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„Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet“

Bremer Köpfe: Schauspielerin Martina Flügge bringt als Autorin ihr zweites Werk auf die Bühne

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Schauspielerin und Autorin Martina Flügge mit Hund Jolle.

Eigentlich war bereits in frühen Kindheitstagen klar, dass Martina Flügge Schauspielerin wird. Das Theater hatte sie schon in Jugendtagen infiziert – zumal ihre Mutter damals am Bremer Theater tanzte und es somit schon sehr früh viele Berührungspunkte gab. Heute zählt die mittlerweile 51-Jährige zu den bekanntesten Darstellerinnen der Stadt – und das, obwohl der Weg dorthin einige Umwege bereithielt. Im November feiert mit ­„Triebe, Tratsch und Trockenhaube“ ihr zweites, selbst geschriebenes Stück im Packhaustheater Premiere. In der Hauptrolle: Martina Flügge.

In Bremen geboren und im Viertel aufgewachsen, hat sich Martina Flügge eigentlich alles immer selbst beigebracht. Im Alter von zehn Jahren sprach sie bereits Hörspiele bei Radio Bremen ein und war unter anderem in „Die Kinder des Regenbogens“ und „Neues aus Uhlenbusch“ zu hören. Später trat sie dem Jugendclub des Bremer Theaters bei und engagierte sich beim Jungen Theater Bremen. Ihr erster „großer“ Auftritt und somit der Start ihrer Theaterkarriere fand im Packhaustheater statt. Allerdings unter komplett anderen Bedingungen als heute. Als Ensemblemitglied des „Jungen Theaters“, welches sich auf der Suche nach Eigenständigkeit gerade vom Bremer Theater losgelöst hatte, spielte sie die Rolle der Marjorie im Drama „Extremities“. Es folgten viele Stücke mit dem Jungen Theater, unter anderem die Hauptrolle im Erfolgsmusical „Groupie“. Bisher nur als Autodidaktin unterwegs, entschied sie sich für eine professionelle Ausbildung und bewarb sich an diversen Schauspielschulen. Kurz bevor sie beginnen konnte wurde sie schwanger und bekam ihr erstes Kind.

Im Anschluss nahm ihre Schauspielkarriere dann eine entscheidende Wendung. Sie fand eher zufällig den Weg zum Boulevard-Theater. „Damit hätte ich vorher im Leben nicht gerechnet“, so die dreifache Mutter. „Ich wollte zwar ein Boulevard-Stück spielen, aber dabei sollte es eigentlich bleiben.“ Dennoch kommt es anders. Im Herbst 2003 suchte ihr ehemaliger Kollege vom Jungen Theater, Ralf Knapp (leitet heute das Bremer Kriminal Theater) die Besetzung für seine Inszenierung von „Typisch Mann“ auf dem Theaterschiff. „Er schlug mich dem Intendanten Knut Schakinnis vor und lud mich ein, einfach mal vorbeizukommen und ein bisschen an der Figur, die ich spielen sollte, zu arbeiten.“

„Das Vorsprechen war nach nicht einmal drei Minuten vorbei.
Eine Katastrophe.“

Was folgte, war ein legendäres Vorsprechen. „Von einem Vorsprechen im eigentlichen Sinn war aber nie die Rede gewesen. Also kam ich völlig unvorbereitet zum Theaterschiff und stand da mit mit zwei Mänteln, Schal und Mütze komplett vermummt. Knut Schakinnis fragte mich, was ich denn vorbereitet hätte. Das Vorsprechen war nach nicht einmal drei Minuten vorbei. Eine Katastrophe. “ Doch irgendwie schien eine gewisse Sympathie vorhanden. Schakinnis gewährte Flügge eine zweite Chance, man einigte sich, es noch einmal etwas später zu versuchen. Und als sie später die Rolle einer osteuropäischen Putzfrau interpretieren sollte, passte es sofort. Theaterleiter Schakinnis sagt heute: „Martina ist eine der angenehmsten Kolleginnen, mit denen ich je gearbeitet habe”. Das hatte er sich beim ersten Treffen wohl kaum so vorgetellt. „Typisch Mann“ wurde übrigens ein Riesenerfolg und bringt es bis heute auf 576 Vorstellungen!

