Start Bremen „Entscheidend ist, ob das Kind infiziert ist oder nicht“

„Entscheidend ist, ob das Kind infiziert ist oder nicht“

Kinder in Quarantäne: Im Gespräch mit Rechtsberater Dr. Alireza Khostevan von der Arbeitnehmerkammer

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Foto: Pixabay
Dr. Alireza Khostevan Foto: Stefan Schmidbauer

Geschlossene Kitas, Schulklassen, die ihren Präsenzunterricht wegen erkrankter Schülerinnen und Schüler pausieren müssen: Die Coronapandemie verlangt Familien nicht nur viel Kraft, sondern auch jede Menge organisatorisches Geschick ab. Schließlich gestaltet sich die Betreuung des sich in Quarantäne befindenden Nachwuchses schwierig, wenn Eltern berufstätig sind. Auch in den Beratungen der Arbeitnehmerkammer spiegelt sich diese Problemlage wider. Rechtsberater Dr. Alireza Khostevan erläutert im Gespräch, welche Rechte und Pflichten berufstätige Eltern in diesem Zusammenhang haben und warum es wichtig ist zu differenzieren, ob Kinder vorsorglich in Quarantäne oder selbst infiziert sind.

Das Thema Quarantäne ist seit Corona omnipräsent und zugleich ein Thema, bei dem sehr viel Unsicherheit herrscht. Zeigt sich das auch in den Beratungen der Arbeitnehmerkammer?
Ja, absolut. Nicht nur die Ratsuchenden sind verwirrt, was die aktuellen Regelungen betrifft. Auch wir Beraterinnen und Berater müssen uns aufgrund der sich ständig ändernden Gesetze und Verorndungen immer wieder neu in die Sachverhalte eindenken. Eine besondere Herausforderung ist auch, dass wir nicht auf höchstrichterliche Rechtsprechung zurückgreifen können und viele Rechtsfragen dadurch ungeklärt sind.

Welche Konsequenzen hat der Quarantänefall eines Kindes für die Eltern? Können diese weiterhin ihrer Arbeit nachgehen?
Vom Grundsatz her, müssen sie der Arbeit weiterhin nachgehen. Wenn ihr Kind jedoch aufgrund der Quarantäne von ihnen persönlich betreut werden muss, haben sie einen Freistellungsanspruch von der Arbeit. Die Frage der Vergütung oder Entschädigungsleistung muss im Einzelfall geprüft werden.

Was sagt die Rechtslage über die Quarantäne von Kindern aus?
Um durchzublicken, ist es sinnvoll, die entsprechende Chronologie zu kennen. Bis zum 25. November 2021 galt bundesweit die sogenannte epidemische Lage von nationaler Tragweite. Bis dahin war es so, dass Eltern von Kindern, die in Quarantäne mussten, eine Entschädigung erhalten haben, und das in voller Höhe. Das bedeutet, dass Erziehungsberechtigte, die zu Hause bleiben mussten, um ihr Kind zu betreuen, keine Einkommensverluste erfahren haben.

Diese Regel ist also mittlerweile ausgelaufen?
Richtig. Seitdem gilt eine Regelung in abgewandelter Form, die besagt, dass lediglich, wenn Kinder nicht in die Schule oder die Kita können, weil die Einrichtungen coronabedingt geschlossen sind, oder die Kinder einen positives Testergebnis aufweisen, Eltern zu Hause bleiben dürfen und Kinderkrankengeld beziehen. Diese Regelung lief bis zum 19. März dieses Jahres und greift bei nichtinfizierten Kindern, die unter Quarantäne stehen.

Und wenn die Kinder selbst infiziert sind?
Infizierte Kinder gelten als krank. In diesen Fällen greift die allgemeine, bereits vor Corona bekannte Regel, dass Eltern zu Hause bleiben dürfen und Kinderkrankengeld beziehen. Was sich im Zuge der Pandemie in diesem Kontext geändert hat, ist die Bezugsdauer. Diese beträgt eigentlich zehn Tage pro Elternteil, zwanzig Tage für Alleinerziehende und wurde in der Pandemie erweitert auf 30, beziehungsweise 60 Tage, die verteilt in Anspruch genommen werden können. Diese Erweiterung gilt noch bis Ende 2022. Wir können also festhalten: Entscheidend ist, ob das Kind infiziert ist oder nicht.

Gibt es alternative Möglichkeiten, die Arbeitnehmende nutzen können?
Ja, grundsätzlich gibt es da mehrere Optionen. Arbeitnehmende können etwa Überstunden abbauen, Urlaub nehmen oder, sofern es der Beruf zulässt, ins Homeoffice wechseln. Wichtig ist in jedem Fall, dass das Vorgehen im Vorfeld mit dem Arbeitgeber abgesprochen wird.