Start Bremen Was macht … „Gebongt, die nehme ich!“

„Gebongt, die nehme ich!“

Bekannt und gekannt zu werden: Katja Bogdanski spielte Dickie Hoppenstedt

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Deutschlands wohl bekannteste Weihnachtsfamilie: Die Hoppenstedts mit Dickie Hoppenstedt (2. v.r., gespielt von Katja Bogdanski). Foto: Radio Bremen

Der von Radio Bremen produzierte Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“, in dem es um Gemütlichkeit, mehr Lametta und ein Atomkraftwerk zum Selberbauen für Kinder geht, ist längst legendär. Als pummeliges und störrisches Kind erlangte Katja Bogdanski in der Rolle des Dickie Hoppenstedt bundesweit Berühmtheit. Das von ihr mit heruntergezogenen Mundwinkeln aufgesagte „Weihnachtsgedicht“ mit dem Wortlaut „Zicke Zacke Hühnerkacke“ flimmert noch immer alljährlich über die Fernseher der Republik. Doch während die Mitwirkenden um Loriot und Evelyn Hamann große Bekanntheit erlangten, kennt Katja Bogdanski auch heute kaum jemand. Was auch daran liegen könnte, das die meisten Zuschauer Dickie Hoppenstedt bislang für einen Jungen hielten …

Was machen Sie zurzeit, Frau Bogdanski?
Katja Bogdanski: Als Mutter unseres fünfeinhalbjährigen Sohnes manage ich unser kleines Familienunternehmen. Neben den klassischen Hausfrauenaufgaben unterstütze ich meinen Mann zudem halbtags im Büro seiner Versicherungsagentur.

Viele kennen Sie, ohne zu wissen, dass sie Sie kennen. Denn die meisten dachten, dass Dickie Hoppenstedt ein Junge sei …
Es ist richtig, dass die Mehrheit dachte, ich sei ein Junge. Der Maskenbildnerin sei Dank! Denn sie hatte alles gegeben, damit Dicki wie ein Es aussah. Loriot ließ es bewusst offen, denn in der Szene „Spielwaren“ weiß ja nicht einmal Opa Hoppenstedt beim Kauf des Weihnachtsgeschenkes, ob sein Enkelkind ein Junge oder Mädchen ist, geschweige denn, ob es ein Zipfelchen hat oder nicht.

Wie sind Sie zu der Rolle gekommen?
Loriot und Radio Bremen haben ein Casting ausgeschrieben, an dem unter anderem auch Hape Kerkeling teilgenommen haben soll. Aber dabei fand sich anscheinend niemand Passendes. Daraufhin rief das Casting-Team Grundschulen in der Umgebung von Bremen an und fragte, ob es ein Kind gebe, das etwas pummelig, frech und aufgeschlossen sei. Unser Hausmeister sagte: „Ja, da wüsste ich jemanden!“ Und er meinte mich. Ob ich das frechste, dickste Kind der Schule war, keine Ahnung. Noch am selben Tag holte mich das Radio-Bremen-Team gemeinsam mit meiner Mutter ab und wir fuhren im weinroten Bus zum Bremer Steintorviertel, wo Loriot drehte. Während der Fahrt bekam ich einen Text, den ich lernen sollte. Angekommen stand der große Meister dann vor mir. Neben dem Aufsagen des gelernten Textes sollte ich ein wenig hin und her sowie auf und ab gehen. Und plötzlich sagte er: „Gebongt, die nehme ich!“

Wie war es, mit Loriot zu arbeiten?
Es war wahnsinnig aufregend und oft auch sehr anstrengend. Bei so einem Genie, mit seinem Perfektionismus mussten viele Szenen x-mal wiederholt werden. Ob es meine Körperhaltung war oder mein Schritt. Dann wieder meine Betonung, meine Armbewegung, mein Gesichtsausdruck. Alles wurde solange wiederholt, neben Ton oder der perfekten Beleuchtung, bis er zufrieden war. Dieser Mensch, der die Film-Klappe schlug, tat einem irgendwann richtig leid.

Haben Sie danach eigentlich noch weitere Rollen gespielt?
Einmal stand ich noch für kleine Rollen mit Rudi Carrell, Dieter Krebs und Beatrix Richter vor der Kamera. Dann spielte ich noch eine Millionärstochter im Krimi „Geld oder Leben“ von Peter Patzak. Meiner Mutter hatten die fast sechswöchigen Dreharbeiten mit Vicco von Bülow doch ziemlich zugesetzt und sein Angebot, mehr mit mir machen zu wollen, schlug sie dankend aus. Ich sollte erst einmal die Schule vernünftig zu Ende machen und danach selbst entscheiden, ob dieser Weg für mich der richtige ist. 1993 hatte ich noch einmal das große Vergnügen, mit Loriot zusammenzutreffen. Anlass waren die Dreharbeiten zu seinem 70. Geburtstag. Dort waren neben Evelyn Hamann und Heinz Meyer auch viele weitere ehemalige Mitwirkende, so wie meine Wenigkeit, in einer kleinen Gastrolle zu sehen.

Wie ist es, wenn Sie heute „Weihnachten bei Hoppenstedts“ im Fernsehen sehen?
Immer wieder amüsant und herrlich anzuschauen.

Werden Sie heute noch oft auf die Rolle und Ihr legendäres Weihnachtsgedicht „Zicke Zacke Hühnerkacke!“ angesprochen?
Wie sagte ein Kollege eines renommierten Verlages einmal so schön: Katja Bogdanski hat ein seltenes Privileg. Millionen kennen sie, aber niemand erkennt sie auf der Straße. Sie ist berühmt, ohne berühmt zu sein.

Wie feiern Sie selbst Weihnachten – sehr gemütlich und mit viel Lametta?
Wir lieben die gemütlichen, ruhigen und besinnlichen Weihnachtsfeiertage. Mit einem schönen Weihnachtsbaum ohne Lametta übrigens, Feuerzangbowle sowie einer leckeren Weihnachtsgans mit Rotkohl und Klößen. Und natürlich vielen Geschenken – aber ohne, dass es „puff“ macht.

„Weihnachten bei Hoppenstedts“ am 24. Dezember um 13.45 Uhr im Ersten sowie um 18.05 Uhr und 22.40 Uhr im NDR/RB-Fernsehen.

Katja Bogdanski liebt heute die gemütlichen Weihnachten ohne viel Lametta. Foto: privat