Start Bremen Aktuelles „Ich drücke meinen Bremern ganz fest die Daumen!“

„Ich drücke meinen Bremern ganz fest die Daumen!“

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Die Moderatorin Laura Wontorra. Foto: B. Sevastos

Sie moderiert für RTL die Länderspiele der Deutschen Nationalmannschaft, ist als Moderatorin der Counterpart für Steffen Henssler in seiner Kochshow, geht mit der TV Sendung „Ninja Warriors“ ins fünfte Jahr und hat zudem mit „100 Prozent Bundesliga“ eine Fußballshow auf RTL Nitro – und das mit gerade einmal 31 Jahren. Die gebürtige Bremerin Laura Wontorra hat es in ihrem Beruf sehr schnell sehr weit gebracht. Und das, ohne dabei von ihrem prominenten Vater zu profitieren.

Ihre Eltern haben beide in der Medienbranche gearbeitet. War es dadurch schnell klar, dass Sie einen ähnlichen Weg einschlagen?
Eigentlich nicht. Ich hatte im Alter von 16, 17 Jahren eine sehr rebellische Phase, in der ich gerade nicht alles so wie meine Eltern machen wollte. Dennoch war für mich relativ schnell klar, dass ich nach meinem Abitur etwas, das mit Sport zu tun hat, aussuchen würde. Zu dem Zeitpunkt wollte ich unbedingt Pressesprecherin bei Werder Bremen werden.

Warum hat das nicht geklappt?
Ich habe damals zunächst PR und Öffentlichkeitsarbeit studiert. Während des Studiums habe ich mich gefühlt tausendmal bei Werder auf ein Praktikum beworben und bin immer abgelehnt worden. Wahrscheinlich haben sich die Verantwortlichen gedacht, dass man sich besser keine Wontorra ins Haus holt, da ich dann ja viel zu viel mitbekommen würde. Stattdessen bin ich beim 1. FC Köln gelandet. Damals ging es gerade mit den Vereins-TV-Sendern los, ich habe dafür Interviews und Berichte gemacht und schnell gemerkt, dass mir doch ein gewisses Talent mit in die Wiege gelegt worden ist.

Wie ging es dann weiter?
Ich habe anschließend ein Volontariat als Sportredakteurin bei Sky begonnen und wurde dort relativ schnell vor die Kamera gestellt. So nahm alles plötzlich seinen Lauf. Es war keine geplante Fernsehkarriere – ich habe vielmehr oft die richtige
Abzweigung genommen.

 

Jörg und Laura Wontorra. Foto: B. Sevastos

Ihr prominenter Vater soll damals nicht so begeistert von Ihrer Berufswahl gewesen sein…
Es stimmt, er war nicht zu 100 Prozent davon überzeugt, hat mir aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Es spielte wohl auch eine Rolle, dass ich früher immer gemeckert habe, wenn er am Wochenende arbeiten musste, während andere Kids mit ihrem Vater etwas unternommen haben. Ich habe ihm das damals immer vorgeworfen, dass er so viel weg war. Deshalb hat er anfangs auch nicht verstanden, dass ich genau das gemacht habe, was ich ihm vorgeworfen hatte. Mittlerweile ist er aber stolz auf mich.

Die Fußballbundesliga ist auch im medialen Bereich sehr von Männern geprägt. Hatten Sie als Frau diesbezüglich mit Vorurteilen zu kämpfen?
Das werde ich öfter gefragt. Für mich war tatsächlich der Name Wontorra schwieriger. Jeder kennt meinen Vater „Wonti“, fast jeder hat in dem Bereich schon mit ihm zusammengearbeitet. Und somit waren alle Augen sehr streng auf mich gerichtet und damit der Druck auch entsprechend groß.

Wie sind Sie mit dem Druck umgegangen?
Da ich ein sehr selbstbewusster Mensch bin, kann ich so etwas in positive Dinge umwandeln. Für mich habe ich daraus ein „Jetzt erst recht!“ gezogen. Ich wollte allen zeigen, dass ich es kann und nicht nur wegen des Namens Wontorra dort stehe.

Die neue Bundesligasaison hat gerade begonnen. Haben Sie sich darauf speziell vorbereitet?
Vorbereitung ist bei uns im Job irgendwie immer. Ähnlich wie die Fußballer, haben wir Sportjournalisten unser Hobby zum Beruf gemacht. Ich lese sowieso alles zum Thema, was ich kriegen kann, und gucke mir auch alles an.

Neben Ihrem Job als Sportberichterstatterin moderieren Sie die Unterhaltungsformate „Ninja Warriors Germany“ und „Grill den Henssler“. Wie sind Sie dazu gekommen?
Für die „Ninja Warriors“ wurde eine frische, junge Feld-Reporterin gesucht, die ein bisschen Sporthintergrund hat. Da kam man dann irgendwie auf mich. Dass die Show ein solch großer Erfolg geworden ist, freut mich sehr. Ab Anfang Oktober gehen wir in unser fünftes Jahr.

