Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Lern’ erst mal was Ordentliches!

Lern’ erst mal was Ordentliches!

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und nimmt dabei auch sich selbst schon mal auf die Schippe.

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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch

Müssen wir uns in Coronazeiten Sorgen um unsere Künstlerinnen und Künstler machen? Könnten die auch etwas anderes, als jetzt zu Hause Däumchen zu drehen? Wo bleibt die Perspektive? Ein Blick auf zum Beispiel die Lebensläufe unserer Schlagerstars lässt hoffen.

Andrea Berg war in ihrem früheren Leben Arzthelferin, Roland Kaiser Leiter der Werbeabteilung eines Autohauses. Clueso könnte, wenn er nicht mehr auf die Bühne darf, mit der aus der Schweiz stammenden Kollegin Beatrice Egli einen Friseursalon eröffnen, falls sie sich musikalisch nicht vorher in die Haare geraten. Vincent Weiss hat während seiner Schulzeit in einem Supermarkt gejobt. Das könnte passen, denn die suchen immer Leute. Johannes Oerding müsste sein BWL-Studium wieder aufnehmen, während seine Freundin Ina Müller als pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) entweder erneut in einer Apotheke oder in einem Impfzentrum Stunden kloppt, um ihrem Johannes das Studium zu finanzieren. Hm, die hätten wir also untergebracht, aber da sind doch noch mehr, oder?

Ein gemeinsames Anwaltsbüro wäre für den Volks-Rock ‘n’ Roller Andreas Gabalier und Mark Forster eine Option. Beide müssten ihr abgebrochenes Jurastudium wieder aufnehmen. Auch Handwerk hat heute noch goldenen Boden: Gute Voraussetzungen für ein paar ausgebildete Mechaniker wie Wolfgang Petry, Olaf Berger und Andy Borg, die mit ihrem Know-how gemeinsam eine kleine Schrauberwerkstatt für Oldtimer eröffnen könnten. Die ehemalige Maler- und Lackiererin Kerstin Ott würde sicher ihre Hilfe anbieten und G. G. Anderson macht dann nach getaner Arbeit als Ex-Elektriker das Licht aus.

Da Kneipen und Restaurants momentan mal öffnen dürfen und mal nicht, hätten Nena, Udo Lindenberg, Achim Reichel und Niki P. als ehemaliges Bedienungspersonal zunächst das Nachsehen, aber haben die es überhaupt noch nötig? Während Helene Fischer im Kinderzimmer für ihre Tochter tanzt und dabei Gebrauchsanweisungen für Windeln studiert, denken andere eventuell bereits über eine Wiederaufnahme ihres abgebrochenen Studiums nach: Sasha, auch schon 50 Jahre alt, über Sport und Gymnastik, Chris de Burgh könnte sich wieder mit Anglistik und Romanistik beschäftigen, LEA mit den Themen Musik und Sonderpädagogik und Rea Garvey startet noch einmal mit Marketing und Französisch durch. Sollte es dann immer noch nicht für einen Abschluss reichen, bliebe ihnen als Vorbild Kollege Max Giesinger, der ein Jahr lang in Australien und Neuseeland als Straßenmusiker über die Runden kam – das allerdings vor Corona. Aber alleine draußen singen darf man ja wohl noch. Ich könnte wieder Offsetdrucker werden und die Kolumnen von Dirk Böhling und Michaela Schaffrath drucken. Apropos: Haben die eigentlich was Ordentliches gelernt?