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„Ich hätte mir keinen besseren Tanzpartner wünschen können“

Profitänzerin Malika Dzumaev über ihre „Let’s Dance“-Teilnahme und den Tanzsport in Coronazeiten

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Malika Dzumaev und Mickie Krause tanzten in der diesjährigen Staffel von "Let's Dance" und kamen bis Show 6. Foto: TV NOW/ Stefan Gregorowius
Foto: Marco Meister

Das Tanzen steht für Malika Dzumaev im Mittelpunkt ihres Lebens. Mehrere Stunden täglich widmet sich die Profitänzerin, die seit sieben Jahren unter der Flagge des Grün-Gold-Club Bremen über das Parkett schwebt, dem Leistungssport. Mit ihrer diesjährigen Teilnahme an der TV-Show „Let’s Dance“ erfüllte Sie sich zudem einen persönlichen Traum und kämpfte sich an der Seite von Mickie Krause bis in Show sechs. Wie man einem „Ballermann“-Star das Tanzen beibringt und mit welchen Veränderungen sich der Sport in der Pandemie konfrontiert sieht, darüber haben wir mit der 29-Jährigen im Interview gesprochen.

Wie sind Sie zum Tanzen gekommen?
Ich komme aus einem kleinen russischen Dorf. Als ich acht Jahre alt war, hat mich meine Mutter in einem Kulturzentrum zum Tanzen angemeldet. Das war keinesfalls Turniertanz oder leistungsorientiert. Der Spaß stand im Vordergrund und wir hatten kleine Auftritte, zum Beispiel bei Stadtfesten. Das war eine tolle Zeit!

Und Ihre ersten Turniererfahrungen?
Die habe ich in Deutschland gesammelt. Meine Eltern und ich sind tatsächlich vor genau 20 Jahren als Spätaussiedler nach Nordrhein-Westfalen gekommen. Da wir weder das Land noch die Stadt kannten, sowie auch die Sprache für uns fremd war, mussten wir uns zunächst eingewöhnen und der Tanzsport stand nicht an erster Stelle. Im Jahr 2003, also zwei Jahre später, bin ich dann dem TSG Erkelenz beigetreten und es wurde mit der Zeit professioneller. Erst war es normales Tanztraining für mich, dann wurde mir ein Tanzpartner zugeteilt und wir wurden zu den ersten Turnieren angemeldet. Seit sieben Jahren bin ich in Bremen und tanze beim Grün-Gold-Club unter Roberto und Uta Albanese.

Wie sind Sie nach Bremen und zum Grün-Gold-Club gekommen?
Nach meiner Zeit in Erkelenz habe ich einige Jahre in Krefeld getanzt. Dort wurde es noch leistungsorientierter, mit sehr vielen Turnieren, Trainingseinheiten, Workshops und Seminaren. 2012 habe ich mein Abitur in Erkelenz gemacht und zu dieser Zeit eine Pause vom Tanzen genommen. Als ich anschließend ein Studium in Köln begonnen habe, hat Roberto Albanese mich angeschrieben und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, wieder mit dem Tanzen zu beginnen, weil er einen guten Partner für mich hätte. So bin ich dann zum Probetraining nach Bremen gekommen und tatsächlich auch geblieben (lacht).

Sie tanzen in der Hauptgruppe S-Latein. Was bedeutet das?
Die S-Klasse ist die höchste Leistungsklasse im Tanzsport, vergleichbar mit der Bundesliga im Fußball.

Das klingt nach einem hohen Trainingspensum.
Ja. Wir trainieren mehrere Stunden täglich und müssen Kraft- und Ausdauertraining betreiben. Zusätzlich spielt im Tanzsport die Musik eine wichtige Rolle, die wir hören und fühlen müssen. Das ist meiner Meinung nach die Schwierigkeit, aber auch gleichzeitig das, was das Tanzen auszeichnet: Es ist ein Leistungssport, aber eben auch Kunst.

Sie haben letztes Jahr in Bremen Ihr Studium in Gesundheitswissenschaften abgeschlossen. Wie war das zeitlich mit dem Leistungssport vereinbar?
Naja, ich habe natürlich etwas länger gebraucht als die sechs Semester Regelstudienzeit, sonst wäre das zeitlich nicht mit dem Tanzen vereinbar gewesen. Aber ich kann voller Stolz sagen, dass ich nicht eine Prüfung geschoben habe (lacht). Ich wollte schon immer studieren. Denn ich bin Leistungssportlerin und auch, wenn ich hoffe, dass es nie so kommt, könnte eine Verletzung das Ende meine Karriere bedeuten. Deswegen ist mir ein zweites Standbein wichtig. Zusätzlich habe ich nebenbei sogar noch gejobbt. Spontanität funktioniert deswegen bei mir normalerweise nicht so gut, da mein Alltag gemeinsam mit meinem Tanzpartner sehr strukturiert ist. In der Pandemie sieht das leider etwas anders aus.

