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Einfahrt in die Zukunft

Nordlicht“: Die BSAG verankert neue Straßenbahn-Generation im Streckennetz

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Fotos: BSAG

Es ist 3.18 Uhr als der Schweinwerfer des Schwertransporters die Dunkelheit der Nacht durchbricht. Langsam passiert das Fahrzeug die Pforte, um auf das Betriebsgelände der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) am Flughafendamm zu gelangen. Die Ankunft des Transporters wird bereits sehnsüchtig erwartet. Schließlich befindet sich auf der Ladefläche eine Innovation, die die Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs in Bremen modern und nachhaltig prägen soll. Es ist ein Modell der Generation „Nordlicht“, das am Morgen des 31. März erstmals Bremer Gleise berührt und den Beginn der neuen Straßenbahnära der BSAG zeichnet. Mehrere Tage war der Transporter aus Wien auf österreichischen, tschechischen und deutschen Straßen unterwegs, um schließlich nach 1100 Kilometern sein Ziel zu erreichen.

Einsatz ab Sommer 2020

Die neuen Bahnen des Herstellers Siemens haben einen lange Weg hinter sich.

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise ist die Zahl der Anwesenden an diesem Morgen überschaubar, auf einen umfangreichen öffentlichen Empfang wird verzichtet. Dennoch ist die Freude über die Straßenbahn groß. Michael Hüning beispielsweise, Vorstand Betrieb und Personal der BSAG, bezeichnet die Ankunft des ersten „Nordlichts“ als eine „super Sache“. „Es ist eines der großen Investitionsvorhaben der BSAG“, sagt er. Der finanzielle Aufwand von rund 250 Millionen würde die Einfahrt in die Zukunft ermöglichen. Insgesamt 77 neue Schienenfahrzeuge werden den Nahverkehr der Hansestadt ergänzen und sollen ihn zukünftig attraktiver und moderner gestalten. Voraussichtlich ab Sommer wird die erste Bahn aus dem Hause Siemens im Streckennetz der Bremer Straßenbahn AG unterwegs sein.

Geräuschärmere Fahrt und neues Sitzgefühl

Laut Angaben der BSAG sei die Anschaffung einer neuen Flotte ein wichtiger Schritt gewesen. „Die alten Bahnen sind in einem so schlechten Zustand, dass sie nicht mehr veräußerbar sind“, macht Hajo Müller, Sprecher des BSAG-Vorstandes, klar. Auch er ist am 31. März vor Ort, um das erste „Nordlicht“, das bei Siemens den Namen Avenio trägt, in Empfang zu nehmen. Mit dem beginnenden Einsatz der neuen Fahrzeuge würden sie folglich von den Gleisen genommen und der Verschrottung zugeführt werden. Schon vor dem offiziellen Einsatzbeginn der „Nordlichter“ macht Müller auf die Eigenschaften und Annehmlichkeiten der innovativen Straßenbahnen aufmerksam. Eine geräuschärmere Fahrt und ein neues Sitzgefühl – das seien die wesentlichen Verbesserungen, welche die Straßenbahnen im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen aufweisen würden. Zudem verspricht Müller: „Die Fahrgäste dürfen sich auf mehr Raum freuen.“ So löse die Breite von 2,65 Metern den zuvor üblichen Wert von 2,30 Metern ab. Dieser Platz in den Waggons biete die Möglichkeit, auf beiden Seiten doppelte Sitze anzubieten. „Mit einer Länge von 36,9 Metern ist die Bahn fortan das längste Schienenfahrzeug im Fuhrpark der BSAG“, ergänzt er in Bezug auf die Ankunft des ersten Exemplars. Zudem seien in der Konstruktionsphase beim Hersteller Siemens individuelle Anforderungen berücksichtigt worden. So weisen 35 der insgesamt 77 neuen Exemplare ein automatisches Zugsicherungssystem namens „Blocksystem“ auf – eine technische Voraussetzung, um auf Eisenbahnschienen fahren zu können, wie es beispielsweise für den Ausbau der Linien 1 und 8 erforderlich ist.

Attraktiver ÖPNV als Ziel

Auch Senatorin Maike Schaefer durfte schon Platz auf dem Fahrsitz nehmen.

Zu den ersten Menschen, die sich einen Eindruck vom Innenleben der neuen Bahn verschaffen durften, gehört auch Maike Schaefer, Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. „Wir wollen viel für den Klimaschutz tun, dazu gehört auch ein attraktiver ÖPNV“, so die Senatorin im Interview mit der BSAG. Mit den neuen Bahnen der Generation „Nordlicht“ erhoffe man sich von politischer Seite, zukünftig mehr Menschen von der täglichen Autofahrt abzuhalten und sie stattdessen für die Fahrt mit der Straßenbahn begeistern zu können.