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„Ich denke sehr umgedreht“

Markus Krebs mit „Best of Biergarten“ auf der Seebühne

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Markus Krebs Foto: Manuel Dorn Fotografie

+++ Verlosung+++

Wir verlosen einen exklusiven STADTMAGAZIN-Comedypass für zwei Personen. Der Comedypass enthält Neben Markus Krebs den Eintritt für folgende Veranstaltungen: Wolfgang Trepper, Kurt Krömer, Benaissa Lamroubal & Khalid Bounouar und Atze Schröder & Till Hohender. Schicken Sie uns bis zum 15. Juli eine E-Mail mit dem Betreff „Krebs“ und Ihren Kontaktdaten sowie die, Ihrer Begleitperson an verlosung@stadtmagazin-bremen.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ein Stehtisch, ein Barhocker und eine Flasche Bier – mehr braucht Markus Krebs nicht, wenn er die Bühne betritt. Dabei scheut er ebensowenig vor Flachwitz wie vor intelligenter Komik zurück. Wie er zum Comedian geworden, welches sein Lieblingswitz ist und was er während der Coronazeit gemacht hat, erzählte er dem STADTMAGAZIN im Gespräch.

Wie wird man zum professionellen Witzeerzähler?
Das hat schon früh angefangen. Als Kind konnte ich Heinz Erhardt, Otto oder auch Loriot auswendig. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich den Kellner gefragt habe, ob ich ihm was bringen könnte. In der Schule bin ich wegen meiner Witzeerzählerei so oft rausgeflogen, dass man nachher dachte, meine Klasse sei auf dem Flur. Und das ging dann eigentlich immer so weiter, auf Partys oder an der Theke.

War es schwierig, sich unter all den Comedians zu etablieren?
Ich fand es überhaupt nicht schwierig. Ich habe eine Lücke bedient, die zu dem Zeitpunkt keiner bedient hat – ohne nach der Lücke gesucht zu haben. Ich musste dafür auch gar nicht viel verändern, so ist einfach mein Humor und irgendwie habe ich das schon immer gemacht.

Wie kam es zu dem Entschluss, aus dem Hobby einen Beruf zu machen, also professioneller Witzeerzähler zu werden?
Das war Zufall. Mein Bruder hatte eine Eventfirma und hatte damals den niederheinischen Comedypreis ausgerufen. Ich stand den Abend an der Kasse. Als plötzlich Moses W. aus Essen ausfiel, hat er mich gefragt, ob ich nicht kurzfristig für zehn Minuten einspringen und ein paar Witze erzählen könnte. Das habe ich dann gemacht.

Und wie endete es?
Ich kam zunächst eine Runde weiter und hab am Ende das ganze Ding gewonnen. Seitdem mache ich Comedy. Damals war ich schon 39. Mit 41 habe ich dann den „Comedy Grand Prix“ gewonnen – seitdem hat sich mein Leben verändert.

Was muss man können, um einen Witz gut zu erzählen?
Man kennt das, wenn mehrere den gleichen Witz erzählen, fragt man sich bei dem einen, was mit ihm los ist, und bei dem anderen lacht man sich kaputt. Ich glaube es geht um die Betonung. Und dann gibt es kurze Witze, an denen man nichts ändern kann.

Zum Beispiel?
Die Tür öffnet manuell. Danke Manuel!

Und bei längeren?
Da baue ich dann schon mal das eine oder andere mit ein, was ich selber witzig finde. Oder eine Geste.

Gibt es jemanden, dem Sie Ihre Witze vortragen, um sie zu testen?
Das mache ich direkt mit dem Publikum. Es gibt Witze, die nur ich gut finde und die nicht so gut bei den Zuschauern ankommen. Gerade die nehme ich nicht raus, weil ich darüber gut mit dem Publikum sprechen kann. Ansonsten kann man sagen, dass ich ein Gefühl dafür entwickelt habe, welcher Witz ankommt. Und zur Not erzähle ich ihn meinem Vater. Der hat mir selber so viele erzählt, dass ich weiß, wenn er lacht ist der Witz in Ordnung.

Wie entsteht bei Ihnen ein Programm?
Durch Alltagsbeobachtungen. Es gibt zu Beginn unendlich viele Zettel, weil ich mir alles aufschreibe. Die meisten davon kann ich später gar nicht mehr lesen. Ich habe selbst am PC eine Sauklaue. Daraus baue ich eine Geschichte auf, die ich in der Regel auch selbst erlebt habe und in die ich die Gags dann einbaue.

Wie kommen Sie zu Ihren Gags?
Zum einen werden mir natürlich unendlich viele erzählt. Zum anderen ist es aber so, dass ich die Menschen sowie das Alltagsgeschehen sehr genau beobachte. Ich höre genau zu und denke dabei dann sehr umgedreht. Während andere etwas getrunken und am Ende nur noch Blödsinn erzählt haben, habe ich genau zugehört und mitgeschrieben. Es gab beispielsweise bei uns wirklich einen, der beim Kniffel die Chance gestrichen hat.

Was meinen Sie mit dem umgedreht herangehen?
Wenn ich zum Beispiel sage, der hat eine Reise gewonnen, zwei Tage für 14 Personen,dann habe ich nur zwei Zahlen gedreht. Jede Situation, die ich sehe, versuche ich im Kopf sofort zu ändern. „Guck mal, da schiebt einer mit dem Fahrrad das Mofa an.“ Dabei hat natürlich das Mofa das Fahrrad gezogen …

Denken Sie sich auch selbst Witze aus?
Ja. Mein Erster war: „Beißen die Fische?“ – „Nein, kannste ruhig streicheln.“ Auch mein Lieblingswitz ist komplett von mir.

Erzählen Sie mal!
Da sitzen zwei an der Theke, fragt der eine: „Was machst du jetzt?“ – „Wir machen Musik im Quartett!“ – „Wie viele seid ihr denn?“ – „Drei Mann!“ – „Wer denn alles?“ – „Mein Bruder und ich!“ – „Du hast einen Bruder?“ – „Nö!“. Der hat einfach alles.

Wie viele Witze kennen Sie?
Wir bringen gerade ein Witzebuch heraus, da sind schon mal 500 drin. Es werden aber weitaus mehr sein. Viele Witze gibt es zudem in unterschiedlichen Varianten.

Wie war die Coronazeit für Sie?
Sehr produktiv. Wir haben einen Podcast entwickelt, für den wir 70 Sendungen gemacht haben. Wir haben unseren Youtube-Kanal aufgebaut und ich habe mit der „Witzearena“ meine eigene Fernsehshow. Zudem habe viel in Autokinos gespielt. Es ist sehr skurril, wenn Leute hupen wenn sie etwas witzig finden. Ich schreibe gerade an einem Buch über das Ruhrgebiet und wir planen verschiedenen Fernsehformate. Zu tun hatte ich genug, das Geldverdienen fehlte dabei leider. In Duisburg habe ich eine Kneipe eröffnet. Da kann ich dann immer ein bisschen mein Programm üben.

Sie kommen auf die Seebühne. Was wird es da geben?
Es gibt ein „Best of Biergarten“. Ich freue mich darauf, auch mal wieder ältere Sachen zu spielen, die ich lange nicht gemacht habe. Aber es wird auch Neues geben, aus dem kommenden Programm. Der Auftritt ist zwei Tage nach meinem Geburtstag, vielleicht feiere ich sogar in der Stadt. Ich war immer gerne im Fritz und im Pier2. Jetzt die Seebühne. Also ich habe große Lust!

Mittwoch, 28. Juli, Seebühne, 20 Uhr

Das Interview führte Martin Märtens