 

Bei „Grill den Henssler“. Foto: TVNOW/Frank W. Hempel

Seit diesem Jahr gehören Sie zudem zum „Grill den Henssler“-Team.
Ich war zuvor schon öfter als Gast in seiner Sendung und es hat mir immer großen Spaß gemacht. Als man eine neue Moderatorin gesucht hat, ging es darum, eine Person zu finden, die Steffen verbal ein bisschen Paroli bieten kann.

Mussten Sie speziell trainieren, um ihm Paroli bieten zu können?
Nein, das kam von ganz alleine. Er ist Hamburger, ich bin Bremerin, da hat man gleich einen ganz bestimmten Schnack zusammen. Wir haben uns im Vorfeld bei ihm im Restaurant getroffen und beide gleich gemerkt, dass die Chemie stimmt. Eine schöne Berufsbeziehung.

Sicher kommt es in so einer bremisch-hamburgischen Berufsbeziehung auch mal zu Frotzeleien, beispielsweise über die ortsansässigen Fußballvereine?
Ja klar, er ist HSV-Fan, meine Farben sind Grün-Weiß. Das gipfelte darin, dass Steffen aufgrund einer verlorenen Wette, bei der es um ein Risotto ging, in der zweiten Staffel im Werder-Trikot in die Sendung kam. Er hat das tatsächlich durchgezogen. Ein Glück, dass ich nicht verloren habe, sonst hätte ich nämlich im HSV-Dress moderieren müssen …

Kochen Sie privat?
Nein, ich kann gar nicht kochen. Das habe ich in der Sendung auch schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Sie moderieren aktuell drei Sendungen im TV und leben in Köln. Schaffen Sie es noch ab und zu in die alte Heimat?
Ich besuche regelmäßig meinen Papa und meine Freundinnen in Bremen. Am liebsten natürlich, wenn ich das mit einem Werder-Spiel verbinden kann. Zudem leben meine Großmutter und mein Onkel in Bremerhaven. Ich habe zwar gerade sehr viel um die Ohren, aber ein paar Mal im Jahr schaffe ich es noch in die alte Heimat.

Ist es ein Problem für Sie, als Werder-Fan eine Fußballsendung zu moderieren?
Überhaupt nicht. Ich glaube eher, dass ich gegenüber Werder gerade deshalb noch kritischer bin. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass jeder Fußballmoderator, Kommentator oder Journalist eine gewisse Leidenschaft für den Sport haben sollte und somit in der Regel auch einen Lieblingsverein.

Im Februar haben Sie Ihren Ehemann Simon Zoller, der für Bochum spielt, direkt nach dem Zweitligaspiel gegen den Hamburger SV interviewt. Es folgte ein sogenannter Shitstorm im Internet …
Das stimmt, wobei ich den Shitstorm fast noch heftiger erwartet hätte. Mir wurde Unprofessionalität wegen des Interviews mit meinem Ehemann vorgeworfen. Ich kann dazu nur sagen, dass ich als Feldreporterin im Stadion war, Simon ein tolles Tor geschossen hatte und ich es als unprofessionell empfunden hätte, ihn nicht zu interviewen. Ich habe keine Fragen anders gestellt, weil er mein Ehemann ist. Das Einzige, was anders war, war, dass ich ihn geduzt habe.

Sie moderierten in Bremen zusammen mit Ihrem Vater die Wahl zum Bremer Sportler des Jahres. Gibt es Pläne, im Fernsehen mal etwas gemeinsam mit ihm zu machen?
Wir haben das anfangs ganz bewusst nicht gemacht, vor allem weil ich mich selbst erst einmal alleine durchbeißen wollte. Wenn aber jetzt jemand mit dem entsprechenden Format zu uns kommen würde, würden wir beide vermutlich nicht nein sagen.

Gibt es etwas, das Sie beruflich besonders reizen würde?
Ich war 2008, nach dem Abitur, bei den Olympischen Spielen in Peking und habe im Deutschen Haus als Hostess gearbeitet. Das gesamte olympische Gefühl hat mir wahnsinnig gut gefallen. Es wäre schon ein Traum, einmal direkt von den Olympischen Spielen berichten zu dürfen. Zudem bin ich ein Riesenfan der Talkshows in den dritten Programmen. Ich glaube, das würde ich auch gerne einmal machen.

Zum Abschluss: Wo landet Werder in der aktuellen Saison?
Ich drücke meinen Bremern ganz fest die Daumen! Ich finde allerdings, dass es an Kreativität sowie einer Führungsfigur fehlt. Man hat es aus meiner Sicht bis heute nicht geschafft, den Abgang von Max Kruse zu kompensieren. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr früher gerettet sind und nicht erneut den Umweg über die Relegation nehmen müssen.

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