Seit 14 Jahren spielt Flügge unermüdlich, pendelt zwischen Theaterschiff und Packhaustheater und bringt die Menschen mit ihrer natürlichen Art zum Lachen. Dabei ist sie zu einem Gesicht des Bremer Boulevard Theaters geworden. „Natürlich hatte ich früher andere Pläne“, so die Schauspielerin. „Gerade in jungen Jahren unterschätzt man, wie schwer es ist, die Leute zum Lachen zu bringen. Boulevard ist eine ganz eigene Form des Theaters.“ Dennoch spielt sie gern auch in einem klassischen Stück wie „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ (im Bremer Kriminal Theater) die Hauptrolle. Mittlerweile führt die 51-Jährige auch Regie („Ziemlich beste Freunde“) und schreibt sogar eigene Theaterstücke – mit durchschlagenden Erfolg.

„Ich hatte vor einigen Jahren mal die Idee für ein Theaterstück. Jahre später erzählte ich es Knut Schakinnis und er rief mich eine Woche später mit den Worten an: ,Schreibe ein Stück, das in einem Friseursalon spielt, für vier Personen‘.“ Anfangs noch unsicher ob der Qualität, schickt sie die ersten zehn Seiten zum Intendanten. „Überraschenderweise fand Knut es gut. Kurze Zeit später setzt er die Premiere dafür in den Spielplan, „also musste ich es auch zu Ende schreiben“. „Liebe, Lust und Lockenwickler“ wurde im Dezember 2016 uraufgeführt und ein Riesenerfolg. Das Stück wird mittlerweile auch an anderen Theatern gespielt. Angesehen hat sie es sich dort aber noch nicht. „Das möchte ich auch nicht. Bei jeder Inszenierung wird das Stück anders. Man muss loslassen können.“

In „Triebe, Tratsch & Lockenwinkler“ präsentiert sich Martina Flügge (links) mit Lockenwickler und Fön.

Jetzt hat sie ein zweites Stück geschrieben: „Triebe, Tratsch & Trockenhaube“ ist die Fortsetzung ihres ersten Werkes. Es spielt erneut in einem Friseursalon. Nach einer rauschenden Partynacht erwachen der schwule Friseur Pierre, seine beste Freundin und Kollegin Jacqueline und ihre grantelige Stammkundin Molly im Friseursalon erwachen. Als ein männliches Model den Laden betritt, beginnt bei den drei Singles der Kampf um den attraktiven Herren. „Es ist noch einmal etwas ganz anderes, wenn das eigene Stück auf die Bühne kommt“, sagt Flügge mit Blick auf die Uraufführung am 22. November im Packhaustheater. Sie sei ganz schön aufgeregt, obwohl sie dazu eigentlich gar keine Zeit habe, da die Proben anstehen. Vonseiten des Packhauses ist man sich unterdessen sicher, dass auch das zweite Stück ein Erfolg wird. „Der Vorverkauf läuft wie geschnitten Brot“, sagt Pressesprecher Eggert Peters und fügt an: „In den mehr als 20 Produktionen, in denen sie bei uns auf der Bühne stand, hat Martina sich eine große Fanschar erspielt.“
Gibt es eine Rolle, die sie gerne noch spielen würde? „Ganz viele, aber keine bestimmte. Sie sollte nur meinem Alter entsprechen“, sagt Martina Flügge mit einem Lächeln. Auto­didaktin ist sie im Übrigen bis heute geblieben – auf der Bühne, beim Inszenieren und als Autorin. Und im Viertel wohnt sie auch immer noch.

„Triebe, Tratsch & Trockenhaube“, Uraufführung am Donnerstag, 22. November, Packhaustheater, 20 Uhr

Wir verlosen 2 x 2 Eintrittskarten für die Vorstellung am 5. Dezember. Schicken Sie uns bis zum 20. November eine E-Mail mit dem Betreff „Tratsch“ sowie Ihren Kontaktdaten an verlosung@stadtmagazin-bremen.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.