Start Bremen Saatgut statt Kaugummi und Kondome

Saatgut statt Kaugummi und Kondome

Das „Naturschutz2go“-Projekt des14-Jährigen Bremers Jonte Mai

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Foto: FR

Dem Bremer Jonte Mai liegt das Wohlergehen von Bienen sehr am Herzen. Doch nicht nur das der schwarz-gelb gestreiften Insekten, im Allgemeinen findet der 14-Jährige es wichtig, sich für den Naturschutz und die Umwelt zu engagieren. Mit sieben Jahren kam er das erste Mal so richtig mit Bienen in Berührung und fasste daraufhin den Entschluss, sich für ihren Schutz einzusetzen: Dafür baut er mit seinem Projekt „Naturschutz2go“ Kaugummi- und Kondomautomaten um und verkauft darin Saatgut. Den Erlös spendet er an verschiedene Umweltprojekte. Mittlerweile stehen bereits 20 davon in Bremen und neben vielen Unterstützer:innen hat der Teenager auch schon Preise wie beim „Bundes Umwelt Wettbewerb“ für sein Projekt bekommen. Wie genau er darauf gekommen ist und was sich bis heute schon alles getan hat, erzählt er dem STADTMAGAZIN im Interview.

Warum bist du speziell auf Bienen gekommen?
Als ich sieben Jahre alt war, habe ich in Walle mit meinem großen Bruder beim „Waller Umweltpädagogik Projekt (WUPP)“, einen Workshop zum Imkern gemacht. Das hat mich so fasziniert, dass wir danach gemeinsam mit meinen Vater gesprochen und ihn überredet haben, dass wir uns auch Bienen kaufen.

Wie kam es zur Idee mit den Automaten?
Das war 2019 auf einem Flohmarkt in Berlin. Da habe ich einen alten Kaugummiautomaten gesehen und mir gedacht, dass man den gut umfunktionieren könnte. Davor hatte ich ja schon eine Weile mit Bienen zu tun und irgendwann habe ich rausgefunden, dass es den Wildbienen viel schlechter geht als den Honigbienen, die ich auf dem Dach habe. Also wollte ich denen auch helfen. Seitdem habe ich immer nach einer Möglichkeit dafür gesucht und sie dann auf dem Flohmarkt gefunden. Den Automaten haben wir damals nicht gekauft, aber so ist die Idee entstanden.

Woher bekommst du die Samen und Utensilien?
Die Kaugummiautomaten kaufe ich auf Ebay und das Saatgut bekomme ich manchmal gesponsert, sonst kaufe ich das von einem Bio-Saatguthändler aus Holland und die Kapseln kaufe ich auch auf Ebay.

Hast du einen Überblick, wie viele Automaten du schon gebaut hast?
Ich habe ja auch eine Bauanleitung erstellt, deswegen sind insgesamt circa 30 bis 40 Stück entstanden. Davon habe ich 20 Stück gebaut. Ich rede aber nicht nur von den Kaugummiautomaten, dazu gehören auch die „Samenspender“.

Wie kamst du zu den „Samenspendern?“
Ich hatte immer ein bisschen das Problem, dass ich in die Automaten nur eine Sache tun kann, anstatt verschiedene. Als ich mal wieder auf Ebay nach Kaugummiautomaten geguckt habe, ist auch der Kondomautomat in der Suche aufgetaucht und da habe ich mir gedacht ‚das ist doch eigentlich ganz cool, den kann ich doch auch umbauen.‘ Den habe ich dann Samenspender genannt.

Und wie finanzierst du das alles?
Am Anfang hat mein Vater die meisten Kosten übernommen und jetzt bekomme ich manchmal was gesponsert.

Wie gut lässt sich dein Engagement für den Naturschutz mit der Schule vereinbaren?
Es ist schon stressiger als andere Hobbys, aber man muss seine Zeit einfach gut einteilen. Also wenn man an etwas sitzt, dann darf man sich nicht ablenken lassen und muss erst diese eine Sache fertigmachen, sonst kommt man nicht weiter.

