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„Es kribbelt“

Lockdown-Story: Entertainer DJ Toddy

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DJ und Entertainer Thorsten Siemer (DJ Toddy). Fotos: KW

„Hier wäre normalerweise die Bühne und dort hinten der Tresen.“ Es sind klare Erinnerungen, mit denen Thorsten Siemer die Halle 4 der Messe Bremen betritt. Mit selbstbewussten Schritten erkundet er das Gelände, das bis auf einzelne Paletten, gestapelte Stühle und einige Hubwagen leer steht. Die Hände in seinen Hosentaschen lassen jedoch seinen Frust erahnen.

Thorsten Siemer ist hauptberuflich Entertainer. Als DJ Toddy kennt ihn das Bremer Partyvolk vor allem als Stimmungsmacher auf den Freimarktpartys in der Halle 7. An diesem Mittwochvormittag widmet er seine Gedanken jedoch einen anderen Event: den Bremer Sixdays. Auch dieses bekannte Format gehört zu den gestrichenen Veranstaltungen infolge der Coronakrise und wird im Januar 2021 nicht wie geplant stattfinden. DJ Toddy komplettiert die musikalische Stammbelegschaft, jedes Jahr sorgt er in der Halle 4 für Stimmung. „Es ist ein merkwürdiges Gefühl, gerade hier zu sein“, gesteht er. „Es kribbelt.“ Obwohl die Halle leer steht, erinnert ihn alles daran. „Wenn der Tag X kommt, an dem die Sixdays ursprünglich starten sollten, wird mein Herz definitiv bluten“, sagt er.

Die Pandemie und der damit verbundene Lockdown haben Thorsten Siemer schwer getroffen. „Ich vermisse die Bühne und meinen Job sehr“, macht er klar. Seit Mitte März 2020 gebe es keine Aufträge mehr, ein Zustand, der vor allem aktuell das Leben des Entertainers auf den Kopf stellt. „Eigentlich wäre mein Terminkalender zu dieser Jahreszeit voll und ich nur unterwegs.“ Den Kopf in der Zwangspause in den Sand zu stecken, komme für ihn dennoch nicht in Frage. Parallel zu verschiedenen kreativen Projekten in seinen eigenen vier Wänden, wirkt Siemer an Projekten mit, die auf die prekäre Lage der Veranstaltungsbranche aufmerksam machen sollen. „Damit halte ich mich geistig über Wasser“, erzählt er. Neben dem Bundesweiten Bündnis #AlarmstufeRot ist er an der Bremer Aktion „Kulturgesichter 0421“ beteiligt, hat unter anderem die Fotos für die Kampagne gemacht. „Mir ist es wichtig, den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen aufrechtzuhalten. Wir sitzen alle im selben Boot.“