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Frische ohne Grenzen

60 Jahre Großmarkt Bremen / 1,5 Millionen Menschen werden aus der Überseestadt heraus versorgt

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Foto: Marco Meister

Er wird auch das „Frischezentrum“ genannt und dieser Name ist wohlverdient. Denn ob Obst, Gemüse oder exotische Südfrüchte, Blumen, Pflanzen oder Kräuter, Molkereiprodukte, Fisch oder Fleischwaren: Seit 60 Jahren steht der Großmarkt Bremen für „Frische ohne Grenzen“ – und vereint regionale Erzeugnisse, weltweite Importe und Bio-Produkte zentral an einem Ort.

Einst in Flughafennähe in einer einzigen Halle angesiedelt, ist das Unternehmen seit 2002 in der Überseestadt zu Hause. Die Händlerinnen und Händler vor Ort versorgen aktuell rund 3.000 Kundinnen und Kunden in einem Umkreis von 100 Kilometern – darunter Einzel- und Wochenmarkthändler, Hotels, Restaurants und Großverbraucher wie Krankenhäuser und soziale Einrichtungen. Nach Angaben der Großmarkt-Bereichsleitung beläuft sich der geschätzte jährliche Warenumsatz an Lebensmitteln auf etwa 250.000 Tonnen, das entspricht einem Umsatz von 400 Millionen Euro. „Der Großmarkt ist für die Region Bremen und umzu seit 60 Jahren einerseits ein sehr wichtiger Lebensmittellieferant. Andererseits ist er auch ein wichtiger Arbeitgeber“, sagt Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Über 500 Menschen versorgen mit ihrer Arbeit beim Großmarkt 1,5 Millionen Menschen in Nordwestdeutschland mit frischen Lebensmitteln.

Mit einer Fläche von 16,3 Hektar, was in etwa 23 Fußballfeldern entspricht, freut sich der Großmarkt Bremen seit der Eröffnung am 15. September 1961 über 90 Händlerinnen und Händlern, die zum Teil seit Generationen dort vertreten sind. Bauer Diedrich Schumacher ist einer von ihnen. In der Erzeugerhalle, die unter den Mitarbeitenden des Großmarktes auch Bauernhalle genannt wird, ist er ein Urgestein, vielleicht sogar DAS Urgestein. Der Stuhrer verkauft saisonales Gemüse aus eigenem, handgeerntetem Anbau, momentan sind es Kartoffeln und Kürbis. Mit seinen 71 Jahren ist er seit über sechzig Jahren im Geschäft und bereits die vierte Generation, die von der Ernte bis zum Verkauf alles auf eigene Faust erledigt. Das verlangt viel Fleiß und Durchhaltevermögen. Doch er kann sich nichts anderes Vorstellen und übt den Beruf mit Leidenschaft aus. Das will er auch bis zum Ende machen. „Ich will doch nicht zu Hause am Fenster stehen, um auf dem Tod zu warten“, sagt der Händler lachend. Mittlerweile bereiten ihm zwar seine Knie Probleme. Aber wenn es mal zu viel wird, packen seine zwei erwachsenen Töchter mit an und bringen die Ware mit ihm auf den Großmarkt.

Auch in der Nebenhalle für frisches Obst steht ein Händler, der von der Pike auf im Lebensmittelhandel arbeitet: Christian Vorwerk hat seinen Betrieb im Alten Land in Hollern-Twielenfleth und bringt von dort die beliebten, knackigen Äpfel mit. Mindestens anderthalb Stunden fährt er jeden Tag zur Arbeit – „wenn der Verkehr gut ist“, sagt er. Für ihn ging es schon mit Opa während der Schulzeit auf den Großmarkt und die Freude an der Arbeit hält ihn bis heute dort. Es läuft gut für den 44-Jährigen „die Leute wollen wieder mehr regionale Produkte kaufen“, erzählt er. Das komme ihm natürlich zugute und sei sowohl für Käuferinnen und Käufer als auch für Erzeugerinnen und Erzeuger ein positiver Trend. Zu seinen Kunden zählen kleine Obst- und Gemüsehändler sowie Wochenmärkte. Besonders beliebt sei momentan die neuere Apfelsorte „Wellant“, die mit ihrem intensiven, feinsäuerlichen Apfelaroma viele Käuferinnen und Käufer überzeugt und darüber hinaus für die meisten Apfelallergiker sehr bekömmlich ist.

Abseits vom Lebensmittelbereich lockt die andere Seite des Großmarktes mit einer Farbenpracht und dem Duft von frischen Schnittblumen und diversen Pflanzen. Hier gilt ebenfalls die Devise „Je frischer desto besser“. Die Rosen vom Delmenhorster Händler „Rosen-Flügger“ wurden erst letzte Nacht geschnitten und Flügger bestätigt: „Frischer geht’s nicht.“ Das Klima unter den Handeltreibenden ist sehr freundschaftlich. Auch Marktaufsicht Markus Günsch trägt dazu bei: Er kennt alle beim Namen und grüßt seine Kolleginnen und Kollegen je nach Herkunft auf Holländisch, Deutsch, Türkisch oder Polnisch. Pflanzenhändler Stefan Schleper kann diese herzliche Art untereinander nur bestätigen: „Hier helfen sich alle gegenseitig aus, wenn etwas fehlt“, erzählt der 54-jährige. Seine Firma ist seit 1982 Teil des Großmarktes, seit 1990 führt er sie. An die frühen Arbeitszeiten von 3 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags ist er längst gewöhnt. Doch damit ist es noch nicht getan. „Danach geht es noch im Büro mit Papierkram weiter“, erzählt er. Unter den Gewächsen des Großmarkthändlers sind Pflanzen aus Holland, Dänemark und viel regionale Ware, die genau wie im Lebensmittelbereich sehr gefragt ist. Besonders beliebt ist beispielsweise verschiedenes Heidekraut für den Balkon und Garten. Orchideen wiederum laufen das ganze Jahr gut, weiß Schleper.