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„Menschen brauchen Wissen über Medien“

Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, im Interview mit dem STADTMAGAZIN

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Cornelia Holsten ist seit 2009 die Direktorin der Bremer Landesmedienanstalt. Foto: Marco Meister

Bewusst konsumieren und sich nicht davon bestimmen lassen: Dies ist der Umgang mit Medieninhalten, für den sich Cornelia Holsten einsetzt. Seit 2009 sitzt die gebürtige Bremerin als Direktorin an der Spitze der Bremischen Landesmedienanstalt (Brema). Eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die sich der Aufsicht und Regulierung privater Programminhalte verschrieben hat. Im Gespräch mit dem STADTMAGAZIN Bremen, spricht Cornelia Holsten über den Wandel der Medienlandschaft, ihre alltäglichen Aufgaben und verrät, was es mit der Medienkompetenz eines Menschen auf sich hat.

 

Foto: Marco Meister

Frau Holsten, was sind Ihre Aufgaben als Direktorin der Bremer Landesmedienanstalt?
Cornelia Holsten: Tatsächlich fällt fast alles, was mit privaten Medien zu tun hat, in meinen Aufgabenbereich. Medienanstalten sind erfunden worden, um eine Aufsicht über den privaten Rundfunk zu gewährleisten. Hörfunk- und TV-Sender brauchen eine Zulassung, bevor sie an den Start gehen können, und müssen anschließend beaufsichtigt werden. Werbekennzeichnung ist hier unter anderem ein großes Stichwort. Ich habe immer das Gefühl, als ich vor zehn Jahren anfing, wurde es erst richtig spannend in diesem Bereich. Es wurde klar: Menschen brauchen Wissen über Medien, um sie richtig nutzen zu können. Mein Antrieb besteht darin, dazu beizutragen, dass wir etwas mit den Medien machen und nicht umgekehrt.

Wie meinen Sie das?
Medien haben eine unheimliche Macht. Sie prägen die Gesellschaft stark, indem sie auf die Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit einwirken. Sie erzeugen Wissen und natürlich auch Emotionen. Umso wichtiger ist ein geschulter Umgang mit ihnen. Das zeigt zum Beispiel das Influencer-Marketing und die damit verbundene Werbekennzeichnungspflicht. Viele Fälle, in denen Influencer dagegen verstoßen, sind auf Unbedachtheit und Unwissenheit zurückzuführen.

Die Medienlandschaft ist massiv im Wandel. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Arbeit der Brema aus?
Die Medienlandschaft bringt immer wieder neue Trends hervor. Entsprechend gehört es auch zu meinen Aufgaben, ihnen erstmal wertfrei auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was der Reiz an ihnen ist. Dazu gehören Sprachassistenten genauso wie zum Beispiel Podcasts. Generell kann man sagen, dass unsere Arbeit durch den Wandel umfangreicher geworden ist. Zum Beispiel sind Streaming-Dienste für uns mittlerweile ein Thema. In keinem anderen Bundesland nutzen die Menschen so intensiv Angebote wie Amazon Prime und Netflix.

Das Kernanliegen der Landesmedienanstalt ist die Förderung der Medienkompetenz. Was genau kann man sich darunter vorstellen?
Ich mag den Begriff ehrlich gesagt nicht so besonders, weil er überstrapaziert wurde. Medienkompetenz bedeutet, dass ich reflektiert Medien nutze und mich bewusst entscheide, welche Inhalte ich gut oder schlecht finde. Ein wichtiger Teilbereich ist zum Beispiel die Werbekompetenz. Wir klären zum Beispiel Schüler darüber auf, wie sie Werbeinhalte in sozialen Netzwerken erkennen. Medienkompetenz bedeutet aber auch, Kleinkindern im Kindergarten beizubringen, gut zuzuhören. Schließlich ist Hören einer der ersten Aufnahmewege für Medien.

Fernsehen oder Internet: Welches Format ist für die Landesmedienanstalt arbeitsintensiver und weist erfahrungsgemäß die größeren Lücken auf?
Das ist schwierig zu benennen, da wir so viel Dynamik in den Themen haben. Allerdings würde ich schon sagen, dass sich in den letzten Jahren der Schwerpunkt in Richtung Rechtsdurchsetzung im Netz verlagert hat. Im Fernsehen scheinen die Regeln weitgehend klar und etabliert. Im Internet dagegen müssen wir oftmals fast schon detektivisch vorgehen, um herauszufinden, wer für einen rechtswidrigen Inhalt verantwortlich ist oder wer hinter einem Online-Angebot steckt.

Ein wichtiges Regelwerk für private TV- und Rundfunksender sind die sogenannten Programmgrundsätze. Gibt es Verstöße, die besonders häufig vorkommen?
Meist handelt es sich um Situationen, in denen Videos oder Fotos von einem Tatort gesendet werden, ohne die betroffenen Personen zu verpixeln. Der Verstoß, dem wir zuletzt nachgegangen sind, war genau ein solcher Fall. Das Opfer eines tödlichen Unfalls wurde mit Gesicht gezeigt. Oft geht es bei den Verstößen gegen Programmgrundsätze darum, dass die Menschenwürde schlichtweg nicht geachtet wird.

Die Brema ist nur eine von 14 Landesmedienanstalten deutschlandweit. Was zeichnet sie im bundesweiten Vergleich aus?
Da ich aktuell die Vorsitzende aller Landesmedienanstalten bin, ist Bremen nicht nur die kleinste Anstalt, sondern auch die mit der lautesten Stimme. Abgesehen davon sind wir oft diejenigen, die aufgrund ihrer Wendigkeit besonders schnell auf neue Trends reagieren können. Speziell in Bremen empfehlen wir allen, sich noch stärker damit auseinanderzusetzen, wie man im Zeitalter von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung die Weichen für die Zukunft stellt. Viele Menschen glauben nach wie vor, dass die Digitalisierung kein Phänomen ist, das sie aktuell betrifft.

Das Interview führte Jennifer Fahrenholz.