„Rollo ist ein Teil der Bremer Kultur“

    Über die Geschichte des bekanntesten Kultimbisses der Hansestadt: „Tandour“ im Bremer Viertel

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    Geschäftsführer Muru, kurz für Murugathas Karalasingam, hat den Imbiss „Tandour“ 1999 von Hosain Saravi übernommen. Fotos: ZR

    Saftiges Gyrosfleisch, Tomaten, Zwiebeln und knackiger Salat zusammen mit einer cremigen Hummussoße eingerollt in luftiges Lavash-Brot. Diese Kombi kennen wohl alle Bremer:innen. Die Rede ist von einem der beliebtesten Imbissgerichte der Hansestadt – dem Rollo. Unter anderem alle, die abends durch die Bars im Viertel getourt sind, landen bei einem der zahlreichen Rolloläden der Stadt. Einer der bekanntesten: Tandour am Siewalleck. Dort wurde die kulinarische Spezialität laut eigenen Angaben 1980 auch erfunden. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, doch wenn es um ein gutes Rollo in Bremen geht, sind sich die meisten einig: Den gibt es bei Tandour. Doch welche Geschichte steckt hinter dem beliebten Imbiss?

    1980 kaufte Hosain Saravi ein Haus am Sielwall, um dort seinen Imbiss Tandour zu eröffnen, zurvor war dort eine Kneipe. Mit dem Verkauf von einzelnen Pizzastücken mit Gyrosfleisch beginnend, überlegte Saravi, mit welchem Gericht er sich von anderen Geschäften abheben könnte. Nebenan wurde Pita verkauft, also kam das nicht infrage. Aus seiner Heimat kannte der iranischstämmige Gastronom Kombinationen aus würzigem Fleisch und Brot. So fing er an, mit selbst gemachten Soßen herumzuexperimentieren und diese mit eigens gebackenem Brot und Gyrosfleisch einzurollen. Vom Ergebnis gab er seiner Kundschaft und Mitarbeitenden verschiedene Variationen zum Probieren. Eine Mischung ging daraus als klarer Favorit hervor: Der „Arabic-Rollo“ war geboren und landete als erster Rollo bei Tandour auf der Karte. Dieser Spezialität des Hauses folgten mit der Zeit weitere Kombinationen wie „Kikiriki“ mit Geflügelfleisch und einer Currysauce sowie „Dul-Kebab“ mit Lamm- und Rinderhack und einer Wein-Mast-Soße.Damit ganz Bremen von seinen Kreationen erfahren würde, machte Saravi viel Werbung mit Flyern, Anzeigen in den Zeitungen und er schaltete Werbespots bei Radio Bremen. Es sollte schließlich ein voller Erfolg werden. Diese Strategie zahlte sich aus, denn nach und nach kamen immer mehr Bremer:innen vorbei, um bei Tandour einen der berühmten Rollos zu probieren.

    1993 fing der damals 17-jährige Murugathas Karalasingam bei Hosain Saravi an und machte seinen Job im Laden so gut, dass dieser ihn eines Tages fragte, ob er künftig die Geschäftsführung übernehmen wolle. „Ich dachte erst, die Frage stellt er zum Spaß und habe nicht viel dazu gesagt “, erinnert sich Murugathas Karalasingam, der heute von allen Stammgästen Muru genannt wird. Damals war es ihm vor allem wichtig, einen festen Job zu finden: Er kam gerade aus seiner Heimat, dem vom Bürgerkrieg betroffenen Sri Lanka, nach Bremen und wollte erst einmal Fuß fassen. Doch Saravi meinte es ernst mit seinem Angebot und so übernahm Muru 1999 den Imbissladen. Die Freude war groß: Damals konnte er es kaum fassen, so wurde er zum ersten Geschäftsmann in seiner Familie. Bis heute ist er Saravi sehr dankbar für alles was dieser ihm beigebracht hat und sieht ihn als eine Art Vaterfigur. Sie stehen immer noch in Kontakt und haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Der heute 48-jährige Karalasingam brachte ebenfalls neue Sorten auf die Karte, dazu gehören „Cylon“, „Mexican“ und „Tandouri Chicken“. „Mittlerweile laufen alle Gerichte gut“, erzählt er. Doch das Origininal „Arabic“ sei immer noch am beliebtesten.

    Seine persönliche Lieblingskombination ist der „Kikiriki“-Rollo, allerdings mit Gyrosfleisch statt Geflügel. Noch heute sind die Zutaten aller Soßen streng geheim. Der Geschäftsführer erklärt, dass er speziell für die Zubereitung eine Person seines Vertrauens ausgesucht habe: Diese mache die Soßen ganz allein und ist neben Karalasingam und Saravi der einzige Mensch, der die Zusammensetzung kennt. Auch die Qualität des Fleisches spielt eine wichtige Rolle. „Gyros ist im Gegensatz zu Dönerspießen schön saftig und das in der Pfanne gebratene Geflügelfilet besonders fettarm“, erklärt Karalasingam. Zweimal am Tag gibt es frisches Fleisch bei Tandour.

    Die beste Zeit für einen Besuch sei mittags oder gegen frühen Abend, rät Muru. Allerdings sei die Kundschaft zu jeder Tageszeit zufrieden, 80 bis 90 % kommen wieder. Zu den Bremer:innen kommen viele Tourist:innen, aber auch Menschen, die früher mal in der Stadt an der Weser gelebt haben und beim Besuch feststellen, dass es noch genauso schmeckt wie damals. Oft werde er gefragt, ob er in anderen Städten wie Berlin oder Hamburg einen weiteren Laden eröffnen wolle, doch dies verneint der Geschäftsführer jedes Mal. „Ich habe hier dreizehn Mitarbeiter in Vollzeit, das reicht mir“, sagt er und lächelt. Solange es in Bremen weiterhin gut laufe, sei er zufrieden. Er fügt noch hinzu: „Rollo ist ein Teil der Bremer Kultur.“

    Ein Beitrag von Zoé Rugen.

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