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„Eine große Nervenprobe“

Wie Arnd Zeigler sein Hobby zum Beruf machte

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Foto: Ben Knabe/ WDR

Er ist Buchautor, Moderator, Stadionsprecher und wahrscheinlich der bekannteste Werder Fan bundesweit: Arnd Zeigler hat es geschafft, sein Hobby zum Beruf zu machen. Im Interview spricht der Co-Interpret von „Lebenslang grün-weiß“ über die vergangene Bundesligasaison, seine Sendung im WDR-Fernsehen und darüber, wieso er überhaupt Werderfan geworden ist.

Herr Zeigler, wie sind Sie zu Ihrer Fußballleidenschaft gekommen?
Das war in der Tat etwas kurios. Ich bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen, die entsprechend immer etwas mehr durften als ich. Es hat sich dann sehr schnell rausgestellt, dass die beiden, wenn abends ein Fußballspiel lief, länger aufbleiben durften. Also habe ich meine Eltern, als ich etwa vier Jahre alt war, so lange genervt, bis ich das auch gucken durfte. Fußball hat mich damals noch überhaupt nicht interessiert – aber so habe ich länger aufbleiben und neben meinen Brüdern sitzen dürfen. Dann kamen die ersten Welt- und Europameisterschaften, meine Brüder haben Fußballbilder gesammelt und plötzlich hat es mich gepackt. Zur gleichen Zeit wurde es bei meinen Brüdern im Übrigen immer weniger.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Stadionbesuch?
Ja, vor allem, da es mein erstes Spiel in Farbe war. Wir hatten bis zu dem Zeitpunkt nur einen Schwarzweißfernseher zu Hause. Es war ein langweiliges 0:0 im Jahr 1976 gegen die Bayern mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller im Weserstadion auf schneebedecktem
Boden. Die Stars mit den ganz großen Namen waren zum Greifen nahe direkt hinter dem Zaun. Und ich erinnere mich noch heute an die grünen und die roten Trikots, die ich so zuvor nur auf Fotos gesehen hatte …

Sie hatten als Jugendlicher sogar schon einen Job bei Werder …
Das ist richtig, ich habe das zu der Zeit legendäre Werder-Echo verteilt. Dafür musste ich zwei Stunden vor Spielbeginn am Stadion sein und bekam einen Ausweis, mit dem ich zu jedem Spiel ins Stadion durfte. Das habe ich natürlich auch entsprechend ausgenutzt. Ich erinnere mich noch gut an die Zweitligasaison mit Spielen gegen Bocholt, Solingen, Erkenschwick und Lüdenscheid. Die Tribüne war damals zum Teil gesperrt, weil sie dem Bauamt nicht mehr sicher schien, und es kamen meistens gerade einmal 8000 Zuschauer.

Fast wäre Werder erneut in Liga zwei gelandet. Wie haben Sie die vergangene Bundesligasaison als Fan und Stadionsprecher erlebt?
Es war wirklich anstrengend, am Ende fühlte ich mich ganz schön ausgezehrt. Zumal die Saison durch Corona ja auch quälend lang war. Irgendwie hat man ständig auf Besserung gehofft und sich dabei vor allem in der Hinrunde von einer Verletztenmeldung zur nächsten geschleppt. Immer wenn man dachte, es würde besser, wurde alles nur noch schlimmer. Eine große Nervenprobe. Ich bin sehr froh, dass am Ende mit den erfolgreichen Relegationsspielen der Klassenerhalt perfekt gemacht wurde. Denn seien wir ehrlich: Eine Zeitlang schien bei Fans und Medien das Einzige, was Werder hätte retten können, ein Saisonabbruch zu sein. Ich erinnere noch, wie ich beim letzten Heimspiel gegen den 1. FC Köln zum Stadion geradelt bin und mir dabei der Gedanke kam, dass Werder auf dem Rückweg vielleicht schon abgestiegen sei. Unvorstellbar eigentlich. So hatte die Saison dann für mich ohne Wenn und Aber noch ein Happy End.

Wie schaffen Sie es, als glühender Fan eine gewisse Neutralität bei Ihren Tätigkeiten zu wahren, beispielsweise als Stadionsprecher oder als Moderator Ihrer Fernsehsendung?
Das muss ich glücklicherweise gar nicht. Ich habe mir meine Jobs immer so ausgesucht, dass ich trotzdem Fan bleiben kann. Als ich mit 22 Jahren bei Radio Bremen anfing hatte ich eigentlich das Ziel, Sportreporter zu werden. Ich habe dann dort die Kollegen Helmuth Poppen, Walter Jasper und Wilhelm Johannson kennengelernt und gesehen, wie neutral sie berichten mussten. Das hätte mir keinen Spaß gemacht. Deswegen bezeichne ich meinen Job als Stadionsprecher als großes Glück, weil ich auch dort meine Leidenschaft weiterleben kann. Gleiches gilt auch für meine Fernsehsendung beim WDR.