Inwieweit hat Corona den Tanzsport verändert?
Zurzeit finden keine Tanzveranstaltungen statt. Das bedeutet, keine Seminare, keine Wettkämpfe und auch kein Gruppentraining – und das schon seit über einem Jahr. Glücklicherweise ist mein Tanzpartner auch mein Lebenspartner. Wir sind ein gemeinsamer Haushalt und haben als Leistungssportler eine Sondergenehmigung erhalten, sodass wir immerhin gemeinsam mit unserem Trainerteam trainieren können. Im März 2020 hätten wir eigentlich an den Deutschen Meisterschaften in Magdeburg teilgenommen. Die Koffer waren bereits gepackt, das Orchester anwesend und das Tanzparkett lag bereit. Ein Tag vorher kam dann die Absage. Das war sehr bitter. Zum Glück wurde das Turnier im Oktober nachgeholt, wenn auch unter Einschränkungen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist die aktuelle Zeit sehr schwierig. Wenn es keine Wettkämpfe gibt, auf die man hinarbeiten kann, wirkt sich das auf die Motivation aus. Ich hoffe, dass sie trotzdem am Ball bleiben und unserem schönen Tanzsport treu bleiben.

Foto: Stefan Gregorowius

Lassen Sie uns über „Let’s Dance“ sprechen. Wie kam es zu Ihrer Teilnahme?
Ich saß vor zwei Jahren das erste Mal als Zuschauerin im Publikum. Ich fand die Atmosphäre toll und habe mir schon damals gedacht, dass ich daran sehr gerne einmal teilnehmen würde. Mich hat die Herausforderung gereizt, einem prominenten Tanzpartner eigene Choreografien beizubringen. Als ich in diesem Jahr angesprochen wurde, ob ich nicht Lust hätte, habe ich mich beworben und an einem Casting teilgenommen. Als ich die Zusage bekommen habe, habe ich mich riesig gefreut.

Als prominenter Tanzpartner wurde Ihnen Mickie Krause zugeteilt. Was war Ihr erster Gedanke?
Dass es sehr lustig wird (lacht). Und so war es tatsächlich auch. Bei unserem ersten Zusammentreffen meinte er zu mir: „Malika, ich habe überhaupt kein Tanztalent!“ Aber ich muss sagen, dass er ein ganz toller Mensch ist. Wir haben uns super verstanden. Sowohl für ihn als auch für mich war die Teilnahme bei „Let’s Dance“ ja eine ganz neue Erfahrung. Ich hätte mir keinen besseren Tanzpartner wünschen können.

Wie bringt man jemandem das Tanzen bei, der davor noch nie Berührungspunkte mit dem Sport hatte?
Ich habe einen großen Respekt vor den Prominenten, die an „Let’s Dance“ teilnehmen. Wir haben nur vier Tage Zeit, gemeinsam eine Choreografie zu entwickeln und zu erlernen, um sie freitags dann in der Show zu präsentieren. Alle Profitänzerinnen und Profitänzer gehen das ganz anders an und haben da ihre eigenen Erfahrungswerte. Wir sind bis Show sechs gekommen und ich habe Micki natürlich von Woche zu Woche besser kennengelernt. Da er Marathonläufer ist, hat er eine gute Kondition mitgebracht und war unglaublich ehrgeizig und fleißig.

Rückblickend: Was macht das Format Ihrer Meinung nach so besonders?
Ich habe die ganze „Let’s Dance“-Reise genossen und als sehr harmonisch empfunden. Die Profitänzerinnen und -tänzer kannte ich tatsächlich schon vorher, und auch mit den Prominenten habe ich mich sehr gut verstanden. Natürlich ist solch eine Show in der Coronazeit schwierig, es müssen strenge Hygienevorgaben beachtet werden und Publikum gibt es leider nicht. Aber man ist zu einer kleinen Familie herangewachsen. Und ich bin sehr froh, dass ich ein Teil des Ganzen sein durfte.