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„Marc, du bist dafür geboren!“

„One Vision of Queen“: Sänger Marc Martel im Interview

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Die Youtube-Videos von Marc Martel weisen mitunter Klicks im zweistelligen Millionenbereich auf. Foto: fr

„Sie klingen ja genau wie Freddie Mercury“: Wenn es einen Vergleich gibt, den Sänger Marc Martel in seinem Leben schon oft zu Ohren bekommen hat, dann ist es wohl dieser. In der internationalen Öffentlichkeit oft als „stimmliche Reinkarnation“ des verstorbenen Künstlers betitelt, bewarb sich Martel im Jahr 2011 mit seiner Version von „Sonebody to Love“ für die von Brian May und Roger Taylor konzipierte Show „Queen Extravaganza“.  Ein Cover, das bei YouTube mittlerweile über 30 Millionen Mal geklickt wurde. Nach zahlreichen Arrangements und eigenen Projekten, die sich dem vielfältigen Queen-Universum widmen, geht Marc Martel 2020 mit dem Format „One Vision of Queen“ auf Tournee. Das STADTMAGAZIN traf den Musiker vor Tourauftakt persönlich zum Gespräch.

Herr Martel, Sie werden immer wieder als „stimmliche Reinkarnation“ Freddie Mercurys bezeichnet. Es gibt Schlechteres, oder?

Foto: JF

Das stimmt (lacht). Spaß bei Seite, es ist natürlich eine riesengroße Ehre für mich. Allerdings dachte ich bis zu einem gewissen Punkt in meinem Leben nie, dass es eine Rolle spielen würde. Das änderte sich, als ich anfing mit meiner Band Downhere professionell Musik zu machen. Wir hatten eine gute Zeit zusammen und haben einige Alben veröffentlicht. Egal was ich sang, ich wurde immer darauf angesprochen, dass ich wie Freddie klingen würde. Selbst wenn ich versuchte, nicht so zu klingen – es änderte nichts.

Störte Sie das?

Nein, ich fand es lustig und faszinierend. Auch heute noch ist es für mich jedes Mal ein Kompliment wenn ich auf meine stimmliche Nähe zu Freddie Mercury angesprochen werde. Natürlich gibt es auch Leute, die das anmerken und nicht wohlwollend meinen. Das spielt sich dann allerdings nur online ab.

Wie und wann haben Sie diese stimmliche Nähe das erste Mal wahrgenommen?

Mir wurde es gesagt, ich selbst habe ich bis dahin nie registriert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich nicht mit der Musik von Queen aufgewachsen bin. Das erste Mal habe ich einen Queen-Song glaube ich im Alter von 14 oder 15 Jahren gehört. Nach den ersten Auftritten mit Downhere wurde ich dann eigentlich ständig drauf angesprochen. Ich wünschte, ich wüsste wer der Erste war, der es mir gesagt hat.

2011 bewarben Sie sich für „Queen Extravaganza“, ein Format der Originalbandmitglieder Brian May und Roger Taylor. Stimmt es, dass Sie zunächst Zweifel hatten?

Ja, ich war damals verunsichert ob ich mich wirklich bewerben soll. Das hatte mehrere Gründe. Mit Downhere hatten wir kurz zuvor unser letztes Studioalbum veröffentlich, von dem wir noch nicht wussten, dass es unser Letztes sein würde. Obwohl ich der Meinung war, die besten Songs meines Lebens geschrieben zu haben, kam das Album nicht so gut an wie erwartet. Das war natürlich enttäuschend und stellte uns vor die Frage, ob und wie lange wir das Ganze noch weiterführen wollen. Zudem hatten viele Bandmitglieder mittlerweile auch Familie, der sie sich widmen wollten. Ich fragte meinen also Manager, was er von der Idee hielt, mich für die Tribute Show zu bewerben. Er fand es gut und riet mir, es einfach zu versuchen.  Letztendlich hat es ja auch geklappt.

Also waren Sie sich nach dem Zuspruch Ihres Managers sicher?

Nein, selbst danach hatte ich noch Skrupel. Die Vorstellung, die Songs eines anderen zu singen, war für mich seltsam, da ich ja Singer-Songwriter bin. Ich erinnere noch, wie ich am Klavier saß, kurz nachdem ich mein Bewerbungsvideo aufgenommen hatte. Ich sagte meiner Frau, dass ich nicht wusste, ob ich es wirklich abschicken soll. Sie sah mich an und sagte: „Marc, du bist dafür geboren! Worauf wartest du?“ Daraufhin verschickte ich das Video und es veränderte mein Leben.