Wie läuft das denn bei „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ ab?
Das Format ist komplett auf mich zugeschnitten. Im Prinzip weiß jeder, der die Sendung guckt, dass ich Werder-Fan bin. Und ich glaube auch, dass man mir anmerkt, dass ich schlecht drauf bin, wenn Werder vorher verloren hat. Aber natürlich produziere ich in erster Linie eine überregionale Fernsehsendung mit Schwerpunkt für den westdeutschen Raum.

Heimischer Anfang: In den ersten Jahre sendete Arnd Zeigler noch aus seinem Wohnzimmer. Foto: FR

Kommt die Sendung noch immer aus Ihrem Fußballzimmer zu Hause?
Anfangs kam die Sendung tatsächlich aus dem Arbeitszimmer unserer Wohnung im Viertel, während die Regie für jede Sendung im Wohnzimmer aufgebaut werden musste – was die gesamte Familie dann schon mal nerven konnte. Nachdem wir dort ausziehen mussten, habe ich praktisch um die Ecke ein identisches Haus gefunden, von dem der WDR jetzt die untere Hälfte gemietet hat, in der sich das Studio befindet und in der die Technik immer aufgebaut bleiben kann. Ich wohne oben drüber und muss für die Sendung nur eine Etage tiefer gehen.

Wie sieht ein gewöhnliches Wochenende während der Saison bei Ihnen aus?
Im Prinzip besteht das ganze Wochenende aus Fußballgucken. Es geht freitags mit dem Abendspiel los, entweder im Stadion oder vor dem Fernseher, und geht dann über die Live-Konferenz am Samstag, die Sportschau, das Sportstudio, den Doppelpass bis zu den Sonntagsspielen und schließlich zu meiner Sendung am späten Sonntagabend durch. Im Prinzip kann ich leider nie sonntags mit meiner Freundin faul auf dem Sofa liegen und den „Tatort“ gucken. Trotzdem empfinde ich es natürlich als ein Privileg mein Hobby zum Beruf gemacht haben zu können. Unter der Woche kann ich praktisch selbst planen, wann ich was mache.

Mittlerweile gibt es auch ein Bühnenprogramm, mit dem Sie unterwegs sind …
Das war aber gar nicht meine Idee. Meine Agentur kam auf mich zu und meinte, dass ich das unbedingt einmal machen müsste. Eigentlich ist das gar nicht so mein Ding, ich bin keine Rampensau. Ich konnte mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Leute Eintritt für ein Bühnenprogramm von mir bezahlen würden. Ich habe mich jedenfalls ewig geziert, bis die Agentur ankam und mir mitteilte, dass sie in drei Monaten die Hamburger Markthalle für mich gebucht hätte. Also musste ich schnell ein Programm zusammenzimmern. Ich habe dann einfach alles an Sachen reingeworfen, die ich immer schon toll fand. Das Programm hat somit ganz viel mit meiner eigenen Fußballsozialisation zu tun. Ich hatte so viel Respekt vor dem Auftritt, dass ich extra eine befreundete Band eingeladen hatte, damit die Leute wenigstens etwas Musik zu hören bekommen hätten, wenn Ihnen mein Auftritt nicht gefallen hätte. War aber zum Glück nicht so, und jetzt bin ich seit drei Jahren damit unterwegs. Eigentlich unglaublich.

Und es war ein zweites Programm angekündigt…
Das Zweite sollte eigentlich ab September starten, ist jetzt erst einmal wegen der Pandemie verschoben. Mal gucken, wann es damit losgehen kann. Erst einmal kommen noch ganz viele Nachholtermine für das erste Programm dran, die im Frühling ausfallen mussten.

Bereiten Sie sich als Stadionsprecher sowie als Moderator auf die kommende Saison vor?
So weit das geht. Es gibt sehr Weniges, was man konkret im Vorfeld tun kann, um sich vorzubereiten. Es gibt eine mit viel Liebe erstellte Aussprachedatenbank eines Kollegen, in der steht, wie der Name jedes Spielers ausgesprochen wird, und natürlich das „Kicker“- Sonderheft. Viel mehr bedarf es eigentlich nicht.

Werder-Coach Florian Kohfeldt (links) und Arnd Zeigler. Foto: FR

Wo landet Werder in der kommenden Saison?
Ich persönlich habe die Hoffnung, dass wir in den letzten Wochen schon wieder mehr davon gesehen haben, was für Werder tatsächlich möglich ist. Schließlich waren wir in der Nach-Coronapause-Tabelle auf Platz neun, mit der fünftbesten Abwehr. Wenn es uns gelingt, an ein paar entscheidenden Stellschrauben zu drehen, hat der Klub das Potenzial für eine sorgenfreie Saison. Wir reden da wahrscheinlich nicht von Europa, aber für Platz neun oder zehn sollte es reichen.