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Ein Herz für den Einzelhandel

Bremen hilft: Verena Plug macht lokale Angebote mit der Initiative "Plattform Bremen" sichtbar

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Fotos: Verena Plug

Das Corona-Virus zwingt das öffentliche Leben aktuell in die Knie und beschert vielen Menschen Existenzängste. Doch es gibt auch Lichtblicke in dieser dunklen Zeit. In unserer neuen Serie „Bremen hilft“ stellen wir regelmäßig Menschen vor, die genau jetzt zu kreativer Höchstform auflaufen und sich für andere engagieren. Zu Ihnen gehört Verena Plug.

Verena Plug ist eine fröhliche Person. In Ihrer Stimme weht eine gewisse Unbeschwertheit mit, sie lacht viel, als sie am Telefon spricht. Wenn Verena Plug an diesen Tagen jedoch die Zeitung aufschlägt oder anderweitig Nachrichten konsumiert, hat sie ein flaues Gefühl im Magen. Wird sie von neuen Insolvenz-Fällen in Bremen lesen? Traditions- und Familienunternehmen, deren Geschichte nun aufgrund eines Virus enden muss? „Mir liegt der Einzelhandel und auch die Gastronomie sehr am Herzen“, sagt die 43-Jährige. Plug war selbst 20 Jahre im Einzelhandel tätig, heute ist sie Freelancer im Bereich Marketing. Das Schicksal, das Betriebe aktuell erleiden, ist ihr bekannt: geschlossene Ladentüren, verlassene Tische, Ebbe in den Kassen. „Als sich die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzeigten, dachte ich mir, dass ich doch etwas tun muss“, erzählt sie. Die zündende Idee kommt, als sie auf die neue Vorgehensweise aufmerksam wird, die viele Unternehmen in der aktuellen Lage verfolgen. Lieferdienste und Außerhausverkäufe ersetzen vielerorts bei Händlern und Gastronomen den Standardbetrieb und sollen Umsatzeinbußen entgegenwirken. Verena Plug stellt sich jedoch die Frage: Was bringen diese Angebote, wenn niemand sie auf dem Schirm hat?

Beleidung, Blumen, Bücher und mehr

Um diesem Problem mit einem praktischen Lösungsansatz zu begegnen, ruft sie die Initiative „Plattform Bremen“ ins Leben. Eine Website, die alle lokalen Unternehmen mit Abhol- und Lieferservice sichtbar machen soll. Rund zwei Wochen lang schlägt sich Verena Plug die umgangssprachlichen Nächte um die Ohren, um die Plattform zu entwickeln – zusätzlich zu ihren beruflichen Verpflichtungen. Das Konzept von „Plattform Bremen“ besteht darin, sowohl entsprechende Angebote sichtbar zu machen als auch Interessierten eine gezielte und einfache Suche zu ermöglichen. Die gelisteten Betriebe sind daher in die Stadtbezirke Mitte, Nord, Ost, West und Süd unterteilt, auch Abhol- und Lieferdienste in den jeweiligen Stadtteilen können eingesehen werden. Ein inhaltliche Einteilung in Rubriken soll zusätzlich für Orientierung sorgen. Namentlich sind es die Kategorien Gastronomie, Bekleidung, Blumen, Bücher, Elektro, Spielwaren, Parfümerie, Werkstatt und Sonstiges.

Suche nach Angeboten

Die Recherche für die Website betreibt Verena Plug überwiegend selbst. Nach und nach pflegt sie weitere Geschäfte und Gastronomen ein, wenn sie entsprechende Aushänge an Ladentüren und in Schaufenstern entdeckt oder Angebote in den Sozialen Netzwerken ausfindig macht. „Ich wohne in Schwachhausen und kriege hier in der Regel mit, wenn ein Betrieb in der Krise kreativ wird“, sagt sie. Um die Plattform möglichst umfangreich zu gestalten und Angebote aus anderen Stadtteilen mit aufnehmen zu können, sei sie jedoch auf Input angewiesen. „Mittlerweile gibt es einige Menschen, die für mich mit suchen und mit regelmäßig mit Links versorgen.“ Auch Händler und Gastronomen selbst nehmen gelegentlich mit ihr Kontakt auf. Und dennoch: Ihr Ziel, zukünftig alle lokalen Abholdienste und Außerhausverkäufe anlässlich der Corona-Pandemie sichtbar zu machen, fordert sie heraus. „Vor allem aus Bremen-Nord und dem Umland habe ich bisher kaum Angebote finden können“, sagt die 43-Jährige. Auf eine Untätigkeit dort ansässiger Betriebe, führt die diese Schwierigkeit jedoch nicht zurück. „Ich denke, viele machen ihre Angebote einfach nicht öffentlich“, so Plug.

Kostenlose Veröffentlichung

Unternehmen, die aktuell einen Abhol- oder Lieferdienst anbieten, sind angehalten, sich per E-Mail an info@plattform-bremen.de an Verena Plug zu wenden. Für eine Veröffentlichung benötigt sie den Firmennamen, die Adresse sowie Informationen zur Branche, Erreichbarkeit und den Kontaktdaten. Eine Aufnahme ist kostenlos, die Schwachhauserin verdient damit kein Geld. „Das kommt für mich nicht infrage“, sagt sie. Entweder wollen man den Handel unterstützen und biete seine Hilfe ehrenamtlich an, oder man lasse es. „Ich möchte die Bremerinnen und Bremer dazu animieren, lokal einzukaufen und zu konsumieren, statt bei globalen Großkonzernen zu bestellen“, macht sie deutlich. „Für dieses Ziel lohnt es sich auch, die Nächte durchzuarbeiten.“

Engagieren auch Sie sich in der Corona-Krise oder kennen ein Projekt, das vorgestellt werden sollte? Hinweise nehmen wir gerne per E-Mail an info@stadtmagazin-bremen.de entgegen.