Was war bis jetzt dein schönstes Erlebnis auf der Bienenrettungsreise?
Es gibt so viele schöne Erlebnisse. Mit das Beste an meinem Projekt ist, dass ich so viele tolle neue Leute kennengelernt habe. Das ist etwas, das mich mit am glücklichsten macht.

Wen hast du dabei kennengelernt?
Es sind oft die kleinen Begegnungen, wenn man an seinem Automaten steht, sich jemand etwas daraus zieht und man sich dann ein bisschen unterhält. Oder auch auf Preisverleihungen, wo man Gleichgesinnte trifft, mit denen man sich unterhalten kann. Das ist immer cool.

Welche Menschen unterstützen dich denn bei deinem Projekt?
Vor allem Velo Lab, das ist ein Fahrradhersteller. Die haben mir total geholfen, weil sie meine Automaten pulverbeschichtet haben, damit die Beschichtungen lange halten. Das hätte ich alleine nicht machen können. Dann gibt es noch Sir Fruit Loobs (Justus von Karger), das ist ein Künstler aus Kiel, der hat mir die ganzen Grafiken entworfen. Damit hat er mir sehr geholfen.

Wenn du einen Wunsch für die Zukunft der Automaten frei hättest, was wäre das?
Dass sie in jedem Stadtbild von Deutschland fest mit verankert sind. Erst mal ist es jetzt aber mein Ziel, das Projekt europaweit auszubauen, da bin ich gerade schon dran. Bald kommt sehr wahrscheinlich ein Automat nach Frankreich.

Wie kommt es dazu?
Ich habe Geld für Automaten ins Ahrtal gespendet, nachdem die Flut dort war. Dafür habe ich mit einer Frau zusammengearbeitet und so sind ganz viele Automaten dort entstanden. In der Stadt Remagen sind so in jedem Stadtteil Automaten aufgestellt worden. Die haben jetzt noch einen übrig und den wollen sie gerne ihrer Partnerstadt Maisons-Laffitte, einer Gemeinde bei Paris, schenken.

Diesen Monat geht es für dich mit „Naturschutz2go“ auf die „Breminale“ zur Kinderwiese. Bietest du so etwas öfter für andere Kinder an?
Ja, da freue ich mich schon drauf und es ist nicht das erste Mal. Ich habe ja schon die Bauanleitung als Video gedreht und zum Beispiel beim „Grünen Samstag“ beim Theater Bremen einen Workshop gegeben. So was mache ich öfter.

Wen willst du mit deinem Projekt am liebsten erreichen?
Ich möchte es natürlich der jungen Generation zeigen und ganz viele Menschen dafür sensibilisieren und motivieren, auch etwas zu tun. Dass man sieht, wenn man diesen einen Quadratmeter gepflanzt hat, wie schön es eigentlich ist, wenn man sich die Natur selbst in den Garten holt. Und dass man dann nicht nur Blühwiesen schafft, sondern vielleicht auch mal Totholz liegen lässt oder ein Sandarium (Anm. d. Red. : Nisthilfe für Insekten aus ungewaschenem Sand) für die Bienen anlegt.

Würdest du mit deinem Projekt auch gern in Schulen gehen?
Ja, das ist zum Teil Ziel meiner Workshops, zum Beispiel jetzt auch auf der „Breminale“: Es ist toll, wenn die Kinder danach mit meinen Flyern zu ihren Lehrern gehen und fragen, ob sie mit mir einen Workshop machen oder mit der Bauanleitung selbst einen Automaten bauen können. Es ist etwas ganz anderes, den selbst zu bauen anstatt jeder Person nur eine Tüte Saatgut mitzugeben. Dann denken die Schüler auch mehr darüber nach und haben eine richtige Bindung dazu.

Dein erstes Ziel war es, die Größe eines Fußballfeldes mit Saatgut zu bedecken. Wie weit bist du gekommen?
Genau, das war letztes Jahr mein Ziel und bis zum November hatte ich das geschafft. Dieses Jahr möchte ich es auf insgesamt 65 Automaten schaffen.

Mehr Infos unter: www.naturschutz2go.de