Start Gastro Die Vision vom gesunden Eis

Die Vision vom gesunden Eis

94 Icemen / Timur Budak sagt industriellen Produkten den Kampf an

1448
Foto: Wunderfood GmbH

Eis ist sein Leben – und das in zweierlei Hinsicht. So verköstigt der 29-jährige Timur Budak die kalte Süßspeise nicht nur gerne. Er verkauft sie auch. Mit seiner Marke 94 Icemen hat es sich der Jungunternehmer zur Aufgabe gemacht, Eis anzubieten, das zwar süß und schmackhaft, aber keinesfalls sündhaft ist. Sein Credo: Eisgenuss und gesunde Ernährung passen durchaus zusammen.

Es ist das Jahr 2015 als den Studenten das „Fitness-Fieber“ packt. Fortan steht regelmäßiges Krafttraining für ihn an der Tagesordnung, genauso wie proteinreiches Essen und Kalorienzählen. „Ich habe damals alle Mahlzeiten akribisch mit einer App dokumentiert“, erinnert er sich. Nach und nach eignete er sich ein Wissen über das Nährstoffprofil von Lebensmitteln und Speisen an – so auch von Eis. „Ich war total entsetzt, was für Zuckerbomben viele Sorten sind“, erzählt der ernährungsbewusste junge Mann. Verzicht üben wollte der bekennende Süßzahn zukünftig jedoch nicht und fand sich kurzerhand in der Küche mit der Eismaschine seiner Mutter wieder. „Ich habe einfach angefangen, ein bisschen zu experimentieren“, sagt der 29-Jährige. Neben Sahne und Milch, die er als klassische Bestandteile eines Speiseeises verbannte, ersetzte Budak zunächst  Industriezucker durch Stevia. Das Ergebnis sei zwar eine „steinharte Masse“ und  „kein optischer Brüller“ gewesen. Geschmacklich jedoch war Timur Budak vorerst zufrieden. „Ich war dann eine Zeit lang der komische Typ, der Eis aus seiner Tupperdose isst“, erinnert er sich lachend. Als Budak sich im Rahmen seines Master-Studiums intensiver mit dem Thema Gründungsmanagement auseinandersetzte, traf er schließlich eine Entscheidung. Gesundes Eis sollte sich zukünftig nicht mehr nur in seiner Tupperdose sondern in den Supermarktregalen wiederfinden.

Natürliche Zutaten

Jungunternehmer Timur Budak. Foto: JF

So rief der Gründer im Jahr 2016 die Wunderfood GmbH ins Leben, mit der er seine Idee verwirklichen wollte. Rezeptentwicklung, Produktion, Branding und Vertrieb – es waren zukunftsweisende Aufgaben, vor denen Timur Budak nun stand. Vor allem der vermittelte Kontakt zu Rezeptentwickler Christian Holz erwies sich an dieser Stelle als wertvoll. Gemeinsam tüftelten beide geeignete Zutaten für ein Eis aus, das zwar arm an Kalorien, aber reich an Geschmack sein sollte. Doch nicht nur unnötige Kalorien galt es für Timur Budak zu vermeiden. So hatte sich der Ideenfinder auch vorgenommen, lediglich auf natürliche Zutaten zurückzugreifen. „Es ist wirklich erschreckend, wie viele chemische Zusatzstoffe in beliebten Eissorten stecken“, begründet er. „Es handelt es sich oft um reine Industrieprodukte. Davon wollte ich mich distanzieren.“  Nach einem halben Jahr des Experimentierens, hatte Timur Budak drei Sorten entwickelt: eine Schokoladeneiscreme mit Dattelstückchen und gerösteten Kakaonibs, ein Erdbeer-Granatapfelsorbet mit frischen Granatapfelkernen und eine Vanilleeiscreme mit echter Bourbon-Vanille, Kurkuma und gerösteten Cashewkernen. Aromen, Konservierungsstoffe, Palmöl und Industriezucker eliminierte er von der Zutatenliste. „Viele waren der Meinung, das Eis und Zucker einfach zusammengehören“, so Budak, der stattdessen auf Agavendicksaft als Süßungsmittel setzt. „Ich habe das Gegenteil bewiesen.“

94 Eismänner

Nachdem Timur Budak die Rezeptentwicklung abgeschlossen und mit einer kleinen Eisfabrik im niedersächsischen Hilter einen geeigneten Produktionsort gefunden hatte, machte sich der Gründer Gedanken um einen Namen für sein Eis. Dabei sollte ihm eine allgemeine Ausgangfrage behilflich sein. „Ich habe mich gefragt, woher Eis überhaupt kommt“, berichtet Budak und machte sich daher auf die Suche nach geschichtlichen Überlieferungen zu den Anfängen der kalten Süßspeise. Vor allem die Erzählung einer alten Kaiserdynastie, auf die er bei seiner Recherche stieß, erweckte sein Interesse. So soll ein chinesischer Kaiser vor hunderten von Jahren eine Gruppe von 94 starken Männern am Hof beschäftigt haben, dessen Aufgabe es war, auf die höchsten Gletscher zu steigen, dort Eis abzubauen, es in schweren Holzkisten hinunterzutragen und daraus eine genießbare Süßspeise zu kreieren.  Für Budak eine plausible und zugleich unterhaltsame Geschichte, die ihn dazu bewegte, sein Eis fortan unter dem Namen „94 Icemen“ zu vertreiben.

Viele kreative Ideen

Timur Budak ist stolz auf sein Unternehmen, vor allem da er vielen Kritikern begegnete, die seine Vision vom gesunden Eis nicht teilten. In abgefüllten Bechern sind seine Eiskreationen in ausgewählten Edeka- und Rewe-Filialen in Bremen sowie in Bremerhaven und Oldenburg erhältlich. Für die Zukunft, kann sich Timur Budak vorstellen weitere Sorten zu entwickeln. „Ich sprühe vor kreativen Ideen“, so der 29-Jährige. Auf die Frage, ob er hin und wieder auch nochmal zum „normalen“ Eis mit Industriezucker greife, reagiert und mit einem Lächeln und erklärt augenzwinkernd: „Klar. Ich nenne das Marktanalyse.“