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Geste mit Ziffernblatt

Bremen hilft: Matthias Rücker fertigt "Danke-Uhren"

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Verschiedene Berufsgruppen schmücken das Zifferblatt der Uhren. Foto: FR

Das Corona-Virus zwingt das öffentliche Leben aktuell in die Knie und beschert vielen Menschen Existenzängste. Doch es gibt auch Lichtblicke in dieser dunklen Zeit. In unserer neuen Serie „Bremen hilft“ stellen wir regelmäßig Menschen vor, die genau jetzt zu kreativer Höchstform auflaufen und sich für andere engagieren. Zu Ihnen gehört Matthias Rücker.

„Gar nichts erlebt. Auch schön.“ Obwohl Wolfgang Amadeus Mozart diese Zeile bereits 1770 in sein Tagebuch schrieb, werden sich auch aktuell viele Menschen darin wiedererkennen. Die Zeit, sie scheint zu erodieren in Wochen von Corona. Tage ziehen sich aufgrund mangelnder Verpflichtungen wie Kaugummi, Arbeitsbeginn und Feierabend werden angesichts Homeoffice und Kurzarbeit zu schwammigen Begriffen. Doch es gibt auch Menschen, für die die Uhr ganz normal weiterschlägt, die im gewohnten Takt, oft sogar in beschleunigtem Tempo, weiterarbeiten. Krankenschwestern, Polizisten, Ärzte, Pfleger – jene Berufsgruppen, die nun unter dem Begriff „systemrelevant“ zusammengefasst werden. Um ihr Engagement in der Krise zu würdigen, hat sich Matthias Rücker aus Rablinghausen etwas ausgedacht und sogenannte „Danke-Uhren“ entwickelt. Er findet: „Es ist einfach mal an der Zeit ‚Danke‘ zu sagen.“

Gutes tun in freier Zeit

Foto: FR

Die Idee zur Geste mit Ziffernblatt ist dem Beruf und Hobby Rückers gleichermaßen geschuldet. Matthias Rücker ist gelernter Uhrmacher. Auch bei seinem aktuellen Arbeitgeber, ein regionaler Energieversorger, übte er diesen Beruf lange aus. „Dann bin ich irgendwann davon weggekommen“, erzählt er. Bis zum Jahr 2003: Gemeinsam mit einem Freund begann Rücker Uhren herzustellen, die Ziffernblätter nach Kundenwunsch aufweisen, zunächst als Hobby, später auch als Gewerbe. „Wir haben anfangs sogar Tupperpartys gegeben, nur eben mit Uhren“, berichtet er lachend. Die Aufträge nahmen zu, einige Jahre später fertigte die Firma auch Modelle für das Merchandising verschiedener Künstler an. Doch Aufträge für Fanshops – diese bleiben aktuell aus.  „Ich habe mir dann gedacht, warum mit der freien Zeit und mit dem vorhandenen Material nicht etwas Gutes tun?“

Verewigte Berufsgruppen

Die erste Uhr überreichte Matthias Rücker einer Verkäuferin im Supermarkt. Foto: FR

Aus Modellen vergangener Aufträge begann der Rablinghauser sogenannte „Danke-Uhren“ anzufertigen. Neben einem roten Herz schmücken verschiedene Berufsbezeichnungen das Ziffernblatt. Polizisten, Busfahrer, Verkäufer und Notbetreuer sind ebenso verewigt wie Altenpfleger und Hebammen. „Die Auswahl war völlig frei, ich habe mich an einem Plakat orientiert, das ich mal gesehen habe“, sagt er. Doch jene Auswahl ist es, für die Rücker auch Kritik hinnehmen muss. Als er ein Bild einer „Danke-Uhr“ in den Sozialen Medien teilt, gibt es nicht nur Lobeshymnen. Vereinzelt liest er auch negative Kommentare von Menschen, deren Tätigkeiten nicht genannt werden. Rücker findet: „Natürlich hätte ich noch zahlreiche Berufsgruppen einbinden können. Aber dann hätte ich wahrscheinlich eine Domuhr anfertigen müssen.“

Keine Bereicherung an der Krise

Rund 20 Exemplare hat Matthias Rücker bereits hergestellt. „Die erste Uhr erhielt eine Supermarktkassiererin vergangene Woche“, erzählt er. Auch sein Postbote und Hausarzt sollen sich bald über ein neues Schmuckstück für ihr Handgelenk freuen dürfen. „Es sind Leute, die mir nahestehen, und die jeden Tag mit einer Selbstverständlichkeit unser System am laufen halten“, macht er klar. Werde das Feedback der Beschenkten weiterhin positiv ausfallen, plant Rücker weitere Uhren herzustellen. Käuflich erwerblich seien diese jedoch nicht. „Sich an einer Krise zu bereichern, kommt für mich nicht in Frage“, macht er klar.

Engagieren auch Sie sich in der Corona-Krise oder kennen ein Projekt, das vorgestellt werden sollte? Hinweise nehmen wir gerne per E-Mail an info@stadtmagazin-bremen.de entgegen.