Schluss mit dem Papierkram!

    Arbeitnehmerkammer Bremen: Ingo Kleinhenz über die neue elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

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    Foto: Pixabay
    Ein Druck für den Arbeitgeber, eines für die Krankenkasse sowie ein Exemplar für die persönlichen Unterlagen: Erhalten Arbeitnehmende vom Hausarzt einen gelben Schein, um ihre Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen, lag es bisher in der Eigenverantwortung der Beschäftigten, die Unterlagen an die genannten Akteure weiterzuleiten. Mit der Umstellung auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist damit bald Schluss. Was es damit genau auf sich hat, und welche Rechte und Pflichten Arbeitnehmende generell im Krankheitsfall haben, erklärt Ingo Kleinhenz  von der Arbeitnehmerkammer Bremen.
    Rechtsberater Ingo Kleinhenz
    Foto: Stefan Schmidbauer
    Herr Kleinhenz, wann muss ich meine Arbeitgeber:innen darüber informieren, dass ich nicht zur Arbeit erscheinen kann? 
    Nach der gesetzlichen Vorgabe ist es so, dass Arbeitnehmende ihre Arbeitsunfähigkeit unverzüglich mitteilen muss. Der Ausdruck „unverzüglich“ bedeutet in diesem Fall ohne schuldhaftes Zögern. Wer am Abend zuvor sicher weiß, am Folgetag nicht arbeitsfähig zu sein, ist gut beraten, diese Information direkt mitzuteilen, sofern es die Erreichbarkeit des Arbeitgebers zulässt. Die Mitteilung sollte in jedem Fall vor Dienstbeginn erfolgen.
    Auf welche Weise muss die Krankmeldung erfolgen?
    Gesetzlich gibt es dazu keine Vorgaben. Es kommt dabei eher auf die praktische Handhabung im Betrieb an. Ein Telefonat hat in jedem Fall den Vorteil, dass Arbeitnehmende wissen, dass ihre Mitteilung wirklich angekommen ist.
    Was hat es mit der neuen elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf sich? 
    Seit dem 1. Oktober 2021 besteht die Möglichkeit, dass Arztpraxen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen in digitaler Form erstellen und an die Krankenkassen übermitteln. Der Ausdruck, den Beschäftigte zur Weiterleitung an ihre Krankenkasse erhalten, entfällt dadurch. Ab dem 1. Januar 2022 ist diese Handhabung sogar verpflichtend, man hat also eine Art Übergangszeit eingebaut, damit sich die Arztpraxen entsprechend technisch ausrüsten können.
    Hat der gelbe Schein damit komplett ausgedient?
    Noch nicht ganz. Es gibt eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2022 in der die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber noch in Papierform ausgestellt werden muss. Danach ist es so, dass die Arbeitgeber entsprechende Daten über die Krankenkasse abrufen können. Beschäftigte müssen sich dann nicht mehr darum kümmern, dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung rechtzeitig bei der Krankenkasse sowie beim Arbeitgeber ankommt.
    Warum ist es wichtig, dass Krankenkassen über Arbeitsausfälle informiert werden?
    Es können Fragen auftreten, die für die Krankenkassen wichtig sind, etwa ob eine Folgeerkrankung vorliegt oder ob es sich um eine Ersterkrankung handelt. Nach sechs Wochen Krankheit beziehen Arbeitnehmende zudem Krankengeld, das von der Krankenkasse gezahlt wird. In diesem Fall ist es wichtig, dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen pünktlich eingehen, um die Fortzahlung des Krankengeldes zu gewährleisten. Diesem potenziellen Übermittlungs- und Verspätungsrisiko wird mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgebeugt.
    Wie bewerten Sie die Digitalisierung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus Arbeitnehmersicht?
    Ich sehe das sehr positiv. Es ist nicht nur bürokratischer Aufwand, der für Arbeitnehmende entfällt, sondern auch das zuvor beschriebene Verspätungsrisiko. Für den Genesungsprozess ist es mit Sicherheit ebenfalls von Vorteil, sich nicht mit der Einhaltung von Fristen beschäftigen zu müssen.