Start Bremen Aktuelles „Die Stelle lebt für die Präventionsarbeit“

„Die Stelle lebt für die Präventionsarbeit“

Die Juristin Sermin Riedel ist Bremens erste Polizei- und Feuerwehrbeauftragte

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Seit 2009 ist Sermin Riedel im Innenressort tätig. Ab 2017 leitete sie das damals neu gegründete Ordnungsamt, bevor sie 2020 die Leitung des Bremer Migrationsamtes übernahm. Foto: eventfotograf-bremen.com

Am 1. März beginnt für Sermin Riedel eine besondere berufliche Aufgabe: Die Juristin wird Bremens erste Beauftragte für Polizei und Feuerwehr. Zunächst von der Innendeputation zur Wahl vorgeschlagen und am 26. Januar formal von der Bürgerschaft bestätigt, hat die 40-Jährige in ihrer fünfjährigen Amtszeit den Auftrag, Ansprechpartnerin für Bürgerinnen und Bürger zu sein, die Probleme mit der Polizei und Feuerwehr haben. Zugleich wird sie als Kontaktperson für die Mitarbeitenden der Feuerwehr Bremen sowie der Ortspolizeibehörde Bremerhaven und der Polizei Bremen fungieren. Wir haben mit Sermin Riedel, die seit 2020 das Migrationsamt leitet, über ihre Vorhaben und Erwartungen an die neue Stelle gesprochen.

Frau Riedel, aktuell leiten Sie noch das Migrationsamt, ab 1. März widmen Sie sich Ihrer neuen Tätigkeit als Beauftragte für Polizei und Feuerwehr. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in dieser beruflichen Übergangsphase aus?
Aktuell versuche ich zeitlich alles unter einen Hut zu kriegen, um beiden Aufgaben gerecht zu werden. Im Migrationsamt haben wir eigentlich immer viel zu tun. Ich bin allerdings in der glücklichen Position, dass meine Nachfolgerin bereits feststeht und ich die vergangenen Wochen nutzen konnte, um die Geschäfte sauber zu übergeben und sie gut zu informieren. Gleichzeitig erreichen mich schon viele Anfragen, die meine zukünftige Stelle betreffen. Mit einigen kann ich mich bereits jetzt befassen, anderen kann ich mich erst widmen, wenn ich Zeit und Raum dafür habe.

Ihre zukünftige Aufgabe als Beauftragte für Polizei und Feuerwehr teilt sich inhaltlich in zwei Bereiche. Mit welchen Anliegen kann man ab März konkret zu Ihnen kommen?
Grundsätzlich umfasst meine Arbeit alles, was die Polizei- und Feuerwehrarbeit betrifft, sowohl in Bezug auf die Bürgerinnen und Bürger, die damit in ihrem Alltag natürlich Berührungspunkte haben, als auch bei den Beschäftigten selbst. Der gesetzliche Auftrag, der meiner Stelle zugrunde liegt, sieht klar vor, Hinweisen nachzugehen, die auf Fehlverhalten oder gar rechtswidriges Verhalten seitens der Polizei und Feuerwehr hindeuten. Das Auftreten der Beamtinnen und Beamten spielt folglich eine große Rolle. Bei den Beschäftigten dieser Institutionen geht es vor allem darum, strukturelle Fehlentwicklungen aufzuspüren oder Konflikte zu thematisieren, von denen sie das Gefühl haben, diese selbst nicht gut zur Sprache bringen zu können.

Welche Handlungsmöglichkeiten haben Sie dabei und wo enden Ihre Zuständigkeiten?
Meine Zuständigkeiten enden immer dort, wo es um disziplinar- oder strafrechtliche Themen geht, also Sanktionsmöglichkeiten, die der Dienststellenleitung und der Justiz vorbehalten sind. Da grenzt sich meine Aufgabe klar von ab. Was ich aber tun kann, ist, dafür zu sorgen, dass Gespräche entstehen, zu vermitteln und gegenseitige Positionen zu erläutern. Ich glaube, solch eine Ombudsstelle ist sehr wertvoll, um Menschen in den Dialog miteinander zu bringen. Darüber hinaus kann ich mir jeden Sachverhalt schildern lassen, ich kann Akten einsehen und darf nach vorheriger Absprache bei der Polizei- und Feuerwehrarbeit dabei sein, um interne Einblicke zu gewinnen. Wenn konkrete Sachverhalte aufgeklärt wurden, kann ich zudem Empfehlungen abgeben, Dinge benennen und Themen an die Öffentlichkeit bringen, die zuvor vielleicht noch nicht im Fokus waren.

Mitunter ist Menschen nicht bewusst, dass gewisse Vorkommnisse und Erfahrungen strafrechtlich relevant sind.
Absolut, viele Erfahrungen sind ja erst einmal mit Gefühlen verbunden. Insofern kann meine Stelle hilfreich dabei sein, um den entsprechenden Sachverhalt einordnen zu lassen und darauf basierend die nächsten Schritte einzuleiten. Dabei wird es auch sehr wichtig sein herauszufinden, was das Anliegen dieser Menschen und das Bedürfnis ist, das hinter der jeweiligen Beschwerde steckt. Während die einen nach Wiedergutmachung streben, wollen die anderen vielleicht einfach wissen, ob ihr mulmiges Gefühl in bestimmten Situationen gerechtfertigt war.

Sie werden also viel auf Dialog setzen. Planen Sie dabei auch Eigeninitiative?
Ja, ich werde keinesfalls passiv sein und darauf warten, dass die Themen zu mir kommen. Ich werde natürlich auch selbst beobachten und dabei mit Sicherheit Themen identifizieren, denen ich mich gezielt widmen möchte.

Inwieweit wird Präventionsarbeit eine Rolle spielen?
Die Stelle lebt für die Präventionsarbeit. Es geht eben darum, entdeckte Missstände so zu nutzen, dass Prozesse und Verfahren optimiert werden können und begangene Fehler zukünftig nicht wiederholt werden.

In einigen Bundesländern gibt es bereits vergleichbare Stellen, in Bremen werden Sie die erste Polizei- und Feuerwehrbeauftragte sein. Erschwert das den Start?
Ich sehe diese Tatsache als Chance an. Für mich ergibt sich daraus die Möglichkeit, die Stelle so auszugestalten, wie sie im Land Bremen gebraucht wird. Wie arbeiten Polizei und Feuerwehr bei uns? Wie empfinden die Bürgerinnen und Bürger diese Arbeit? Diese Fragen lassen sich in jedem Bundesland individuell beantworten. Sich daran letztendlich zu orientieren, empfinde ich als große Chance und sehr spannend.

Das Interview führte Jennifer Fahrenholz