sich für andere engagieren. Zu Ihnen gehört Rainer Auerbach.

„Social Distancing“: So lautet das Schlagwort der aktuellen Corona-Krise und steht zugleich symbolisch für jene Einschnitte im Alltag, die den Menschen wohl am meisten abverlangen. Soziale Kontakte werden auf ein Minimum reduziert, Treffen mit Freunden sind untersagt, ausgelassene familiäre Zusammenkünfte ebenso. So sieht es das bundesweit beschlossene Kontaktverbot vor. Besonders hart trifft das ältere Menschen. Als Risikopatienten sind sie nicht nur dazu angehalten, die eigenen vier Wände nicht zu verlassen. Auch Pflegeheime gestatten aktuell keinen Besuch mehr. Ein Treffen mit den Kindern und Enkelkindern? Ein vertrautes Gesicht in Zeiten der Ungewissheit? Fehlanzeige. An diese Tragik knüpft das Vorhaben von Rainer Auerbach an. Um alleinstehenden und in Einrichtungen lebenden Senioren Trost zu spenden, will er ein Netzwerk etablieren, das ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Sorgen und Gedanken mit jemandem zu teilen. Das Konzept: Telefonate gegen die Einsamkeit.

Rund zehn Freiwillige

Inspiriert wurde Rainer Auerbach von seinem Bruder, der in Süddeutschland gerade versucht, diese Idee in die Tat umzusetzen. „Er und seine Frau sind Künstler und habe aktuell natürlich keine Auftrage“, sagt Auerbach. Daher habe man das Projekt „Generationen verbinden“ ins Leben gerufen. Senioren, die aktuell keinen persönlichen Kontakt zu ihren Liebsten haben oder gar ohne Angehörige sind, sollen sich telefonisch mit zugeteilten Gesprächspartner austauschen können. „Ich fand die Idee super und wollte so etwas auch in Bremen realisieren“, so Auerbach, der Farge lebt. Über seinen Bekanntenkreis und Social Media konnte er schnell Freiwillige rekrutieren, etwa zehn sind es mittlerweile. „Sie sind zwischen 25 und 65 Jahren. Die Altersspanne ist folglich groß“, erzählt er. Darunter seien sowohl Mütter und Hausfrauen, die etwas Gutes tun wollen, als auch Berufstätige, die aktuell im Homeoffice oder in Zeitarbeit sind. „Dadurch, dass die Freiwilligen so unterschiedlich sind, könnten wir die Gesprächspartner gut aufeinander abstimmen“, sagt der Nordbremer.

Vermittlerrolle

Auerbach selbst nimmt im Rahmen des Netzwerkes eine Art Vermittlerrolle ein. Bevor ein Gespräch zustande kommt, plant er eine kurze Kontaktaufnahme mit der interessierten Person. „Es geht vor allem darum, welche Themen die Senioren beschäftigen und was sie sich von dem Gespräch erhoffen“, sagt er. „Im besten Fall entwickelt sich daraus dann ein regelmäßiger Austausch.“

Eine Überzeugung

Rainer Auerbach. Foto: FR

Eine ausgeklügelte Idee, einsatzwillige Helfer – wenn es nach Rainer Auerbach ginge, wären die Telefonate bereits in vollem Gange. Doch aktuell macht ihm eine Hürde zu schaffen, die ihn selbst verdutzt. „Ich hätte es nicht gedacht, aber es ist wirklich schwierig, Senioren zu finden, die mit uns sprechen wollen“, berichtet er. Verschiedene Pflegeheime und Wohneinrichtungen habe er bereits abtelefoniert. Rückmeldungen seien oft versprochen worden, aber letztendlich ausgeblieben. „Man ist dort mit Sicherheit überlastet, das verstehe ich“, sagt Auerbach. Doch er ist überzeugt: Es gibt sie, die älteren Menschen mit Redebedarf und Wunsch nach Austausch. Mittlerweile haben die ersten Senioren bei Rainer Auerbach Interesse bekundet. Es hofft, dass sich in Zukunft noch mehr von ihnen trauen. Interessierte können sich folglich per E-Mail an rainerauerbachbremen@gmail.com bei ihm melden. „Wir sind keine ausgebildeten Psychologen“, macht er klar. „Aber wir können nette Gespräche ermöglichen und uns Sorgen und Ängste anhören.“ Denn davon, da ist sich Rainer Auerbach sicher, gibt es aktuell viele.

Engagieren auch Sie sich in der Corona-Krise oder kennen ein Projekt, das vorgestellt werden sollte? Hinweise nehmen wir gerne per E-Mail an info@stadtmagazin-bremen.de entgegen.