Was ist die positivste Veränderung, die sich seitdem vollzogen hat?

Ganz klar: Jedes Mal wenn ich beim Karaoke einen Queen-Song singe, gibt mir jemand Bier aus (lacht).

Hat es auch Nachteile stets mit Freddie Mercury verglichen zu werden? Ist es für Sie beispielsweise schwieriger Queen-unabhängige Projekte zu verfolgen?

Man muss bedenken, dass ich so gesehen zwei verschiedenen Gruppen von Publikum habe. Ich interpretiere unter anderem auch bekannte Weihnachtssongs. Die Leute, die sich für diese Musik von mir begeistern, interessieren sich nicht auch automatisch für meine Queen Projekte. Es gibt auch noch viele Fans meiner alten Band, die mich immer wieder fragen, ob und wann ich mich neuer Musik widme. Aber klar, es kann schwierig sein sich selbst von dem ständigen Freddie-Vergleich zu distanzieren. Ich denke jedoch, die beste Art damit umzugehen, ist, es einfach hinzunehmen und das Positive daraus zu ziehen.

Wird es denn in Zukunft neue Songs geben?

Ja, ich kann es gar nicht abwarten und habe große Lust wieder neue Songs aufzunehmen. Es ist einfach zu lange her, dass ich meine Singer-Songwriter-Seele ausleben konnte. Aktuell bin ich voll eingespannt in die Show „One Vision of Queen“. Ich hoffe aber, dass ich nächstes Jahr Zeit dafür finden werde.

Apropos Songs: Was ist ihr Lieblingslied von Queen?

Das  ist abhängig von meiner Stimmung. Am meisten verbinde ich mit Queen jedoch die großen Balladen. Ich liebe nach wie vor „Love of My Live“ und „Under Pressure“. Aber auch „Who Wants to Live Forever“ ist großartig.

Und welche der Songs sind am schwierigsten zu singen?

„Who Wants to Live Forever“ ist tatsächlich sehr herausfordernd und „The Show Must Go On“. Letzteres vor allem, weil Freddie nicht nur singt, sondern auch wirklich schreit (lacht). Das ist am Anfang einer Show schon nicht ganz einfach und erst recht nicht, wenn man schon 20 Songs gesungen hat.

Seit Freddie Mercurys Tod sind zahlreiche Tribute Shows und Coverbands ins Leben gerufen wurden. Was macht „One Vison of Queen“ besonders?

Ich glaube, viele Leute denken bei dem Begriff Tribute Band ein Künstler, die versuchen eine Ikone nachzuahmen und sich auch so kleiden. Wir machen das nicht. In „One Vision of Queen“ werde ich mich nicht als Freddie Mercury verkleiden oder so tun, als wäre ich er. Das war zum Beispiel auch ein wichtiges Kriterium für mich ernsthaft in Betracht zu ziehen, bei „Queen Extravaganza“ mitzumachen. Ich möchte auf der Bühne ich selbst sein, das ist mir sehr wichtig.

Mit dem Film „Bohemian Rhapsody“ wurde die musikalische und persönliche Biografie Freddie Mercurys 2018 dem Kinopublikum zugänglich gemacht. Auch Sie haben mitgewirkt.

Ja, das stimmt. Die Gesangsstimme Freddies, die man im Film hört, ist ein Mix aus originalen Queen-Aufnahmen, Rami Malek und mir.

Wie war es, als Sie den Film das erste Mal gesehen haben?

Ich hatte große Schwierigkeiten mich einfach zurückzulehnen und den Film zu genießen. Ich hatte zuvor einige Songs eingesungen, wusste bis zur Veröffentlichung jedoch nicht, welche Aufnahmen von mir wirklich verwendet werden würden. Also schaute mich mein Manager bei jeder Gesangsszene völlig aufgeregt an und wollte, dass ich ihm ein „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ zeige. Das war vielleicht schräg  (lachte). Aber es war eine große Ehre für mich, bei diesem Film mitwirken zu dürfen.

Mittwoch, 8. Januar, Halle 7, 20 Uhr

Marc Martel singt Queen

Freddie, bist du es? 😮Mit "One Vision of Queen" bringt Sänger Marc Martel ausgewählte Songs der Ausnahmeband auf die Bühne. Wir trafen den Künstler vor seinem Konzert in der Halle 7 zum Gespräch. Das Interview findet ihr unter www.stadtmagazin-bremen.de.

Gepostet von Stadtmagazin Bremen am Montag, 11. November 2019