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Lockdown, Lockerungen und Likör

Lockdown-Story: Schauspielerin Michaela Schaffrath über ihre Schnapsidee

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Fotos: JF

„Bremer Kaufleute – wer hätte gedacht, dass ich einmal dazugehören würde.“ Nachdenklich blickt Michaela Schaffrath auf den großen Aufsteller in der Mitte des „Made in Bremen“-Stores in der Stadtwaage. Noch ist die kleine Verkaufsfläche, vor der sie steht, leer. Doch das soll sich gleich ändern. Gemeinsam mit „Made in Bremen“-Macher Stevie Schulze reißt sie einen Karton nach dem anderen auf und drapiert den Inhalt auf dem Tisch. Zahlreiche gefüllte Glasflaschen, akkurat aneinandergereiht, ergänzen nun das Sortiment des Geschäfts. Hier und da wird ein Fläschchen einige Zentimeter verrückt, gedreht und neu platziert– alles soll perfekt sein.

Michaela Schaffrath und Stevie Schulze von „Made in Bremen“ bei der hochprozentiger Übergabe.

Michaela Schaffrath ist eine Frau, die anpackt, eine Macherin. Das hat sie nicht nur bei den Renovierungsarbeiten ihres Bremer Stadthauses bewiesen, das sie seit Ende 2019 mit Lebensgefährte Carlos Anthonyo bewohnt. Auch die aktuelle Situation hat die Künstlerin erfinderisch werden lassen und sie auf die Idee gebracht, Bühne und Kamera kurzerhand gegen das Spirituosengeschäft einzutauschen. „Michaelas Vanille-Eierei“ heißt die aktuelle Innovation der Schauspielerin, mit der sie kürzlich an den Markt gegangen ist. Ein Produkt, dessen Entstehung gleich zwei Zufällen geschuldet ist, wie die Wahlbremerin berichtet. „Ein guter Freund stand eines Tages mit 28 Eiern von seinen eigenen Hühnern vor unserer Tür. Lieb gemeint, aber wer kann so viele Eier essen?“, fragt sie lachend. Doch Schaffrath erinnerte sich an eine Entdeckung, die sie etwa zweieinhalb Jahre zuvor bei Entrümplungsarbeiten auf dem Dachboden gemacht hatte: ein kleines Büchlein. Hinter dem unscheinbaren Cover und zwischen handgeschriebenen Seiten fiel ihr ein Zettelchen auf dem Schoß, auf dem die Großmutter ihres Lebensgefährten – von Schaffrath liebevoll Oma Martha genannt – ihr eigenes Eierlikörrezept verewigt hatte. „Das erweckte meine Neugierde“, erzählt sie und beschenkte ihre Freunde und Bekannten zu Weihnachten mit kleinen Kostproben der hochprozentigen Sünde – und das, kam ziemlich gut an.

Nach einem Gespräch darüber mit dem Redaktionsleiter des STADTMAGAZIN entschied sich die Künstlerin daraufhin im Januar dazu, den Likör nicht nur für den Privatgebrauch zuzubereiten, sondern den kommerziellen Schritt zu wagen und den Likör zum Verkauf anzubieten. Ein großes Vorhaben, doch die Stadt und ihr Wesen sollten der Künstlerin in die Karten spielen. „Ich hatte von Spirituosenherstellung und Vertrieb natürlich keine Ahnung“, macht die 50-Jährige klar. „Aber Bremen ist so wunderbar vernetzt und zeichnet sich durch seine kurzen Wege aus.“ So habe sie schnell den Kontakt zu „Made in Bremen“ herstellen und sich die damit verbundene Expertise sichern können. Was folgte, sei ein langer und mühsamer Weg zur geschmacklichen Perfektionierung gewesen, der sich jedoch ausgezahlt habe. Das Ergebnis: „ein wunderbar cremiges und schmelziges Getränk“, so Schaffrath. Zudem habe man sich dazu entschieden, eine auf 150 Stück limitierte STADTMAGAZIN-Edition des Eierlikörs anzubieten, die exklusiv bei „Made in Bremen“ erhältlich ist. Käuferinnen und Käufer erhalten zu der nummerierten Glasflasche mit 500 Milliliter Inhalt noch eine Autogrammkarte der Schauspielerin.

Doch nicht nur der Verkaufsstart ihres Likörs stimmt die Künstlerin glücklich. Auch dem Entstehungsprozess entnimmt sie viel Positives. „Mir hat das Projekt wahnsinnig geholfen, um gegen den Corona-Blues anzukämpfen“, sagt Schaffrath, die als Künstlerin beruflich hart von der Pandemie und ihren Folgen getroffen ist. „Wir sind seit über einem Jahr im Lockdown, es herrscht ein ständiges Auf und Ab an Lockerungen und Verschärfungen“, sagt sie. Auf ihren Schauspielerberuf habe das natürlich große Auswirkungen. „Mir sind zwei Theaterengagements weggebrochen“, erzählt Schaffrath. „Das stimmt mich traurig.“ Zudem gesteht sie: „Ich habe die Corona-Zeit genutzt, um mich und meine Arbeit ausgiebig zu reflektieren und mich vielleicht auch noch mal neu zu erfinden. Die Situation verleitet mich dazu, über Perspektiven und Alternativen nachzudenken.“
Die Frage, ob sie sich in Zukunft mit weiteren Spirituosen am Lebensmittelmarkt +++ positionieren will oder ob es bei der einmaligen Schnapsidee bleibt, beantwortet sie mit einem Lächeln. „Eines ist für mich auf jeden Fall klar: Wenn der Eierlikör weiterhin so gut ankommt, mache ich nächstes Jahr Sülze!“ Ein spontaner Scherz oder ein geschäftliches Vorhaben? Nun, das bleibt wohl abzuwarten.

„Michaelas Vanille-Eierei“ ist online erhältlich unter www.madeinbremen.com und bei Winzerkind in Bremerhaven. Zudem plant Michaela Schaffrath in Kürze einen eigenen Onlineshop.