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Helferin mit Stoff und Garn

Bremen hilft: Elisabeth Nowacki näht Stoffmasken

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Elisabeth Nowacki vor ihrer Nähmaschine. Mehr als 100 Masken hat sie bereits angefertigt. Foto: FR

Das Corona-Virus zwingt das öffentliche Leben aktuell in die Knie und beschert vielen Menschen Existenzängste. Doch es gibt auch Lichtblicke in dieser dunklen Zeit. In unserer neuen Serie „Bremen hilft“ stellen wir regelmäßig Menschen vor, die genau jetzt zu kreativer Höchstform auflaufen und sich für andere engagieren.

Die Nähmaschine rattert. Sie tut es oft im Wohnzimmer von Elisabeth Nowacki. Nähen ist die große Leidenschaft der 55-Jährigen, vor allem Kleidung für Babys fertigt sie mit viel Herzblut an. In der aktuellen Corona-Krise jedoch hat sich der Schwerpunkt ihrer Arbeit verlagert. Elisabeth Nowacki näht jetzt Nasen-Mund-Masken. Baumwollstoff, Garn und Gummibänder: Mehr braucht sie nicht, um sich in der schweren Zeit zu engagieren. Den Startschuss ihres Ehrenamtes hat sie einer guten Freundin zu verdanken. „Sie hat früher im Klinikum Links der Weser gearbeitet und mir erzählt, dass man dort im Kreißsaal gut Masken gebrauchen kann“, erzählt Nowacki. Die Habenhauserin, die das Handwerk mit Nadel und Faden sichert beherrscht, zögerte nicht lang und legte gleich los. Das Ergebnis: 15 farbenfrohe Exemplare für das Krankenhaus.

Für die Masken benutzt Elisabeth Nowacki lediglich Baumwollstoff. Foto: FR

Das war am 26. März. Seither pausiert ihre Nähmaschine selten. Vor allem Menschen in Arsten und Habenhausen kriegten schnell von ihrer Aktion mit und richten sich mittlerweile selbst an die Textilbegeisterte. Ob für die krebskranke Mutter einer Freundin, die Bekannte, die in der Altenpflege tätig ist, Kollegen oder Nachbarn: „Ich mache eigentlich nichts anderes mehr“, stellt Elisabeth Nowacki lachend fest. Mehr als 100 Masken hat sie mittlerweile hergestellt, bis spät in den Abend widmet sie sich oft ihrer neusten Tätigkeit. „Dann muss ich irgendwann aufhören, sagt sie. „Die Nähmaschine ist sehr laut, die Nachbarn würde das bestimmt stören.“

Stets das Wohl anderer im Sinn haben – es ist eine Verhaltensweise der 55-Jährigen, die in der aktuellen Zeit wertgeschätzt wird. „Ich kriege wirklich tolles Feedback“, sagt sie. Kürzlich habe sie sogar eine Spende erhalten. „Ich lasse mir die Masken natürlich nicht bezahlen“, macht sie klar. „Trotzdem habe ich mich darüber gefreut und kann damit nun neuen Stoff kaufen.“ Für ihre Mund-und Nasenmasken nutzt Elisabeth Nowacki ausschließlich Baumwollstoff. „So sind die Masken bei 90 Grad waschbar“, erklärt sie. Dennoch ist es ihr wichtig, den Nutzen ihrer Arbeit deutlich zu machen. „Wir reden hier nicht von hochwertigen medizinischen Produkten“, sagt sie. „Aber wenn jemand durch das Tragen einer Maske ein besseres Gefühl hat und sich sicherer fühlt, ist das schon viel Wert.“

Aufstehen, nähen, essen, nähen: Der Tagesablauf von Elisabeth Nowacki ist aktuell sehr durchgetaktet, viel Spielraum gibt es nicht. Ob sie sich manchmal überfordert fühlt? „Ja, ab und zu stresst es mich schon“, gibt sie zu. „Vor allem wenn ich um die Situation der Menschen weiß und sie die Masken zeitnah brauchen, setzt es mich manchmal unter Duck.“ Eine Erfüllung sei es für sie dennoch. „In schwierigen Zeiten müssen wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen“, findet sie. Unterstützung erfährt sie zudem auch selbst. „Ohne beste Freundin Sylvia, hätte ich das alles überhaupt nicht stemmen können“, sagt sie. „Sie hat die ganze Nachbarschaft für mich abgeklappert, um mir Stoff und Gummibänder zu organisieren.“

Obwohl die Habenhauserin zeitlich ausgelastet ist, bietet sie weiterhin ihre Hilfe an. Ältere Menschen und Personen, die zur Risikogruppe gehören, können sich bei Bedarf einer Maske per Mail an lisaslook@gmx.de an Elisabeth Nowacki wenden. Die Abholung verläuft dann ebenso kreativ wie die Anfertigung. „Ich verpacke die Masken immer gut und werfe sie dann von meinem Balkon im ersten Stock hinunter“, so Nowacki lachend. Nun, Not macht eben erfinderisch.

Per Wurf zum Besitzer – Not macht bekanntlich erfinderisch. Foto: JF

Engagieren auch Sie sich in der Corona-Krise oder kennen ein Projekt, das vorgestellt werden sollte? Hinweise nehmen wir gerne per E-Mail an info@stadtmagazin-bremen.de entgegen.