Start Gastro „Immer auf Vielfalt und Qualität geachtet“

„Immer auf Vielfalt und Qualität geachtet“

Hans Peter Schneider im Interview: Ratskeller entwickelt zeitgemäße Onlinestrategie

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Hans Peter Schneider, Geschäftsführer des Bremer Ratskellers. Foto: M3B / F. T. Koch

Mehr als 600 Jahre Tradition, rund 650 Weine aus den 13 deutschen Weinbaugebieten und obendrein der älteste Fasswein des Landes: Der Bremer Ratskeller, der früher auch mal „Weinkeller“ zum „Stadtweinkeller“ und „Ratsweinkeller“ hieß, wurde 2004 zum Weltkulturerbe ernannt. Wir sprachen mit Hans Peter Schneider, der als Geschäftsführer der M3B GmbH auch für den Ratskeller verantwortlich ist, über die altehrwürdige Institution im Wandel der Zeit und aktuelle Herausforderungen.

Seit mehr als 600 Jahren gibt es den Bremer Ratskeller – er ist damit Bremens älteste Genussmarke. Bedarf es dennoch einer Verjüngungskur und wie könnte die aussehen?
Der Bremer Ratskeller ist ganz klar ein Traditionshaus, aber auch stets mit der Zeit gegangen – sonst wäre er nach wenigen Jahren bereits wieder Geschichte gewesen. Weitere Erfolgsgaranten unseres Weinhandels: Hier wurde und wird immer auf Vielfalt und Qualität geachtet – dafür sorgt der Kellermeister, seit über 30 Jahren ist es Karl-Josef Krötz. Er probiert jährlich rund 3000 Tropfen aus den 13 deutschen Weinbaugebieten, von denen er nur 150 ins Sortiment aufnimmt. Mit dieser Qualitätsoffensive begeistert Herr Krötz immer wieder neue Kunden für den deutschen Wein.

Die aktuelle Krise treibt die Digitalisierung schneller voran. Inwiefern beeinflusst diese Entwicklung die Strategie des Ratskellers?
Wie gesagt, wir passen uns immer der Zeit an und schaffen Angebote für neue Zielgruppen. Momentan überarbeiten wir unseren Webauftritt und gestalten den Onlinekauf für unsere Kunden noch attraktiver. Zurzeit sind Weinproben vor Ort nicht möglich, deshalb luden wir Anfang Mai zur ersten digitalen Weinprobe. In einer Live-Story auf unserem Insta­gram-Kanal nahmen drei Mitarbeiter die Zuschauer mit in die Kellergewölbe und probierten mit Genießern drei unterschiedliche Weine. 90 entsprechende Weinpakete hatten wir zuvor im Onlineshop, in der Filiale im Weserpark und im Stadtweinverkauf verkauft. Die Premiere war so erfolgreich, dass bereits Ende Mai ein zweiter Termin stattfand.

Der Ratskeller zählt als Teil des Bremer Rathauses zum UNESCO-Weltkulturerbe. Was ergibt sich daraus für Sie?
Tradition verpflichtet, ganz klar. Wir sind Teil von Bremens guter Stube und des ehrwürdigen Rathauses. Dem damit verbundenen Anspruch müssen und wollen wir gerecht werden, besonders unseren Besuchern gegenüber, denen wir kein Museum, sondern einen lebendigen Ort voller Genuss, Weinwissen und Lebensfreude bieten. Zu den ehrwürdigen Besuchern zählte übrigens – neben Heinrich Heine, Otto von Bismarck, Wilhelm Hauff und Richard Strauss – auch Friedrich Engels, der hier während seiner Bremer Ausbildungsjahre zum Kaufmann tüchtig zechte.

Gibt es ein neues Tourismuskonzept für den Ratskeller?
Der umfangreiche Umbau des Ratskellers 2019/20 ermöglicht uns Kellerführungen im neuen Stil. Durch die räumlichen Veränderungen können wir die Besucher auf anderen Wegen durch den 5000 Quadratmeter großen Ratskeller führen. Auch sind nun Events möglich. Den Anfang sollte ein Konzert während der diesjährigen jazzahead! machen. Aufgrund der Corona-Krise kam es dazu leider nicht. Auch die Premiere für die neuen Kellerführungen mussten wir verschieben. Der Start ist nun für September 2020 geplant.

Was ist für Sie am Ratskeller besonders?
Die Vielfalt deutscher Weine, die wir hier lagern und verkaufen. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Und die außergewöhnliche, vom Kellermeister geprüfte Qualität, die wir in jeder Preiskategorie anbieten können. Aber auch das Gewölbe an sich, das Baudenkmal im Verborgenen, beeindruckt mich: Unter Tage erstreckt sich auf zwei Kilometern ein Labyrinth an Räumen und Gängen. Besonders ist auch die Schatzkammer, in der Karl-Josef Krötz – wie die Kellermeister vor ihm – Weine einlagert, die er für außergewöhnlich hält. So könnte ich zum Beispiel eine Flasche aus meinem Geburtsjahrgang kaufen.

Weitere Informationen: www.ratskeller.de.